Exklusiv-Umfrage: Anleger misstrauen Aktienboom

Exklusiv-Umfrage
Anleger misstrauen Aktienboom

Folgen die Börsen den Einschätzungen der Anleger, dann haben die Aktienmärkte schon zum Jahreswechsel ihr Pulver praktisch verschossen. Knapp 1 000 befragte private und institutionelle Anleger erwarten, dass der Dax Ende 2008 bei 8 271 Punkten notieren wird.

DÜSSELDORF. Das ergibt die Umfrage des Frankfurter Researchinstituts Sentix, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Dabei handelt es sich um die größte regelmäßige Anlegerumfrage in Europa. Die Analysten der großen Banken dagegen prophezeien höhere Kurse. "Die Optimisten ziehen sich zurück“, kommentiert Sentix-Experte Patrick Hussy die Ergebnisse. In den vergangenen Jahren hatten die Investoren den Börsen stets ein besseres Zeugnis ausgestellt und mehr Potenzial eingeräumt.

Bemerkenswert ist, dass diesmal ausgerechnet die professionellen Investoren dem Dax noch weniger Potenzial zubilligen als Privatanleger. „Institutionelle liegen längerfristig besser als Kleinanleger“, hebt Hussy die Urteilskraft der Profis mit Blick auf die vergangenen sieben Jahre hervor, seitdem Sentix die Umfragen erhebt. „Zweifellos haben Profis stärker als Kleinanleger die sinkenden Konjunkturindikatoren und komplizierten Daten zur Immobilienkrise vor Augen.“

Ihre größere Skepsis zieht sich wie ein roter Faden durch die Anlageklassen. Für die US-Börsen rechnen institutionelle Investoren auf Jahressicht sogar mit leicht sinkenden Kursen. Zudem erwarten sie stärker als Privatanleger, dass die amerikanische Notenbank die Zinsen senken wird.

In Kontrast dazu stehen die offiziellen Schätzungen der Bankhäuser. Zum Jahreswechsel billigten 32 vom Handelsblatt befragte Institutionen dem Dax auf Zwölfmonatssicht durchschnittlich ein Niveau von 8 567 Punkten zu. Das sind immerhin gut sechs Prozent plus – fast doppelt so viel, wie sich mit europäischen Staatsanleihen verdienen lässt. „Um keine Ängste vor einer Rezession zu schüren und das Börsenklima nicht zu belasten, urteilen viele Profis in der Öffentlichkeit positiv“, sagt Ansgar Metz vom Kölner Marktforschungs- und Beratungsinstitut Psychonomics. Weil sich Kurse nun einmal zu einem Großteil aus Psychologie bildeten, hätten Banken kein Interesse an negativer Stimmung.

Allerdings dürfen die Optimisten für sich verbuchen, dass die Aktienmärkte nun schon vier Jahre lang die Erwartungen selbst der euphorischsten Bankhäuser schlugen. Seit dem Tief im Frühjahr 2003 legte der Dax 260 Prozent zu. Ende vergangenen Jahres stieg er bis auf 8 152 Punkte und überwand damit nach sieben Jahren seinen alten Höchststand.

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