Ex-ABN-Amro-Manager Anko Beldsnijder bleibt seinem Stil treu und knüpft mit seinem Aktienfonds an alte Leistungen an
Fondsboutique Mainfirst feiert Erfolge

Kleine und unabhängige Fondsboutiquen werden bei privaten wie institutionellen Investoren immer beliebter. Dies zeigt nicht nur das verwaltete Fondsvermögen, sondern auch die Kurshistorie von Investmentfonds, die der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt sind, gleichwohl aber ihren Anlegern gute Ergebnisse liefern.

HB FRANKFURT/M. Anko Beldsnijder zum Beispiel verwaltete einst sechs Mrd. Euro für ABN Amro und heuerte nach einem kurzen Intermezzo bei Griffin Capital im vergangenen Jahr bei Mainfirst an. Dort verwaltet der Niederländer seit Mai 2004 den „Mainfirst Avantgarde Stock Fund“ der Frankfurter Fondsboutique – und knüpft an seine früheren Erfolge an. Seit Auflage im Mai 2004 stieg der Rücknahmepreis des Fonds für europäische Aktien um rund 34 Prozent. Der Dow Jones Stoxx 600 Index legte im gleichen Zeitraum lediglich um 23 Prozent zu.

Dass es sich nicht um eine Eintagsfliege in einem ohnehin starken Gesamtmarkt handelt, zeigt ein Blick auf die Kurshistorie des Managers. „Mit seiner Anlagephilosophie gelang es Beldsnijder bislang seit 1995 in jedem Jahr seiner Tätigkeit, den Marktindex zu übertreffen“, sagt Hermann-Josef Hall, Analyst der Sauren Fonds-Research AG.

Den Mehrwert verdankt Beldsnijder seinem „Quality Growth“ genannten Investmentstil, dem er seit Jahren treu ist. Dabei bilden fünf Qualitätskriterien wie Marktführerschaft, Gewinnwachstum und Shareholder-Value-Orientierung den von ihm eigens entwickelten Filter, mit dem Beldsnijder rund 200 Kaufkandidaten identifiziert. Sie sind die Grundlage für die 60 bis 80 Unternehmen des inzwischen auf 95 Mill. Euro gewachsenen Fondsvermögens. Der Schwerpunkt liegt auf Blue Chips. Nebenwerte sind lediglich Beimischung.

Diese Anlagephilosophie, in der die Betrachtung einzelner Unternehmen für die Titelauswahl wichtiger ist als die Gewichtung ganzer Branchen, führt zu ungewöhnlichen Fondsmerkmalen. Zum einen finden sich in den derzeit größten Positionen Standardwerte wie Roche oder Shell ebenso wie Nebenwerte wie der niederländische Hersteller von Navigationsystemen, Tom Tom, oder Mobilcom. Zum anderen ist der Fonds stets ohne Barmittel voll investiert und tauscht zur Risikobegrenzung schlecht gelaufene Werte sehr schnell aus. „Der Umsatz innerhalb des Fonds war auf Jahressicht bei annähernd 100 Prozent“, sagt Fondsanalyst Guy Boden von Standard & Poor’s (S&P). „Mit der Wertentwicklung innerhalb des ersten Jahres des Bestehens führt der Fonds unsere Rangliste der Aktienfonds Standardwerte Europa an“, schreibt Boden. Jüngst trugen vor allem Roche, Bijou Brigitte und Eon zum guten Abschneiden bei.

Dabei waren die Rahmenbedingungen nicht einmal vorteilhaft für Beldsnijders Stil. „Im Vergleich zum Gesamtmarkt sind Qualitätsaktien mit niedriger Verschuldung, hohen Kapitalrenditen und hohen Wachstumsraten so günstig wie seit 1970 nicht mehr“, erläutert der Niederländer. Dies hänge auch damit zusammen, dass der Anlagestil „Wachstum“ schon seit Ende der letzten großen Hausse 2000 nicht mehr gefragt sei und stattdessen Substanzaktien und dividendenstarke Unternehmen im Fokus stünden. Nur noch 43 der rund 900 von S&P beurteilten Aktienfonds investieren in Wachstumswerte – ein Umstand, der sich nach Meinung Beldsnijders bald ändern könnte. „In der Vergangenheit schnitten Qualitätswerte immer dann besonders gut ab, wenn die Gewinndynamik der Unternehmen abflachte und Zinsen wie auch Spreads der Unternehmensanleihen wieder zu klettern beginnen – genau an diesem Punkt sind wir gerade“, sagt Beldsnijder. Die meisten Nebenwerte hält er augenblicklich für ausgereizt, hingegen gewichtet er defensive Werte der Ölbranche wie Shell und Statoil und Pharmatitel wie Roche und Glaxo-Smithkline über. Dennoch hat kein Wert ein Gewicht von mehr als vier Prozent im Fonds, um Risikohäufungen zu vermeiden.

Und so dürfte das größte Risiko des Fonds auch im Management selbst liegen: Mit der Person Beldsnijder steht und fällt der Fonds und damit auch die Chancen auf einen kontinuierlichen Mehrertrag. Dies zeigt auch die Analyse seines früheren Fonds-Flaggschiffs ABN Amro German Equity, der nach Beldnijders Abgang im Jahr 2000 nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen konnte.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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