Experten verzeichnen Stimmungsaufschwung bei privaten und institutionellen Investoren
Anleger schieben Skepsis beiseite

Seit dem Börsenabsturz bis 2003 galten deutsche Anleger als resistent gegenüber positiven Nachrichten. Daran änderten auch Rekordgewinne der Unternehmen nichts.

DÜSSELDORF. Erst die angestrebte vorgezogene Bundestagswahl verdrängte den Pessimismus. Die Anleger blicken wieder optimistisch in die Zukunft und lassen sich auch durch die Anschläge in London nicht von der Börse vertreiben. Das belegt eine Umfrage bei 139 institutionellen und 472 privaten Anlegern, die die Investmentexperten von »Sentix in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt durchgeführt haben.

Nachdem der Deutsche Aktienindex (Dax) im laufenden Jahr acht Prozent zugelegt hat, trauen ihm die Profis und Kleinanleger weitere fünf Prozent zu. Noch im Dezember, als der Dax ein Jahr lang fast auf der Stelle getreten war, hatten die Investoren auch für 2005 Ähnliches prognostiziert. Mit einem Zwölf-Monatsziel von 4 270 Punkten bei einem damaligen Dax auf fast demselben Niveau waren Privatanleger noch skeptischer als Institutionelle. 32 in- und ausländische Banken hatten seinerzeit 4 558 Dax-Zähler vorhergesagt.

„Damals schrieben die Anleger die extrem geringen Kursbewegungen auf das nächste Jahr fort. Inzwischen haben sich die Voraussetzungen mit der angestrebten Neuwahl grundlegend geändert“, sagt Sentix-Experte Patrick Hussy. Abzulesen ist das an der aktuell deutlich höheren Prognose der Anleger von 4 784 Punkten, vor allem aber an der wöchentlich gemessenen Stimmung. Danach äußern sich Anleger auf kurze Sicht sogar optimistischer als in den Wochen vor den Terroranschlägen in London, und auf mittlere Sicht gibt es derzeit so viele Optimisten wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Seit dem 22. Mai, als Bundeskanzler Gerhard Schröder vorgezogene Neuwahlen zum Bundestag in Aussicht stellte, habe sich die Stimmung bei Profis und Privaten sprunghaft verbessert, ohne seitdem wieder zurückzufallen.

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Auffällig ist, dass die allgemeine Stimmung in Bezug auf die Börse deutlich positiver ist als die prognostizierten Dax-Punkte aussagen. Die vorhergesagten 4 784 Zähler bedeuten zum Zeitpunkt der Befragung am Freitag ein Potenzial von vier Prozent und signalisieren allenfalls einen – lange Zeit nicht vorhandenen – vorsichtigen Optimismus.

Diese Einschätzung deckt sich mit einer gestern veröffentlichten Studie von JP Morgan. Sie basiert auf einer Befragung von 2 000 Verbrauchern. Im Auftrag der amerikanischen Investmentbank ermittelte das Nürnberger Konsumforschungsinstitut GfK, dass 47,2 Prozent eine positive Entwicklung des deutschen Aktienmarktes für wahrscheinlich halten. Das sind elf Prozentpunkte mehr als im Vormonat und so viel wie seit einem Jahr nicht mehr. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Verbraucher auf die Ankündigung der Bundestagsneuwahlen sehr positiv reagieren. So haben wir nicht nur mehr Optimisten und weniger Pessimisten, auch der Anteil der Unentschlossenen ist gesunken“, erläuterte Boudewijn Hoogenraad von JP Morgan Asset Management.

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