Experten sind zuversichtlich, dass der Boom in der zweiten und dritten Reihe anhält
Kleine Aktien übertrumpfen die Großen

Es gibt derzeit weniger unterbewertete und preiswerte Aktien als auf dem Höhepunkt des Börsenbooms im Jahr 2000. Unmöglich? Keineswegs. Die große Masse der Aktien kostet derzeit mehr als jemals zuvor.

DÜSSELDORF. Weltweit notieren Small- und Mid-Cap-Indizes, also Börsenbarometer für kleine und mittelgroße Werte nahe ihren Allzeithochs. Das macht es nach einhelliger Meinung der Analysten zwar schwieriger, Schnäppchen zu finden. Doch die Boomzeit der Nebenwerte dürfte noch nicht vorbei sein.

Jahrelang war es eine Börsenweisheit, dass kleinere Aktien mit einem Bewertungsabschlag gegenüber den ganz Großen gehandelt werden. Der Grund: Viele Großinvestoren und milliardenschwere Fonds bevorzugen ein hohes Maß an Liquidität und nehmen deshalb Blue-Chips in ihr Depot. Doch die lange Talfahrt an den Börsen bis vor einem Jahr hat die Verhältnisse nachhaltig umgedreht. Beispiel Deutschland: Die 30 größten börsennotierten Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) werden derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 gehandelt; das ist leicht unter dem historischen Durchschnitt. Hingegen weisen die 50 mittelgroßen Firmen im MDax ein KGV von 14,6 auf. Die Titel sind also durchschnittlich mehr als 10 % teurer als Dax-Werte. Grund: Seit Jahren entwickelt sich der MDax besser als sein großer Bruder. Derzeit notiert er 5 % unter seinem Allzeithoch.

„Tendenziell müssten Nebenwerte eigentlich mit einem Abschlag gehandelt werden“, sagt Franz Wenzel von Axa Investment. Eine „Mid-Cap-Blase“ sieht der Chefstratege aber nicht. Viel mehr gebe es für einzelne Werte immer noch Potenzial: „Die zweite Reihe profitiert davon, dass viele Investoren ihre Portfolios inzwischen breiter diversifizieren.“ Durch den Einsatz quantitativer Modelle könnten die professionellen Investoren aus einer immer größeren Palette an Aktien attraktive Titel auswählen. „Das beflügelt den Mid-Cap-Bereich zusätzlich“, sagt Wenzel.

Vorteil vieler kleiner und mittelgroßer Werte sind kontinuierliches Gewinnwachstum, hohe Dividenden und eine geringere Anfälligkeit für externe Schocks wie geopolitische Krisen bis hin zu Terroranschlägen. Bei solchen Ereignissen ziehen sich vor allem professionelle Investoren innerhalb weniger Stunden aus Aktien zurück, bevorzugen dafür aber die liquideren Blue Chips. Europäische Mid-Caps bieten den zusätzlichen Vorteil, dass sie geringer unter dem starken Euro leiden als die meisten stark exportorientierten Dax-Unternehmen. Da für hat bei kleineren Unternehmen der Heimatmarkt oft eine überproportionale Bedeutung, so dass ihre Gewinnentwicklung weniger durch Wechselkurseffekte belastet wird.

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