Experten erwarten Absatzverluste
Politischer Druck bremst Tabakaktien

Widersprüchlicher könnte das Bild kaum sein: Der politische Druck auf die Tabakindustrie wächst mit jedem Jahr und im Gegenzug steigen die Kurse der führenden Konzerne auf Rekordniveau. Allerdings trüben sich die Aussichten für die Zigarettenhersteller ein.

FRANKFURT/M. Zwar geben sie Steuererhöhung auf Tabakprodukte konsequent an die Konsumenten weiter. Damit provozieren sie allerdings Absatzeinbußen und verstärken so den langfristig negativen Trend: Der Markt schrumpft und mit ihm die Chance auf weitere Kursgewinne.

In Deutschland verteuert sich eine Zigarette ab dem 1. September um 1,2 Cent. Dann kostet etwa eine Schachtel „Marlboro“ von Philip Morris 3,80 Euro. Das sind zwar 20 Cent weniger als bisher, statt 19 sind dann aber nur noch 17 Zigaretten in der Packung. Auf ähnliche versteckte Preiserhöhungen haben die Verbraucher in der Vergangenheit mit Ausweichreaktionen reagiert. Sie kauften Feinschnitt zum selber drehen oder wichen auf Schmuggelware aus. Allein in Deutschland ist der Zigarettenabsatz in den vergangenen zwei Jahren um 30 Milliarden Stück eingebrochen. „Eine Preiserhöhung der Konzerne hat deshalb in etablierten Märkten kaum eine Chance“, sagt Karl Strohmeier von der Landesbank Baden-Württemberg.

Weltweit vertretene Konzerne wie Philip Morris beeindruckt das nicht. Ihr Wachstum erzielen sie nicht mehr in den Kernmärkten Europa und Nordamerika. Bei Philip Morris etwa stieg der Zigarettenabsatz im vergangenen Jahr in erster Linie dank Zuwächsen in Osteuropa und Nahost um fünf Prozent. Die Aktie des Mischkonzerns Altria, zu dem neben dem Nahrungsmittelhersteller Kraft auch Philip Morris gehört, ist seit November 2004 von 35 auf 57 Euro gestiegen.

Für weiteren Schub sorgte die Entscheidung eines Washingtoner Gerichts. Im Februar wurde eine Klage der US-Regierung gegen Philip Morris und fünf andere Tabakkonzerne abgeschmettert, die von den Herstellern 280 Mrd. US-Dollar Schadenersatz forderte. Für Anleger ist dies positiv, da „ die Prozessrisiken aus Investorensicht weniger Gewicht bekommen“, sagt Strohmeier.

Seite 1:

Politischer Druck bremst Tabakaktien

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%