Experten erwarten Kurserholung
Athener Aktien bieten den Charme des Balkans

Stärker als andere europäische Märkte wurde die Athener Börse von der jüngsten Korrektur gebeutelt. Dafür billigen Analysten griechischen Dividendentiteln jetzt besonders großes Erholungspotenzial zu. Denn die fundamentalen Vorgaben an der Akropolis sind gut.

ATHEN. Rund 15 Prozent verlor der Athener Leitindex ASE seit Anfang Mai, fast doppelt so viel wie der Euro Stoxx 600. Zwar gehört Athen schon seit 2001 zu den entwickelten Märkten. Der jüngste Kurseinbruch zeigte aber, dass viele ausländische Anleger Athen immer noch mit den Schwellenmärkten in einen Topf werfen. „Das war zwar schon öfter zu beobachten, dennoch hat uns diesmal das Ausmaß der Korrektur überrascht“, gesteht Ralph Luther, der beim Hamburger Bankhaus Berenberg den Hellas Olympia Fonds managt. Andreas Kontogouris, der beim größten griechischen Wertpapierbroker P&K institutionelle Anleger betreut, sagt: „Wir hatten hier im Markt einen unerwartet hohen Anteil von HedgeFonds, die nach den Zinsängsten in den USA und Europa ihr Risikoprofil reduzieren wollten.“

Nachdem der Vorsprung, den die Athener Börse in den ersten vier Monaten gegenüber dem europäischen Index Euro Stoxx herausgeholt hatte, nun aufgezehrt ist, sehen Analysten in Griechenland wieder gute Kurschancen. „Der Markt muss den Schock der letzten Wochen erst noch verdauen, aber ab Herbst dürfte er wieder outperformen“, sagt Berenberg-Fondsmanager Luther.

Das erwartet auch Kontogouris. Die Fundamentaldaten, meint er, erlaubten rational keine weitere Talfahrt der Athener Aktienkurse: Mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 4,1 Prozent im 1. Quartal lag Griechenland erneut deutlich über dem Durchschnitt der Euro-Zone. Für das Gesamtjahr und für 2007 erwartet die Regierung ein Wirtschaftswachstum von jeweils 3,8 Prozent. Die Sanierung der Staatsfinanzen macht Fortschritte: Nach einem Haushalts-Fehlbetrag von 4,5 Prozent des BIP im vergangenen Jahr dürfte die Defizitquote 2006 unter drei Prozent fallen und damit den Vorgaben des EU-Stabilitätspakts entsprechen. Im Jahr 2007 beschert außerdem die Senkung der Körperschaftssteuern auf 25 Prozent den Unternehmen zusätzliche Gewinne.

Attraktiv für ausländische Anleger, auf die fast zwei Drittel der Athener Marktkapitalisierung entfallen, sind griechische Dividendentitel auch wegen der Expansion zahlreicher Unternehmen in der Balkanregion. Die großen griechischen Finanzdienstleister wie National Bank, Alpha Bank und EFG Eurobank erwirtschaften mittlerweile einen wachsenden Anteil ihrer Gewinne in den wachstumsstarken Balkanmärkten. Im Bankensektor sorgen überdies Deals wie das Übernahmeangebot der französischen Crédit Agricole für die griechische Emporiki Bank und Spekulationen über einen Einstieg der Athener Piraeus Bank bei der Bank of Cyprus für Kursphantasie.

Kontogouris hält vor dem Hintergrund der guten fundamentalen Vorgaben den Markt bei einem aktuellen Indexstand von rund 3 650 Punkten für unterbewertet: „Das KGV liegt seit 1998 historisch bei rund 17, aktuell sind wir nur bei 14,8“. Die 4 000er-Marke sei „näher als man glaubt“, meint er und hält bis zum Jahresende 4 400 Zähler für ein realistisches Ziel. Stockpicking, die sorgfältige Auswahl der Einzeltitel, sei allerdings stärker gefragt denn je. „Athen ist ein Markt für Spezialisten“, sagt der Experte.

Auf der Empfehlungsliste von P&K stehen als Blue Chips neben Hellenic Telecom die Papiere der National Bank, Postbank, EFG Eurobank, Bank of Cyprus und von Coca Cola Hellenic Bottling sowie als kleinere Titel die Bauunternehmen Hellenic Technodomiki und GEK und der Zementhersteller Titan. Banken und Bauunternehmen gehören auch zu den Favoriten von Berenberg-Fondsmanager Luther. Zwei weitere von vielen Analysten genannte Papiere sind die Aktien des Lotterie-Ausrüsters und Betreibers Intralot und des Einzelhändlers Folli Follie. Beide Unternehmen expandieren stark im Ausland.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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