"EZB hat Zinssenkungsspielraum"
Goldman Sachs: Die Baisse ist beendet

Goldman Sachs erklärt die Baisse an den internationalen Aktienmärkten für beendet. „Viele Indizes haben im März ihre Tiefs durchschritten“, sagte jetzt Peter Oppenheimer, zuständig für Portfolio-Strategie bei der Investment-Bank, vor Journalisten.

vwd FRANKFURT/LONDON. Besonders die kontinentaleuropäischen Märkte seien nun deutlich unterbewertet. Von den aktuellen Index-Ständen seien bis zur Jahresmitte Gewinne von etwa zehn Prozent zu erwarten. In den USA sieht Oppenheimer dagegen lediglich eine „faire Bewertung der Märkte“.

Goldman geht allerdings auch längerfristig von einer vergleichsweise moderaten Erholung an den Märkten aus, weil das Haus verglichen mit dem Ende früherer „struktureller Bärenmärkte“ starke Unterschiede sieht. So gebe es im Vergleich mit 1932 oder der großen Baisse am Ende des 19. Jahrhunderts weder eine große Banken-Krise noch eine tiefe Rezession. „Deshalb sind stark steigende Unternehmensgewinne als Folge einer starken Konjunktur-Umkehr eben nicht zu erwarten“, so Oppenheimer. Andererseits seien die europäischen Aktienmärkte aber so niedrig bewertet wie eben in der großen Depression Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre.

Der Markt rechne auf Sicht von zehn Jahren nur noch mit einem Anstieg der Unternehmensgewinne um 3,5 Prozent. „Der Durchschnitt liegt bei acht Prozent, Anfang 2000 ging der Markt von einem Gewinnanstieg von jährlich fast 16 Prozent auf zehn Jahre aus“, erläutert der Chefstratege von Goldman sein Szenario. In Kontinentaleuropa werde im kommenden Jahr die private Nachfrage deutlich anziehen, „das ist ein weiterer postiver Faktor für die erwartete Outperformance“, so Oppenheimer.

Der starke Euro gebe der Europäischen Zentralbank weiteren Zinssenkungsspielraum. „Bis zur Jahresmitte fällt der Repo-Satz um einen halben Punkt auf zwei Prozent“, gibt sich der Stratege zuversichtlich. Das wiederum bedeute, dass die Realzinsen in vielen europäischen Ländern negativ würden, und das habe in der Vergangenheit immer eine steigende private Nachfrage zur Folge gehabt. Auch das Investitionsklima sollte sich mit dem monetären Umfeld verbessern.

Deutschland werde davon allerdings weniger stark profitieren als andere Länder, die in der Verschuldung weit von der Maastricht-Obergrenze entfernt und deren Wirtschaft weniger dollar-abhängig sei. „Und in den USA ist das Bild umgekehrt“, so Oppenheimer. Hier steige nun die Sparrate endlich an, Haushaltsdefizit und schwacher Dollar könnten den Privaten Verbrauch eher drücken. Als Folge erwartet Oppenheimer für 2004 in den USA ein Wachstum des BIP von etwa drei Prozent, also deutlich unter dem langen Trend. Im Euro-Raum sollte das BIP im kommenden Jahr um 2,7 Prozent zulegen, und das wäre eben wesentlich stärker als der lange Trend zeige.

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