Experten warnen vor geringer Liquidität an vielen Aktienmärkten – Johannesburg gilt als positive Ausnahme
Afrika bietet Investment-Alternativen

Ausgerechnet Afrika, ein Kontinent, den viele für gewöhnlich mit Hungersnöten und Bürgerkriegen verbinden, hat risikobereiten Anlegern in den letzten Jahren besonders üppige Renditen beschert.

JOHANNESBURG. Botswana, der kleine Wüstenstaat im südlichen Afrika, war im Jahr 2002 mit einem Zuwachs von 41 % (auf Dollarbasis) besonders lukrativ. Aber auch Ghana, Namibia und Nigeria standen kaum nach. Den schwersten Rückschlag gab es dagegen in Simbabwe, wo ein machthungriger Präsident seit drei Jahren politisch Amok läuft und die Wirtschaft systematisch ruiniert.

In diesem Jahr hat sich in Schwarzafrika vor allem Kenia positiv hervorgetan. Seit dem Amtsantritt der neuen Koalitionsregierung zu Jahresbeginn hat der Gesamtindex der Börse in Nairobi fast 90 % zulegen können. Präsident Kibaki hat es sich zum Ziel gesetzt, ein Wirtschaftswachstum von 4 % bis 7 % zu erreichen. Daneben wird über eine Reihe von Privatisierungen spekuliert, deren Umsetzung aber noch auf sich warten lässt.

Auf der anderen Seite profitiert Kenia davon, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) dem ostafrikanischen Staat in dieser Woche einen dreijährigen Kredit von 252,8 Mill. $ zur Verfügung gestellt hat, wovon 36 Mill. sofort zugänglich sind, Der Rest soll in fünf Tranchen ausgezahlt werden – vorausgesetzt, Kenia erfüllt die im Kreditabkommen vereinbarten Vorgaben. Als Reaktion darauf stieg der Gesamtindex zur Wochenmitte um über 5 % auf den höchsten Stand seit Mai 1999.

Kein Wunder, dass sich die Kapitalisierung der sehr illiquiden afrikanischen Börsen dadurch seit 1992 von 113 Mrd. $ auf rund 250 Mrd. $ mehr als verdoppelt hat. Dabei hält Südafrika mit fast 200 Mrd. $ den Löwenanteil. „Eine Geldanlage in einem afrikanischen Markt bietet die Möglichkeit zu einer echten Anlagestreuung“, schwärmt John Niepold, Afrika-Portfoliomanager des Washingtoner Emerging Market Managements. „Seine Märkte stehen nämlich weder mit dem Rest der Welt noch untereinander stark in Verbindung. Insofern bietet der Kontinent eine echte Gelegenheit zur Diversifikation.“

Zudem gelten die Bewertungen in Afrika noch immer als sehr niedrig – das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt meist unter zehn und viele der notierten Unternehmen sind effizient geführte Töchter größerer multinationaler Konzerne, die meist mit einem Abschlag zur europäischen oder südafrikanischen Mutter gehandelt werden. „Die Unternehmen machen gemeinhin gute Profite, aber sind für weniger als an den großen Börsen zu haben“, meint Niepold. Doch es gilt Perspektive zu wahren: Insgesamt haben die 19 Börsen (ohne Südafrika) in etwa den gleichen Marktwert wie der US-Einzelhandelsriese Wal-Mart. Dies erklärt auch, weshalb der gewöhnliche Anleger Afrika noch immer meidet. Zudem handelt es sich bei vielen Ländern um junge Demokratien mit einem entsprechend unausgegorenen Regelwerk.

Die große Ausnahme bildet bei alledem der liquide Markt in Südafrika, in dem eine ganze Reihe ausländischer Fondsgesellschaften aktiv ist. Zwar wirkt sich der dramatische Wertzuwachs des Rands inzwischen negativ auf den Kurs der vielen Rohstoffexporteure vom Kap aus, weil diese für ihre Produkte geringere Erlöse in Dollar erhalten. Gleichwohl sind die Aussichten für die Johannesburger Börse (JSE) keineswegs so schlecht wie man glauben könnte: Sollte es im ersten Halbjahr zu einer stärkeren Abschwächung der südafrikanischen Lokalwährung kommen, wie viele Währungsspezialisten prophezeien, würden die Rohstoffkonzerne dank der anziehenden Weltwirtschaft zu den großen Gewinnern zählen. Auch die allgemein erwartete Senkung der südafrikanischen Leitzinsen um mindestens zwei Prozentpunkte dürfte den Aktien Auftrieb geben. Und für südafrikanische Aktien spricht auch die rückläufige Inflation, die im Oktober mit 4,4 % auf ihren niedrigsten Stand in den letzten 40 Jahren fiel.

„Die gegenwärtigen Bewertungen sind vernünftig und bieten langfristig orientierten Anlegern gute Aussichten“, meint Peter Linley, Direktor von Old Mutual Asset Magers (Omam) in Kapstadt. Linley favorisiert derzeit vor allem Banken aber auch ausgewählte Industrietitel wie die Konglomerate Bidvest und Barloworld sowie die Verpackungsfirma Nampak und die Supermarktkette Pick´n Pay.

Das Handelsblatt stellt in loser Folge in den kommenden Wochen einzelne Emerging-Markets-Regionen vor.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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