Experten erwarten Konsolidierung der Kurse – Konsum- und Bankenaktien dürften weiter von Osterweiterung profitieren
In Wien gibt es keine Schmankerl mehr

Die Börse Wien ist der heimliche Star an den Finanzmärkten Europas: In den vergangenen 19 Monaten hat sich der österreichische Aktienindex ATX verdoppelt. Allein im vergangenen Jahr legte der Leitindex 52 % zu. Im laufenden Jahr stieg er noch einmal um 25 %. Im April kratzte der Index sogar kurz an der 2 000-Punkte- Marke. Der Deutsche Aktienindex (Dax) hingegen hat seit Jahresanfang 2,5 % verloren.

DÜSSELDORF. Doch nun scheint auch dem ATX etwas die Luft auszugehen. „Konsolidierung ist jetzt angesagt in Wien“, sagt Alfred Reisenberger, Leiter der Aktienanalyse bei der Bank Austria Creditanstalt. Die Bewertung des ATX ist mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16,1 für das laufende Jahr höher als im Dax. „Schmankerl gibst es nicht mehr“, sagt Reisenberger. „Die Phantasie um die EU-Osterweiterung, den Privatisierungskurs der Regierung und die Senkung des Körperschaftssteuersatzes von 34 % auf 25 % sind eingepreist“. Die Phantasie sei weg, sagt auch Günther Artner, Aktienanalyst bei der Ersten Bank. Jetzt zählten die Quartalsergebnisse der Unternehmen und die Zinsentwicklung in den USA und in Europa.

„Fundamental werden die Unternehmen in Österreich aber über Jahre, wenn nicht über Jahrzehnte von der EU-Osterweiterung profitieren“, sagt Artner. Die volkswirtschaftliche Abteilung der Ersten Bank hat errechnet, dass es im Durchschnitt 30 Jahre dauert, bis das Pro-Kopf-Einkommen in den zehn Beitrittsländern so hoch ist wie in Deutschland, wenn die Wirtschaft in Ungarn, Tschechien und Co jedes Jahr mindestens 4 % stärker wächst als in Westeuropa. „Und solange werden auch Unternehmen, die auf den Märkten Osteuropas anständig positioniert sind, überdurchschnittlich profitieren“, glaubt Artner. Denn wenn das Einkommen steigt, haben die neuen Bürger der Europäischen Union mehr Geld in ihren Brieftaschen und konsumieren mehr. Der ideale Ostkunde aus Sicht der westlichen Konzerne zieht laut Artner denn auch Geld am Schalter der Ersten Bank, kauft bei Metro ein Waschmittel von Henkel, das in einer Verpackung von Mayr-Melnhof steckt und fährt es mit dem Škoda nach Hause, wo er es über die Kanalrohre von Wienerberger entsorgt.

Die Unternehmen in Österreich sollten von den Ostkunden stärker profitieren als die deutschen. Artner empfiehlt deshalb den Verpackungshersteller Mayr-Melnhof zum Kauf. Claudia Vince-Bsteh, Analystin von der Raiffeisen Centrobank, schwört auf Wienerberger, die ein Fünftel des Umsatzes und 40 % des Ergebnisses in Osteuropa erzielen. Und Analyst Reisenberger empfiehlt auf Grund der günstigen Bewertung und des überdurchschnittlichen Gewinnwachstums auch die Aktien von Andritz, einem Hersteller von Anlagen zur Zellstoffaufbereitung und den Werkzeugbauer Böhler zum Kauf.

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