EY-Studie
Immer mehr Unternehmen übertreffen ihre Prognosen

Deutsche Firmen ändern immer öfter ihre Geschäftsprognosen. Das zeigt eine Auswertung des ersten Halbjahres. Die große Mehrzahl der Konzerne hat dabei zwar die Erwartungen hochgeschraubt – Experten sehen das aber nicht nur positiv.
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FrankfurtImmer mehr Unternehmen in Deutschland übertreffen ihre eigenen Erwartungen: Im ersten Halbjahr 2017 haben sie 107 sogenannte Gewinn- oder Umsatzerwartungen veröffentlicht, die besser ausfielen als zuvor. Die Zahl der positiven Korrekturen kletterte damit um 143 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2011. Die Zahl der Umsatz- oder Gewinnwarnungen stieg im Vergleich dazu lediglich von 27 auf 29, was aber ebenfalls der höchste Wert seit 2011 ist. Damit mussten insgesamt 36 Prozent der 300 im Prime Standard gelisteten Unternehmen im ersten Halbjahr mindestens einmal ihre eigene Prognose korrigieren. Das sind die Ergebnisse einer Auswertung der Beratungsfirma EY.

„Trotz der nach wie vor hohen politischen Unsicherheit haben die deutschen Konzerne einen überraschend starken Jahresstart hingelegt“, sagt EY-Partner Marc Förstemann. „Dank einer positiven weltweiten Konjunkturentwicklung, niedriger Zinsen und vor allem einer deutlich anziehenden Nachfrage in Europa entwickeln sich die Geschäfte gut – besser als viele Unternehmen es zu Jahresbeginn erwartet hatten.“ Die politischen Unsicherheiten hinterließen allerdings auch Spuren im operativen Geschäft, ergänzt sein Kollege Martin Steinbach: „Die hohe Zahl von Korrekturen zeigt vor allem eins: Die Unternehmen tun sich schwer, belastbare Prognosen abzugeben.“

Im Vergleich der Indizes erwiesen sich vor allem die Prognosen der SDax-Firmen als wenig zuverlässig: 46 Prozent der Unternehmen aus dem Kleinwerteindex haben im ersten Halbjahr ihre Prognosen angepasst – in 23 Fällen nach oben, in sieben Fällen nach unten. Im Dax haben hingegen nur 33 Prozent der Unternehmen ihren Ausblick korrigiert, bei den TecDax-Unternehmen lag der Anteil bei 40 Prozent, im MDax waren es lediglich 24 Prozent.

Zwar sei bemerkenswert, dass erheblich mehr Unternehmen ihre Prognosen übertroffen als verpasst hätten, so Steinbach: „Allerdings laufen die Unternehmen bei derart vielen Prognosekorrekturen Gefahr, bei Investoren an Glaubwürdigkeit zu verlieren.“ Denn Anleger erwarteten vom Unternehmen eine plausible und realistische Ergebnisprognose und machten diese zur Grundlage von Investitionsentscheidungen, erklärt der Kapitalmarktexperte.

In einer Studie der Dax-Geschäftsberichte für das Jahr 2016 hatten vor kurzem auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und die Beratungsgesellschaft Kirchhoff Consult kritisiert, dass die Prognosen der Konzerne nicht immer aussagekräftig seien. „Von unplanbaren externen Einflüssen einmal abgesehen, sind deutlich Unter- und Überschreitungen der Planzahlen gleichermaßen ein Zeichen für Schwierigkeiten des Managements, die Entwicklung des Marktes, in dem das jeweilige Unternehmen sich bewegt, korrekt zu bewerten“, hatte DSW-Präsident Ulrich Hocker betont.

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Nach einer Gewinnwarnung sinken die Kurse

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  • wetten, nach der Wahl, also so in max. 6 Monaten wird es dann heißen:

    -...... plötzlich und unerwartet bricht die Wirtschaft ein
    ........ Exporte brechen weg
    -...... 1.000.000 schwarze Eroberer strömen ins Land.

    ... das konnte keiner vorhersehen
    ..... Mr. Trump hat das alles verursacht

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