Experten und ihre Ratschläge: „Ich würde verkaufen“

Experten und ihre Ratschläge
„Ich würde verkaufen“

Der Kursrutsch an den Börsen hat viele Anleger viel Geld gekostet. Doch guter Rat scheint in diesen Tagen nicht teuer. Scharenweise melden sich Experten zu Wort, die sich um den Kleinanleger sorgen. Jetzt raus aus Aktien, raten die Einen; jetzt günstig einsteigen, empfehlen die Anderen. Das zeigt vor allem Eines: Auch die Börsenexperten tun sich zurzeit schwer.

DÜSSELDORF.  Franz Zink blickt angestrengt in die Kamera; fast wie ein Kleinanleger, dessen Ersparnisse sich beim Börsencrash seit Anfang der Woche in Luft aufgelöst haben. Dann kommt der Moment, auf den er an diesem Abend gewartet haben muss: „Wenn ich noch Aktien hätte, ich würde sie verkaufen“, sagt der Mann, der das Fernsehgesicht des ZDF an der Börse gibt.

Dabei gelingt Zink das Kunststück, den einen Satz so daher zu sagen, als wäre er sich gar nicht bewusst, wie viel Sprengkraft in seiner Aussage steckt. Er verwandelt die Vorlage, die Claus Kleber, Moderator des Heute-Journals im ZDF, mit seiner Frage geliefert hatte. Ob es denn an der Zeit wäre „jetzt auch noch so schnell wie möglich auszusteigen“.

Raus aus Aktien – ist das die richtige Strategie, wenn die Kurse ohnehin schon am Boden sind? So wie Zink haben sich in den vergangenen beiden Tagen eine Reihe von Aktionärsschützern und Börsenexperten um den Kleinanleger bemüht. Die einen raten wie Zink zum Ausverkauf, die anderen empfehlen jetzt schon bei günstigen Kursen wieder einzusteigen. Jeder hat einen Ratschlag parat – jeder einen anderen. Das zeigt vor allem Eines: So genau wissen auch so genannte und selbst ernannte Experten nicht, wie die aktuelle Krise an den Finanzmärkten einzuordnen ist und wie es weitergeht.

„Ich würde nicht verkaufen“, sagt der Chefvolkswirt der Hamburger Sparkasse, Jochen Intelmann. Nur wer kurzfristig spekuliere, sollte sich untere Limits setzen und auch streng einhalten. Langfristige Anleger mit soliden Werten bräuchten das nicht. Ähnlich sieht das der Chef der Fondsgesellschaft DWS,  Klaus Kaldemorgen: „Man sollte im Moment die Zähne zusammenbeißen und seine Aktien behalten. Wer raus will, da wird es in den nächsten Tagen und Wochen sicher eine bessere Gelegeneit geben.“ Allerdings müsse man sich darauf einstellen, dass die nächsten sechs Monate holprig sein werden. „Aber man sollte auch nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Jede Krise birgt auch wieder eine Chance, nämlich zu niedrigeren Kursen wieder einsteigen zu können.“

„Aktienanleger sollten mittel- bis langfristig orientiert sein“, sagt etwa Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Die Grundfrage ist, ob man von dem Unternehmen überzeugt ist“, sagt er. Dann seien auch mal 25 bis 30 Prozent Verlust akzeptabel.

Äußerst beliebt ist die Frage, wie lange der Kursrutsch denn noch andauern wird. Noch ist die Talsohle an den Börsen nicht erreicht, „aber wir sind nahe dran“, sagt Lothar Gries von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger dem MDR.

Manche Kommentatoren greifen gleich zur altbekannten Börsenprosa: „Greife nie in ein fallendes Messer!, sagt eine gute Börsenweisheit", und das sagt auch Börsenpsychologe » Patrick Hussy im Handelsblatt-Interview. „Anleger sollten sich jetzt zurückhalten und geduldig auf Kaufsignale warten."

Seite 1:

„Ich würde verkaufen“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%