Experten erwarten noch keine nachhaltige Kurserholung an den südostasiatischen Märkten
Zitterpartie an den Tigerbörsen

Im ersten Quartal 2004 sind die asiatischen Volkswirtschaften so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr gewachsen. Doch der Optimismus der Anleger für die Region Asien-Pazifik hat stark nachgelassen.

NEU DELHI/DÜSSELDORF. Dies spiegelt sich in den Kursen der Tigerbörsen wieder, wie die südostasiatischen Aktienmärkte auch genannt werden. Seit April sind die Kurse deutlich gefallen, eine Erholung ist bisher ausgeblieben. Experten zufolge locken die Börsen zwar mit zum Teil attraktiven Bewertungen, aber es gibt noch starke Belastungsfaktoren.

Analysten sind sich über drei Faktoren einig, welche die Aussichten weiter trüben: In Asien geht die Angst vor einer merklichen Abkühlung des China-Booms um; dieser hatte der gesamten Region in den letzten zwei Jahren zu einem Wachstumsschub verholfen. Außerdem fürchten die Anleger steigende US- Zinsen. Das könnte Asiens Zentralbanken zum Nachziehen zwingen und US-Großanleger zu weiteren Portfolioverlagerungen – zurück in die USA – verleiten. Drittens sind hohe Ölpreise für die energiehungrige Region eine bittere Pille.

„Im zweiten Quartal hat bei den global investierenden Anlegern die Risikoaversion zugenommen“, sagt Adam Matthews, Fondsmanager bei JP Morgan Fleming. Die Rückführung von carry-trades (Ausnutzung von Renditevorteilen) habe im April und Mai die internationalen Kapitalströme dominiert. Zuvor hätten Anleger sich billiges Geld in den USA geborgt; investiert wurde dann in riskantere Anlagen im Ausland, die eine höhere Rendite brachten. Zusammen mit den oben genannten Faktoren habe dies seit April zu einem „Ausverkauf“ geführt, vor allem an Märkten, die im Jahr 2003 stark zugelegt hatten. Dazu zählten etwa Thailand, Malaysia und Korea.

Für UBS Asien-Chefvolkswirt Jonathan Anderson übertreiben die Märkte derzeit. Berechnungen seiner Bank zufolge preisen sie einen zu hohen Einbruch der Unternehmensgewinne von 30 Prozent ein. Kurzfristig sieht aber auch er wegen der Faktoren Zinsen, Öl und China das Risiko stagnierender oder bröckelnder Kurse. Seiner Meinung nach müssen sich Anleger in den kommenden Quartalen auf eine Art „Wasserfolter“ einrichten – ein langsames, stetiges Tröpfeln negativer Konjunkturmeldungen. Auf Grundlage vorläufiger Zahlen schätzt die Schweizer UBS, dass die Wirtschaft der Region im ersten Quartal noch um 6,5 Prozent expandierte. Doch die jüngsten Handelsdaten deutet Anderson als Signal für das Ende des Aufschwungs in Fernost: Im Mai sanken Import- und Exportwachstum erstmals seit langem.

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