Exklusive Umfrage
Top-Asset-Manager sind oft Nachhaltigkeits-Anfänger

Die Branchenbesten in der Vermögensverwaltung haben viel Luft nach oben bei der verantwortlich-nachhaltigen Vermögensverwaltung. Manche aber zeigen: Starkes Wachstum ist machbar, Kunden gibt es genug.

BerlinDie Anteile der auch unter Beachtung von ökologischen, ethischen, sozialen und Governance-Aspekten verwalteten Vermögen bewegen sich bei den Top-Vermögensverwaltungen meist um die fünf Prozent aller verwalteten Vermögen (Assets under Management, AUM). Nur vier Akteure kommen auf deutlich höhere Anteile. Die Deutsche Oppenheim Family Office sticht mit 31 Prozent besonders hervor.

Das ergab einen Umfrage unter den 45 im Herbst vom Elite Report gekürten besten Vermögensverwaltern im deutschsprachigen Raum. Sie mögen nach herkömmlichen Maßstäben die besten sein, doch hinsichtlich eines verantwortlich-nachhaltigen Asset Managements ist noch sehr viel Luft nach oben. Der Elite Report fragte diesen Aspekt wohl qualitativ ab, im Ranking spielt er aber keine Rolle.

Insgesamt reagierten 26 der um den Jahreswechsel der befragten Vermögensverwalter. Weniger als die Hälfte, 20, gaben auf alle Fragen auch Antworten. Selbst wenn manche nur vage Angaben zu Volumina machten, ergeben sich geschätzt 20 bis 24 Milliarden nachhaltig verwaltete Euro - im Schnitt aller, die reagierten, immerhin sechs bis sieben Prozent.

Bei denjenigen, die die Umfrage ignorierten, dürfte das Querschnittsthema Nachhaltigkeit wohl keine Rolle spielen. Neben den puren Zahlen drücken spontane Reaktionen auf die lediglich sechs Fragen die aktuelle Lage aus. „ Sie sind ja lustig…“, schrieb ein PR-Berater Sekunden nach der Anfrage: „Die Beantwortung verlangt ja fast eine Doktorarbeit, aber was haben wir bzw. was hat unser Kunde davon?“

Er erhielt zur Antwort: „Mitnichten – Asset Manager, die sich mit dem Thema befassen, sollten die Zahlen für die Fragen 1–4 rasch herausrücken und ein paar Sätze zu 5 und 6 sagen können. Angesichts des zunehmenden Interesses vermögender Anleger an Vermögensverwaltern mit entsprechender Kompetenz können sich diese mit transparenter Beantwortung der Fragen entsprechend positionieren.“ Daraufhin sendete der Vermögensverwalter persönlich so präzise Antworten, dass sein skeptischer Kommunikationsmensch das Thema nun auch verstanden haben dürfte.

Ein anderes Institut vergewisserte sich, ob es sinnvoll sei, an der Umfrage teilzunehmen. Es bestehe die Befürchtung, schlecht dazustehen, weil man die eigenen nachhaltigen Produkte noch nicht aktiv vertreibe. Das solle sich allerdings künftig ändern. Der Akteur ließ sich zum Mitmachen bewegen. Denn leere Felder in einer Tabelle signalisieren: Hier hat sich einer um Antworten gedrückt. Das sieht noch schlechter aus.

Fünf Vermögensverwalter lehnten eine Teilnahme in diesem Jahr ab, urlaubs- oder krankheitsbedingt oder weil sie noch keine nachhaltigen Assets haben. Die Hypo Vorarlberg plant gerade die Lancierung eines nachhaltigen Investmentfonds. In einem Fall gelangte unbeabsichtigt eine interne Korrespondenz in mein Postfach: „Nicht, dass das Handelsblatt dann irgendwelche Geschichten daraus macht.“

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