Experten stufen Bewertung der Aktien als niedrig ein – Bankstrategen raten zu Fonds oder Zertifikaten
Anleger tasten sich an Biotech-Titel heran

Das Schattendasein, das Biotech-Aktien seit dem Crash zu Beginn des Jahrzehnts führen, neigt sich nach Ansicht erfolgreicher Fondsmanager dem Ende zu. „Nachdem die Titel lange vernachlässigt wurden, erkennen Investoren langsam, welche Werte die Branche birgt“, sagt Michael Sjöström, Fondsmanager der Schweizer Bank Pictet.

HB FRANKFURT/M. Viele Fusionen sowie Übernahmen durch Pharma-Firmen weisen laut Branchenexperten ebenso auf das Potenzial der Branche hin wie die Tatsache, dass 2005 bereits die Hälfte aller neuen Medikamente von Biotech-Firmen stammt – Tendenz steigend. Sjöström beruhigt zudem, dass die US-Zulassungsbehörde FDA nicht die Markteinführung neuer Produkte erschwert, was wegen jüngster Medikamentenrückrufe befürchtet worden war. Im vierten Quartal dürften noch viele neue Produkte zugelassen werden, bestätigt Michael Fischer, der die Manager des Sal.-Oppenheim-Biotech-Fonds berät. Da die langfristigen Aussichten als extrem gut und die Bewertungen noch als vergleichsweise niedrig gelten, gehört der Sektor laut Bankstrategen in das Depot eines risikofreudigen Anlegers.

„Nach der reinen Kurs-Gewinn-Betrachtung sehen die Titel nicht günstig aus“, meint Kurt von Emster, Manager des Schweizer Oyster-Biotechnology-Fonds. So seien die Firmen im Durchschnitt mit dem 34fachen des erwarteten Gewinns für 2006 bewertet. Berücksichtige man aber Wachstumaussichten, seien die Aktien günstig. Überdies hält er die Gewinnschätzungen derzeit im Durchschnitt für zu niedrig, auch bei den beiden größten Firmen Amgen und Genentech.

Langfristig spricht ohnehin einiges für den Sektor: Ab einem Alter von Mitte 60 verdreifachten sich die Gesundheitsausgaben im Durchschnitt, zitiert Fischer eine US-Statistik. In der westlichen Welt wie in Deutschland steige der Anteil dieser Altersgruppe bis 2040 um die Hälfte.

Investoren unterschätzen nach Ansicht von Experten die Stärke von Biotech-Firmen. Im Mittel steigerten sie ihre Umsätze um 20 Prozent im Jahr, sagt Sjöström. In jedem Jahr erreichen im Durchschnitt 35 neue Firmen die Gewinnzone. Die absoluten Zahlen verdeutlichen allerdings, wie viel Zukunftsmusik noch in der Branche steckt: Selbst wenn 2006 insgesamt 65 Firmen schwarze Zahlen schreiben, wie Fischer erwartet, bleibt ihr Anteil unter insgesamt 900 nennenswerten Biotech-Firmen gering. Da die Fondsmanager die spannendsten Titel außerdem unter den kleineren und mittelgroßen Firmen finden und 95 Prozent der Firmen ihren Sitz in den USA haben, kann man die Zurückhaltung vieler Privater verstehen.

An Einzeltiteln empfiehlt Jochen Weidekamm, Portfoliomanager bei der Deutschen Bank, allenfalls große Titel wie Amgen. Private sollten eher einen Fonds oder ein Zertifikat kaufen. „Zwei bis drei Prozent ihres Aktienportfolios können risikobewusste Anleger in Biotech investieren“, meint Weidekamm.

Die meisten Spitzenfonds investieren überwiegend in mittelgroße und kleine Firmen. Selbst die Profis vermeiden die ganz heißen Eisen und kaufen vorwiegend Firmen, deren Produkte sich bereits in der Endphase der klinischen Prüfung befinden. „Es gibt in dem Segment viel mehr Verlierer als Gewinner“, sagt Pictet-Analyst Sjöström. Sein Anlageuniversum umfasst daher nur 150 Aktien, aus dem er 35 Titel auswählt.

Zu den spannendsten Werten zählen die Fondsmanager derzeit zum Beispiel den US-Partner des Bayer-Konzerns, Onyx Pharmaceuticals, dessen neues Medikament gegen Nierenkrebs in den nächsten Monaten zugelassen werden dürfte. Von Emster hält das Potenzial des Medikaments für unterschätzt. Ähnliches gilt laut Experten für ein Mittel gegen Schlaflosigkeit, das die Firma Neurocrine Biosciences in ihrer Pipeline hat.

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