Experten sehen Gefahren für Rückschläge
In Osteuropa lauern Währungsrisiken

Wer in der Hoffnung auf positive Effekte des EU-Beitritts Wertpapiere der großen mittelosteuropäischen Beitrittsländer gekauft hat, konnte damit ein gutes Geschäft machen. Doch nun zeichnen sich Risiken ab.

HB FRANKFURT/M. Nicht unwesentlich zum guten bisherigen Verlauf beigetragen hat die Aufwertung der lokalen Währungen. Sie erhöht bei Rückrechnung in Euro den Wert von Dividenden, Zinskupons und Kurssteigerungen.

Investoren in polnische Wertpapiere haben auf diese Weise seit Anfang 2004 zusätzliche Kursgewinne um von 15 Prozent erzielt - in Ungarn, Tschechien und Slowenien waren es immerhin rund acht Prozent. Nun müssen sich die Anleger fragen, ob sie solchen Rückenwind von der Währungsseite auch in Zukunft einplanen können, oder ob sie stattdessen mit einer Korrektur rechnen müssen.

Hauptgrund für die Währungsaufwertung in Mittelosteuropa bisher war der starke Zustrom von Auslandskapital, zu einem großen Teil in Form von Direktinvestitionen. Das Kapital wird angezogen von niedrigen Löhnen, dem starken Wachstum und dem hohen Wachstumspotenzial, das den Beitrittsländern zugeschrieben wird.

Diese Faktoren dürften weiter für eine hohe Attraktivität der Region für Auslandskapital sorgen. Doch es gibt durchaus Risikofaktoren, die einzelnen Währungen Schwächeperioden bescheren könnten. Dazu zählen mögliche politische Richtungswechsel und Konjunktursorgen als Folge der bisherigen Aufwertung.

Risiken in Polen, Ungarn, Tschechien

In Polen haben sogar Notenbankvertreter jüngst gewarnt, dass Parlamentswahlen, die im September anstehen, in der Vergangenheit häufig zu einem Schwächeanfall der Währung geführt haben. Einen Vorgeschmack auf mögliche politische Turbulenzen erhielten die Marktteilnehmer erst jüngst durch den Austritts des Wirtschaftsministers aus der Regierungspartei, der dazu beitrug, den Höhenflug des Zloty erst einmal aufzuhalten. "Der Zloty dürfte sich bis zur Jahresmitte gut entwickeln, bevor die Wahlen ab der Jahresmitte Schwächetendenzen auslösen", prognostiziert Robert Beange, Analyst der Investmentbank Lehman Brothers. Allerdings sieht der Experte von Morgan Stanley, Oliver Weeks gute Chancen, dass die Wahlen eine stabile und finanzpolitisch konservative Regierung hervorbringen. Die Osteuropa-Experten von Merrill Lynch sorgen sich weniger um die anstehenden Wahlen in Polen als um den sich eintrübenden Konjunkturausblick. Er begrenzt nach ihrer Ansicht das Aufwärtspotential für den Zloty.

Ungarn: Zinsen könnten sinken

In Ungarn hat die Regierung die Geduld mit der restriktiven und damit wachstumsdämpfenden Geldpolitik der Notenbank verloren und den geldpolitischen Rat um vier von der Regierung bestimmte Mitglieder erweitert. Deshalb wird am Markt mit einer aggressiven Zinssenkungspolitik gerechnet, die die Währung schwächen könnte. Die Osteuropa-Experten von Lehman sehen den Forint zum Jahresende immerhin um zehn Prozent niedriger als derzeit.

Zinstrend nach unten auch in Tschechien

In Tschechien macht sich die Notenbank bereits Sorgen, dass die starke Krone die Inflation zu weit nach unten drücken könnte und hat damit bereits eine Zinssenkung begründet. Sollte sich der Trend zu sinkenden Zinsen fortsetzen, könnte dies die Attraktivität der Krone schmälern.

Optimistischer als Lehman und Merrill Lynch sind die Osteuropa-Experten der Hypo-Vereinsbank. Sie sehen vor allem in Polen und Tschechien noch deutliches Aufwertungspotenzial. Lediglich in Bezug auf Ungarn zeigen auch sie eine gewisse Skepsis.

Rumänien im Blick

Nachdem die Anleger in den neuen Beitrittsländern in Hinblick auf eine mögliche Mitgliedschaft in der Europäischen Währungsunion bereits beträchtliche Konvergenzgewinne realisiert haben, schauen sie zunehmend auf die nächsten EU-Aspiranten. Interessante Gelegenheiten könnten sich in Rumänien bieten, wenn das Land wie geplant bald Ausländern Konten in der Landeswährung Leu erlaubt.

Der Internationale Währungsfonds rät der Regierung, diesen Schritt um ein bis zwei Monate auf die Jahresmitte zu verschieben. Der Fonds befürchtet, dass ein Zustrom von kurzfristigem Kapital die Inflation antreiben könnte. Sollte es tatsächlich zu dem befürchteten Kapitalzustrom kommen, dürfte dies dem Leu beträchtlichen Aufwind verschaffen.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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