Experten werten Zurückhaltung der Privatanleger als typischen Fehler
Finanzberater ermuntern zum Aktienkauf

Private Anleger machen gerade wieder typische Fehler. Das meinen zumindest viele Finanzexperten. Nach deren Ansicht sollten Anleger langsam wieder Aktien kaufen, zumal professionelle Investoren mit dem Aufstocken ihrer Bestände begonnen haben.

HB FRANKFURT/M. Stattdessen kehren aber die meisten Privatanleger dem Aktienmarkt den Rücken. Viele wollen ihr Geld wieder auf dem Sparbuch bunkern oder gar nicht investieren. Das ergibt die monatliche Umfrage der Marktforschungsgesellschaft GfK für den Investor-Confidence-Index des Vermögensverwalters JP Morgan Fleming für August, die dem Handelsblatt vorab vorliegt.

„Es ist einfach klüger, bei einem Dax von 3 800 Punkten einzusteigen als bei 8 000“, sagt Günter Schlösser, Geschäftsführer der bankunabhängigen Finanzberatung Portfolio Concept. „Das zu transportieren fällt aktuell aber schwer.“ Denn private Anleger verstrickten sich zunehmend in prozyklischen Verhaltensmustern. „Private kaufen lieber, wenn der Dax bereits um 1 000 Punkte gestiegen ist“, beschreibt Harald Norbisrath, Leiter Vertrieb Private Kunden bei der Frankfurter Sparkasse, das Phänomen, einem Trend hinterherzulaufen.

Im Monat August, in dem die Aktienkurse an den führenden Börsen Europas und der USA noch mal um einige Prozent abgerutscht sind, hat sich die Stimmung unter privaten Anlegern in Deutschland weiter verschlechtert. Nach der aktuellen repräsentativen Umfrage für den Confidence-Index hält es inzwischen fast die Hälfte der Deutschen für unwahrscheinlich, dass die Kurse deutscher Aktien in den kommenden sechs Monaten steigen. So pessimistisch zeigten sich die Deutschen seit mehr als einem Jahr nicht mehr. Folglich wollen inzwischen fast 73 Prozent der Deutschen in den nächsten zwölf Monaten kein neues Geld anlegen. Und von dem guten Fünftel der Deutschen, die investieren wollen, denken demnach mit 16 Prozent so viele wie nie über das Sparbuch als Anlage nach; gerade mal knapp sechs Prozent liebäugeln mit Fonds, ein Prozent mit Anleihen und 0,6 Prozent mit Zertifikaten. Betrachtet man allerdings nur diejenigen, die bereits ein Depot haben, fallen die Antworten positiver aus: In dieser Gruppe will aktuell gut die Hälfte nicht investieren. Unter den 37 Prozent Anlagewilligen denkt ein Viertel über Fonds nach, 15 Prozent haben das Sparbuch im Blick und vier beziehungsweise zwei Prozent Anleihen und Zertifikate.

Stimmung an den Märkten könnte schnell drehen

Als Gründe für dieses aktuell extreme Streben nach Sicherheit nennen Finanzberater das unsichere Umfeld und – als Andenken an die letzte Börsenbaisse – Verluste im Depot. „Anleger sind noch vorsichtiger geworden und verstecken sich hinter den Unsicherheiten der Welt“, sagt Klaus Martini, Leiter der Sparte Anlagestrategie für Privatkunden der Deutschen Bank, und verweist auf die anstehenden US-Wahlen, die Erwartung steigender Zinsen, den hohen Ölpreis und die Gefahr neuer Terroranschläge. Einige Monate dürfte dies in den Köpfen der Anleger bleiben, meint Martini. Nach den US-Wahlen Anfang November und wenn sich langsam abzeichne, dass die Leitzinserhöhungen die globale Konjunktur doch nicht so stark bremsten wie befürchtet, könnte sich die Stimmung der Privaten aufhellen, vermutet er.

An den Aktienmärkten könnte die Stimmung allerdings schneller drehen. Denn erstens erscheinen die aktuellen Bewertungen, etwa ein durchschnittliches Kurs-Ge- winn-Verhältnis im Dax von gut zehn als günstig. Zweitens beginnen professionelle Anleger langsam wieder zuzukaufen, wie der aktuelle Stimmungsindex des Wertpapierverwahrers State Street zeigt. Profi-Anleger treiben die Kurse ohnehin wegen ihrer hohen Handelsvolumina eher als Private.

Daher empfehlen Finanzberater privaten Anlegern grundsätzlich, ihren Aktienanteil im Depot auszuweiten. So rät die Deutsche Bank Investoren mit einer mittleren Risikobereitschaft, den Aktienanteil um fünf Prozentpunkte auf 45 Prozent zu erhöhen und damit Aktien leicht überzugewichten. Auch Fraspa-Mann Norbisrath meint, ein Anleger könnte seinen Aktienanteil je nach Risikoneigung um 20 bis 30 Prozent aufstocken. An Wertpapieren empfiehlt er neben soliden Aktien, Aktienfonds oder Zertifikate. Gegenüber Zukäufen bei Anleihen zeigen sich die Strategen wegen der Gefahr steigender Zinsen zurückhaltend.

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