EZB-Kauf von Staatsanleihen
„Wir sind am Markt aktiv“

Jetzt ist es soweit: Aktuell lässt die Europäische Zentralbank im großen Stil Staatsanleihen kaufen. Große Verwerfungen an den Märkten bleiben bislang zwar aus, auch wenn der Euro leidet. Was Anleger wissen sollten.
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Ab heute gehen Europa und Amerika in der Geldpolitik getrennte Wege. Die USA haben bereits vor Monaten ihr Ankaufprogramm für Staatsanleihen gestoppt. Damit nicht genug: Die Zinswende könnte schneller kommen als gedacht.

Denn die USA nähern sich mit Riesenschritten der Vollbeschäftigung: Im Februar entstanden 295.000 neue Stellen und damit 55.000 mehr als von Experten erwartet. Die Arbeitslosenquote fiel auf 5,5 Prozent und ist damit so niedrig wie seit Mai 2008 nicht mehr. „Die Federal Reserve wird die positiven Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt erfreut zur Kenntnis nehmen, den Passus ‚geduldig abwarten‘ im Statement demnächst streichen und vermutlich im Juni 2015 eine erste Zinsanhebung vornehmen“, sagte NordLB-Analyst Bernd Krampen.

Ganz anders ist die Lage in der Euro-Zone. Auf dem alten Kontinent flutet die Europäische Zentralbank (EZB) ab heute die Märkte stärker denn je mit frischem Geld. Von diesem Montag an beginnt die EZB mit ihrem großangelegten Kauf von Staatsanleihen. 60 Milliarden Euro will die Notenbank auf diesem Weg in die Märkte pumpen - pro Monat und das mindestens bis September 2016. Das Billionen-Programm soll die Wirtschaft im Euro-Raum ankurbeln und die zuletzt gefährlich niedrige Inflation anheizen.

„Wir sind seit dem Vormittag am Markt aktiv“, sagte ein Bundesbank-Sprecher am Montag. Um 9.25 Uhr betrat die Bundesbank den Markt. Auch die EZB bestätigte den Beginn der Käufe. Ein Händler sagte, deutsche, französische und belgische Bonds seien an die entsprechenden nationalen Notenbanken verkauft worden. Andere Händler berichten vom Kauf italienischer und niederländischer Bonds.

Für ihr neuestes Antikrisenpaket druckt die EZB frisches Geld und kauft damit Wertpapiere. Marktteilnehmer nennen dies quantitative Lockerung oder schlicht „QE“ („Quantitative Easing“). EZB-Präsident Mario Draghi hatte die Märkte seit Monaten darauf vorbereitet, im Januar gab der EZB-Rat mit breiter Mehrheit grünes Licht – gegen den Widerstand etwa von Bundesbankpräsident Jens Weidmann und des deutschen EZB-Direktoriumsmitglieds Sabine Lautenschläger.

Weidmann hat am Abend seine Vorbehalte erneut bekräftigt. Zwar müssten die Gefahren, die mit einer zu langen Phase zu niedriger Inflationsraten verbunden seien, ernst genommen werden, sagte er am Montag in Zürich beim Schweizer Institut für Auslandsforschung laut Redetext. „Aber ist das wirklich ein Grund, jetzt expansiver zu werden? Ich bin skeptisch.“ Das Risiko einer sich selbst verstärkenden Spirale aus fallenden Löhnen und Preisen sei sehr gering. „Diese Einschätzung wird von der überwiegenden Mehrheit des EZB-Rats geteilt.“ Der Ankauf von Staatsanleihen im Euro-Raum sei kein Instrument wie jedes andere, sagte Weidmann.

Das frische Geld kommt im Idealfall über die Geschäftsbanken, denen die Zentralbank Anleihen abkaufen will, in Form von Krediten bei Unternehmen und Verbrauchern an. Das könnte Konsum und Investitionen anschieben und so die maue Konjunktur in Schwung bringen. Denn während die deutsche Wirtschaft relativ gut in Schuss ist, sind die Wachstumsaussichten für den Euro-Raum nach wie vor bescheiden.

Ein Verlierer der unterschiedlichen Notenbank-Strategien steht schon fest: Der Euro. Die Gemeinschaftswährung stürzte am Freitag um mehr als anderthalb US-Cent bis auf 1,0847 Dollar ab und markierte damit den tiefsten Stand seit Anfang September 2003. Heute konnte sich der Euro minimal auf 1,0891 US-Dollar erholen.

Nach Ansicht des Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung forciere die EZB die Abwertung des Euro. Die Begründungen der EZB für die Aktion sei nur vorgeschoben, „denn es gibt keine Deflation im Euro-Land, sondern einen konjunkturell hochwillkommenen Absturz der Ölpreise“, sagt Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. „Das kurbelt die Konjunktur an, aber muss doch nicht bekämpft werden.“ Das Programm führe zu einer weiteren Abwertung des Euro. „Doch das darf die EZB nicht sagen, denn eine Wechselkurspolitik ist nicht ihr Auftrag“, sagte Sinn. „Außerdem erleichtert das Programm den Staaten die Verschuldung mit der Druckerpresse, was verboten ist.“

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Aktien hui, Anleihen pfui

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  • Ich bin gegen die EU und den Euro aber es ist richtig den Staat über die Notenbank
    zu finanzieren und nicht über irgendwelche Bankster. Für das eigene Geld Zinsen an Banken zu bezahlen ist idiotisch, also ist die Geldschöpfung über EZB richtig.

  • Seit umschlungen, Milliarden!
    -------------
    Die Spekulanten sind in Sektlaune. Sie feiern sich selbst.
    Der Euro geht auf Tauchstation.
    Für den ClubMed ist es ein Tag zum jubilieren, sie müssen nicht mehr sparen!
    Die "Banca d'Italia flutet die Märkte mit der Lira 2.0.
    Goldman Sachs-Draghi ist Italiener!
    Auch Griechenland wird seinen Teil abbekommen, auch wenn "Draghila" das heute noch dementiert!

    Und (Dumm)Deutschland wird natürlich zahlen! Das sagte schon "Varoufakis, der Große"!

    "Was immer die Deutschen sagen, am Ende werden sie zahlen"!
    Und damit hat er wohl recht!
    Nach Schäuble ist ja Griechenland "auf einem guten Weg".
    Merkel: "Wir (der deutsche Steuerzahler) werden den Euro retten, und koste es (dem deutschen Steuerzahler) was es wolle"!
    Juncker: "Mit mir wird es keinen Grexit geben"!

  • Sehr geehrte Frau Buschmann,

    das QE kommt, war schon seit Monaten klar. Sofern Sie sich die Entwicklung des Wechselkurses in den letzten Monaten anschauen, beantwortet sich Ihre Frage von selbst.

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