Experten sehen gute Chancen
Asien lockt mit attraktiven Kursen

Rasantes Wachstum, zunehmende Liquidität, günstig bewertete Aktien: Anlageprofis bevorzugen unter den Schwellenländern die Region Fernost.

DÜSSELDORF. Kursgewinne von mehr als 50 Prozent sind der Stoff, aus dem Anleger-Träume sind. Mit Aktien aus Schwellenländern (Emerging Markets) seien solche Renditen in diesem Jahr durchaus möglich, meint Allan Conway, Leiter Emerging Markets bei der WestLB-Tochter West AM in London. „Aktien aus Emerging Markets werden in diesem Jahr die lukrativste Anlageklasse sein“, ist sich Conway sicher. Die bisherige Entwicklung seit Jahresbeginn gibt ihm Recht: Rund 20 Prozent Plus stehen für den MSCI-Emerging-Markets- Index zu Buche. Bis Jahresende erwartet Conway einen Kursanstieg von 40 bis 60 Prozent.

Für seinen Optimismus nennt der Anlageprofi drei Gründe: Einerseits wachsen die Volkswirtschaften der Schwellenländer weiter mit rasantem Tempo – angetrieben durch steigende Konsumausgaben der heimischen Bevölkerung. Zum anderen hält Conway die Aktien der Emerging Markets für sehr günstig bewertet. „Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2004 liegt unter zehn und damit auf dem niedrigsten Stand seit mehr als 15 Jahren, und auch alle anderen Kennzahlen weisen auf eine deutliche Unterbewertung hin“, sagt Conway. Als dritten Aspekt nennt er schließlich die zunehmende Liquidität. Im Mai seien die Zuflüsse von internationalen Investoren auf den höchsten Stand seit Anfang 2002 geklettert. Nicht-amerikanische Investoren legten zuletzt gar so viel in Schwellenländern an, wie seit mehr als acht Jahren nicht mehr. „Während die jüngsten Kursgewinne in den Emerging Markets vor allem auf einem steigenden Interesse der heimischen Investoren beruhte, steht jetzt auch eine liquiditäts-getriebene Rally an den Aktienmärkten bevor“, fügt Conway hinzu.

Im Fokus der meisten Experten liegt dabei zurzeit Asien. „Erfahrungsgemäß ziehen die exportorientierten Märkte in Asien zu Beginn eines Konjunkturzyklus am stärksten an“, sagt Conway und hebt Südkorea und Taiwan besonders hervor. Dies unterstreicht auch Franz Wenzel, Investment-Stratege bei Axa Investment Managers. „Korea ist von der Bewertung her noch sehr attraktiv“, sagt er. Zudem verfüge das Land in der Region über das stärkste ökonomische Wachstum, und auch die Exporte in die USA seien stark. Von einem Anspringen der US-Konjunktur werde Südkorea entsprechend profitieren. Axa Investment sei für die gesamte Region „recht positiv“ gestimmt. Neben Südkorea werden die besten Chancen laut Wenzel in China und Thailand gesehen. Gegen Taiwan spreche die starke Ausrichtung auf Technologiewerte.

Auch der DIT Deutscher Investment Trust blickt auf Asien. Grant Yun Cheng vom Global-Emerging- Market-Team des DIT sagt: „Asien hat noch sehr viel Aufholpotenzial.“ Dies gelte insbesondere gegenüber der Region Lateinamerika, die im ersten Halbjahr besser abgeschnitten habe. Der Hauptgrund dafür sei die SARS-Epidemie in Asien gewesen. „Weitere wirtschaftliche Verbesserungen“ sieht Cheng in Thailand – er rät hier zur Übergewichtung. Anders als Conway oder Wenzel ist Cheng aber bei Südkorea zurückhaltend. Die volkswirtschaftlichen Daten seien noch nicht überzeugend. Anlegern rät er: „noch abwarten und nicht zu schnell einsteigen“.

In Lateinamerika ist Cheng im Hinblick auf Argentinien zurückhaltend; insgesamt wird die Region leicht untergewichtet. Etwas positiver wird nur Brasilien gesehen. Es gebe gute Chancen, dass sich „das Land makroökonomisch weiter verbessert“. Nicolas Schlotthauer, Volkswirt der Deka Bank, sieht in Südamerika eine Stabilisierung, doch sei die Situation noch „sehr fragil“. Er schreibt lateinamerikanischen Aktien zwar noch Potenzial zu, allerdings würden diese kaum noch in dem Tempo zulegen, das sie seit Jahresbeginn gezeigt hätten.

Generell sollten Anleger laut Conway im Hinblick auf Emerging Markets umdenken. Die herkömmliche Meinung, dass Aktien aus Schwellenländern das Risiko im Depot erhöhten, sei „komplett falsch“, sagt er. Das Gegenteil sei richtig: „Emerging-Markets-Aktien dienen zur Diversifikation des Portfolio und vermindern insofern das Risiko.“ Wer in den letzten Jahren in Schwellenländern engagiert gewesen sei, habe seine Verluste so zumindest begrenzen können.

Schlotthauer unterstreicht zudem, dass bei den Schwellenländern keine Komplettbetrachtung mehr stattfinde. Krisen eines Landes lösten daher auch keinen Flächenbrand mehr aus. Denn die Anleger seien inzwischen besser informiert und es sei eine sehr viel schärfere Wahrnehmung zu beobachten.

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