Experten: Händler befürchten zweite Verkaufswelle

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Händler befürchten zweite Verkaufswelle

Ein Ende der Turbulenzen an den Börsen ist offenbar nicht in Sicht. Für den heutigen Handelstag befürchten die Makler nach den geplanten Herabstufungen von rund 8000 Papieren durch die Rating-Agentur Standard & Poor's eine zweite Verkaufswelle. Auch die Anlagestrategen der Banken sehen keine Stabilisierung der großen Börsenindizes.

HB FRANKFURT. Eine zweite Verkaufswelle sehen Makler im Dax nahen. „Die Verkaufsaufträge nehmen wieder zu“, sagt einer. Vor allem bei den europäischen Finanztiteln habe es nur eine kurze Zwischenerholung gegeben. „Für den Dax sehe ich schwarz“, ergänzt ein Techniker. Sollte das Tagestief um 6 730 fallen, habe der Index rund weitere 100 Punkte nach unten Luft.

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Ohnehin ist ein Ende der Börsen-Turbulenzen ist kurzfristig nicht in Sicht. Das befürchten die von der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires befragte Anlagestrategen. „Korrekturen brauchen Zeit“, ist sich Petra von Kerssenbrock, technische Analystin von Commerzbank Corporates & Markets, einig mit Gerard Piasko, Chief Investment Officer bei Julius Bär in Zürich. Beide wollen sich noch nicht festlegen, ob die großen Indizes wie Dax oder Euro-Stoxx-50 die Tiefststände der vergangenen Woche noch einmal unterschreiten. Pessimistischer ist Heino Ruland, Aktienstratege von Frankfurtfinanz. Er rechnet damit, dass der akkumulierte Gewinn im Dax um 18 Prozent fällt, und sieht den Dax bei rund 6 000 Punkten fair bewertet.

Die Fed-Entscheidung wird von den Strategen begrüßt - nicht aber überbewertet. Die Zinsentscheidung sei erwartet worden, „sie kann die Turbulenzen aber kurzfristig nur mildern“, meint Piasko. Damit bleibe die Hoffnung, dass sich die Stabilisierung oberhalb des Tiefs bei 6 400 zunächst fortsetze. Eine durchgreifende Erholung sei aber nicht in Sicht, die Luft werde in der Gegend der 7 000er Marke dünn. Anleger sollten Kaufsignale abwarten, rät Kerssenbrock.

Auch Piasko will zunächst eine Bodenbildung sehen, und zwar bei den US-Immobilienpreisen. Denn diese seien die Ursache der Turbulenzen, da der Wert der Hypotheken ständig abnehme, diese aber die Assets in den Kreditportfolios seien. Erst eine nachhaltige Bodenbildung in den Immobilienpreisen könne deshalb den Kreislauf der Abschreibungen und Wertberichtigungen bei den Finanzwerten beenden und damit auch die Krise generell, so Piasko, der als Indikator unter anderem den Case-Shiller-Index heranzieht. Die Immobilienmärkte hätten zuvor stark nach oben übertrieben, und gerade nach Übertreibungen ziehe sich eine Bodenbildung erfahrungsgemäß länger hin.

Ruland erwartet unterdessen nicht, dass die Industrieproduktion in Deutschland stärker unter Druck gerät, befürchtet aber eine Verlangsamung im Jahresverlauf mit dem Abarbeiten des starken Auftragsbestands. Er erwartet zudem, dass Löhne und Gehälter dieses Jahr zwischen 4,5 Prozent und 4,8 Prozet steigen und deshalb die Arbeitskosten zwischen 5 Prozent und 5,3 Prozent zunehmen werden. Die Gewinne der Industrieunternehmen dürften deshalb um 15 Prozent zurückgehen, die Gewinne der Finanzunternehmen um 30 Prozent.

Damit dürfte der 2007er Gewinn von vermutlich 550 Euro im Dax um 18 Prozent fallen auf 451 Euro, so Ruland. Gemessen an den Bond-Renditen sei das zwar „kein Desaster“, Anleger sollten sich aber zumindest darauf einstellen, dass die Real-Rendite auf 2,5 Prozent steige.

Selbst bei leicht fallenden Risikoaufschlägen am Aktienmarkt wäre dann ein KGV von 13,4 angemessen. Rechnerisch lege dies einen Dax-Stand um 6 046 Punkte nahe. Allerdings könne die Risiko-Aversion der Anleger zunehmen, dann wäre auch ein Dax-Rückgang um 25 Prozent möglich, warnt Ruland.

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