Experten warnen vor Anleihen aus dem Direktvertrieb – Risiken sind für Privatanleger kaum zu durchschauen
Kleine Firmen locken mit hohen Renditen

Investoren, die nach hohen Anleiherenditen suchen, werden derzeit nur schwer fündig. Unternehmensbonds mit einem einigermaßen sicheren Rating im Bereich „BBB“ bieten für eine Laufzeit von fünf bis sieben Jahren im Schnitt nur 3,70 Prozent Rendite.

FRANKFURT/M. Doch es gibt immer mehr Bonds von kleineren Unternehmen, die bei ähnlicher Laufzeit mit Renditen zwischen gut sechs und neun Prozent werben. Diese Papiere ziehen die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich, sind laut Experten aber riskant.

Die Firmen wenden sich in Anzeigen direkt an die Privatanleger und schalten zur Platzierung keine Banken ein. Sie werben mit „attraktiver Verzinsung“ und „null Kursrisiko“. Letzteres gibt es in der Tat nicht, weil die Anleihen nicht an der Börse gehandelt werden. Investoren können nur hoffen, ihr Geld am Ende der Laufzeit zurückzubekommen. Das hängt davon ab, ob die Firmen so lange überleben. Und ob die Verzinsung angesichts der Risiken attraktiv ist, wird bezweifelt.

„Bei diesen Angeboten ist prinzipiell größte Skepsis angesagt, weil der Markt nicht transparent ist“, sagt Michael Kehl, Anlegeranwalt aus Düsseldorf. „Man darf nicht alle Firmen über einen Kamm scheren, aber generell ist bei solchen Anleihen Vorsicht geboten“, meint auch Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Als seriöse Anlage gilt die Anleihe der Ernst Klett AG. Der Verlag mit Schwerpunkt Schulbüchern nennt seine Anleihe zwar hochtrabend „Bildungswertpapier“, der im Februar aufgelegte fünfjährige Bond über 25 Mill. Euro mit einer Verzinsung von sieben Prozent war jedoch laut Klett nach zehn Tagen gezeichnet. Auch die Aufstockung über fünf Mill. Euro wurde schnell platziert. Klett besticht mit seiner über 100-jährigen Tradition als bekanntes Familienunternehmen.

Vom bekannten Namen und dem Ruf des seriösen Mittelständlers profitierte auch der Fleisch- und Wurstwarenhersteller Zimbo. Er hat von September 2003 bis April 2004 eine fünfjährige Anleihe über 15 Mill. Euro mit einem Zinsschein von sieben Prozent platziert und denkt über einen neuen Bond nach.

Tradition mit dem Verkauf von Anleihen im Alleingang hat der Duisburger Rohstoffhändler PCC AG, der schon seit 1998 solche Bonds begibt. Dafür warb er lange Zeit mit dem Bonitätsindex der Creditreform, bis die ihn mahnte. Denn eine Einstufung der Creditreform sagt nur, ob ein Unternehmen aktuell liquide ist. Mit der langfristigen Bonitätseinstufung von Ratingagentur hat dieser Index nichts zu tun.

Unangenehm aufgefallen ist Verbraucherschützern auch die Wohnungsbaugesellschaft Leipzig-West AG. Laut Prospekt können die Verpflichtungen aus früheren Anleihen mit neuen Bonds bedient werden. Außerdem habe das Unternehmen viele Bankkredite, und die Banken hätten Vorrang, falls das Unternehmen insolvent werde, meint Verbraucherschützer Bieler.

Dagegen wirbt die WGF Westfälische Grundbesitz und Finanzverwaltung AG damit, dass ihre im Juli 2009 fällige Anleihe mit Grundstücken direkt besichert ist. Geplant ist ein Volumen von 20 Mill. Euro, doch der seit anderthalb Jahren laufende Verkauf zieht sich mit bislang eingesammelten und investierten 7,3 Mill. Euro hin. Als sicher gilt die Anleihe laut einem Rechtsgutachten, das die WGF selbst in Auftrag gegeben hat, aber nur, wenn sie vollständig platziert ist. Anlegeranwalt Kehl hält die Anleihe deshalb trotz der Besicherung für normale Privatanleger für nicht geeignet.

Fraglich ist für Experten auch, wie die Unternehmen die Renditen erwirtschaften wollen, die sie Investoren versprechen. Anleger tun also gut daran, ein Unternehmen genau zu prüfen. Das ist bei kleinen Firmen allerdings schwer. So laufen die Anleihekäufer Gefahr, potenziellen Anlagebetrügern aufzusitzen. Zum Beispiel ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln gegen die inzwischen insolvente Multi Media Entertainment AG, die vor anderthalb Jahren für ihre Zinspapiere warb, die schon damals vom Handelsblatt als äußerst fragwürdig bewertet wurden.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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