Experten sehen trotz historischer Höchststände weiteres Potenzial an den Emerging Markets
Analysten setzen auf Schwellenländer

Die Börsen der Emerging Markets, der sich noch entwickelnden Länder, haben seit Mitte 2003 die etablierten Finanzmärkte weit hinter sich gelassen.

DÜSSELDORF. Gemessen am MSCI-Emerging-Markets-Index, notierten die Aktien der Schwellenbörsen mit 588,68 Punkten (28. Februar) auf dem höchsten Stand aller Zeiten. Inzwischen ist der Index leicht gefallen, doch Experten räumen den Märkten noch gute Chancen ein.

„Es gibt zurzeit keinen klaren Abwärtstrend“, sagt Martin Hrdina, Fondsmanager der Union Investment. „Denn die Schwäche wird für Zukäufe genutzt.“ Der Rückgang sei durch Gewinnmitnahmen ausgelöst worden. Fundamental betrachtet, blieben die Schwellenländer interessant. „Die Gewinne der Unternehmen sind zum Teil schneller gestiegen als die Bewertungen“, sagt Hrdina. Beispiele dafür seien in Ungarn die Bank OTP oder der Ölwert Mol. Seine Sektorfavoriten in Zentraleuropa sind „klar die Finanztitel auf Grund des Konvergenzpotenzials“.

Thomas Gerhardt, Chef des Schwellenländerteams der Fondsgesellschaft DWS Investments, ist mit Blick auf die EU-Beitrittsländer in Zentraleuropa etwas vorsichtiger. Denn diese Märkte seien schon gut gelaufen. Die Anlageklasse „Emerging Markets“ insgesamt bleibt für ihn aber spannend. Die jüngsten Kursrückschläge hält auch er nur für „eine Korrekturphase nach der guten Entwicklung“.

Bei den Emerging Markets handelt es sich um einen speziellen Anlagebereich, der nach wie vor mit höheren Risiken behaftet ist. Dies hat sich ganz drastisch erst bei der soeben abgeschlossenen Umschuldung der Argentinien-Anleihen gezeigt. Gerade europäische Anleger haben hier viel Geld verloren.

DWS-Experte Gerhardt ist sich sicher, dass die Bedeutung der Schwellenbörsen noch zunehmen wird. „Doch die Anleger haben dies noch nicht in ihren Portfolios umgesetzt“, sagt er. Die DWS hat soeben den neuen Fonds BRIC Plus aufgelegt, der heute startet. Den Schwerpunkt des Fonds bilden die Länder Brasilien, Russland, Indien und China. Allen vier Länder komme eine Schlüsselrolle für das globale Wachstum zu. „Brasilien ist das Rohstofflager der Welt, China die Werkhalle, Indien die Denkfabrik und Russland die Zapfsäule“, so Gerhardt. Dabei schätzt er Indien als „das Land ein, das sich am stärksten im Umbruch befindet, mit dem höchsten Wachstumspotenzial“.

Auch Nick Moakes, Fondsmanager bei Merrill Lynch Investment Managers, ist für die weitere Entwicklung der Emerging Markets positiv gestimmt. „Das wirtschaftliche Wachstum und die Profitabilität der Unternehmen sind robust“, sagte er. Die Bewertungen seien angemessen – sowohl historisch betrachtet als auch im weltweiten Vergleich.

„Für 2005 erwarten wir ein moderateres Wachstum von zehn bis zwölf Prozent“, sagt Sam Mahtani, Fondsmanager bei F&C Asset Management plc., dem viertgrößten Vermögensverwalter Großbritanniens. Er begründet seine Zuversicht mit der „guten, langfristig tragfähigen Entwicklung“ in den Ländern. In den beiden vorangegangenen Jahren sei an den Schwellenbörsen auf Dollar-Basis sogar ein durchschnittlicher Gewinn von 30 Prozent erzielt worden. F&C bevorzugt Länder wie Thailand mit „einer inländischen Wachstumsstory“. Zum anderen werde auf Staaten gesetzt, in denen es viel versprechende Wirtschaftsbereiche gebe. In Südafrika, Korea und Taiwan etwa bevorzugen die Experten die Banken mit Privatkundengeschäft.

„Wir haben einen großen Zufluss von Geldern in die Emerging Markets gesehen“, sagt Mahtani. Daraus resultiere aber das Risiko, dass die Investoren einen Teil dieser Gelder aus den Märkten abziehen könnten. Ein möglicher Auslöser dafür wäre nach Einschätzung des Union-Experten Hrdina ein aggressiveres Vorgehen der amerikanischen Notenbank (Fed). Das derzeitige Hauptrisiko für die Emerging Markets ist „die monetäre Politik in den USA“.

Auch für Moakes liegen die größten Risiken außerhalb der Emerging Markets selbst. So könnte ein scharfer Anstieg der Risikoaufschläge insgesamt kurzfristig starke Kursschwankungen auslösen, sagt er. Er weist zudem auf Gefahren hin, die sich in Chinas „fragilem Bankensystem bilden“. Allerdings zeichne sich kein scharfer wirtschaftlicher Rückgang in der Volksrepublik ab, die chinesische Nachfrage werde daher erst einmal ein unterstützender Faktor bleiben. Laut Gerhardt profitiert davon beispielsweise ein Land wie Brasilien, das Eisenerz, aber auch Agrarrohstoffe wie Kaffee oder Sojabohnen exportiert.

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