EZB-Präsident Draghi und der Euro
Schwach, schwächer, Euro

Die Aktienmärkte feierten Mario Draghis Worte zur zügellosen EZB-Geldpolitik, doch der Euro geriet unter Druck. Wie stark er noch fallen könnte, welche Branchen davon profitieren und wie Anleger sich aufstellen sollten.
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DüsseldorfDie Europäische Zentralbank (EZB) flutet die Märkte weiter mit billigem Geld, wahrscheinlich sogar länger als bisher geplant. Das ist seit vergangenem Donnerstag klar. EZB-Präsident Mario Draghi hat im Kampf gegen niedrige Inflation und zunehmende wirtschaftliche Risiken eine weitere geldpolitische Lockerung im Dezember in Aussicht gestellt. Zur Diskussion stehen eine Absenkung des Einlagesatzes und eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms.

Die Euro-Zone leidet im Vergleich mit den USA weiterhin unter schwachem Wachstum und niedriger Binnennachfrage. „Entsprechend groß ist die Angst der EZB vor einer Deflation, denn dort verliert ihre Geldpolitik an Wirksamkeit“, sagt Max Schott von der Sand und Schott Vermögensverwaltung. Er erwartet deshalb eine weiter expansive Geldpolitik Europas, also niedrige Zinsen und weitere Liquiditätsmaßnahmen.

Dem Euro bekommt diese Politik gar nicht gut. Die Aussicht auf weitere Milliarden, mit denen die EZB die Märkte flutet, beflügelten zwar die Aktienkurse, doch der Euro geriet merklich unter Druck. Von deutlich über 1,13 rutschte er in den vergangenen Tagen auf aktuell nur noch 1,1030 Dollar ab. Im laufenden Jahr hat die europäische Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar mittlerweile fast neun Prozent eingebüßt, auf Sicht von einem Jahr sind es sogar fast 13 Prozent. Und die Rutschpartie könnte weitergehen.

„Die Divergenz der Geldpolitik der großen Notenbanken spricht für einen tendenziell schwachen Euro“, sagt Schott. Die aktuell guten Wirtschaftsdaten aus den USA und Großbritannien würden den Druck auf die dortigen Notenbanken erhöhen, sich von der langjährigen Nullzinspolitik zu verabschieden. „Der US-Dollar und das britische Pfund sollten sich deshalb gegen den Euro positiv entwickeln“, ist der Anlageexperte überzeugt.

Auch Nils Petersen, Fondsmanager bei der Top Vermögensverwaltung, erwartet kurzfristig eine weitere Schwächung des Euro. „Wir sind aber keine Verfechter der Theorie, dass wir in Richtung der Parität zwischen Euro und Dollar kommen werden“, sagt er. „Das verbale Nachladen der EZB-Bazooka hat noch mal ein bisschen Schwung in die Abwertung gebracht, allerdings sollte dieses eher ein kurzfristiger Effekt sein.“ Mittelfristig hält er einen Euro-Dollar-Kurs zwischen 1,10 und 1,15 Dollar für ein „gesundes Verhältnis“.

Klaus Martini von Plückthun Asset kann dem schwachen Euro aber durchaus etwas abgewinnen. „In der aktuellen Situation, in der weltweit die volkswirtschaftlichen Wachstumsraten rückläufig sind, wünschen sich die meisten Länder zur Stimulierung ihrer Exportindustrie niedrigere Wechselkurse für ihre Währungen“, sagt er. Einige Beobachter würden deswegen auch einen Abwertungswettlauf befürchten.

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  • Zitat aus dem Forex-Report vom 26.10.2016 der Bremer Landesbank, Seite 3:

    "Vor diesem Hintergrund
    - der besten konjunkturellen Performance der Eurozone seit 2011 trotz der widrigen
    Bedingungen in der Weltwirtschaft,
    - vor dem Hintergrund des Wiederaufstiegs der Reformländer basierend auf
    Strukturreformen,
    - vor dem Hintergrund, dass der Aufschwung der Eurozone auf nachhaltigen Einkommen und nicht auf Kredit (Unterschied zu USA) basiert,

    erwägt der EZB-Rat unter Führung Herrn Draghis eine Erweiterung des QE-Programms oder anderer Maßnahmen.

    QE-Maßnahmen und Negativzinsen sind ultimative Mittel. Sie sind vergleichbar mit
    Finanzmorphium. Temporäre Vergabe dieser Mittel in Extremphasen mag gerechtfertigt sein.

    Die Dauervergabe und Dosiserhöhung schafft ein neues Ungleichgewicht, dass die
    Droge unverzichtbar macht.

    Genau dieses Problem haben die USA. Wo ist die Lernkurve der EZB?"

  • Das Zitat der Bremer Landesbank ist ja schon sehr interessant und ziemlich verschlüsselt.

    Das heißt meiner Meinung nach übersetzt:

    1. Wegen dem bisschen Deflation fahrt ihr bei der EZB solche Geschütze auf?

    2. Habt ihr keine anderen Sorgen, als diese marginale Deflation zu Problematisieren?

    3. Das hat mit Stabilitätspolitik nichts zu tun, weil das Mittel - Bazooka - vollkommen unverhältnismäßig ist.

    Diese Lesart würde zumindest mir aus der Seele sprechen, weil die EZB auch meiner Meinung nach nicht wegen dem bisschen Deflation derartige Geschütze auffährt.

    Der Grund dürfte doch vielmehr sein, dass die EZB die Anleihen der EURO-Staaten auch künftig ankaufen muss, weil sie sonst drohen als Ladenhüter an der Börse liegenzubleiben. Und das wäre ja peinlich, wenn der Rest der Welt erleben würde, wie Staatsanleihen den Markt überschwemmen würden, die niemand kaufen will.

    A. Die EZB kauf meiner Meinung nach die Staatsanleihen wegen einer Staatsanleiheschwemme im EURO-Raum und um das zu vertuschen.

    B. Die EZB und die FED wird den Leitzins deshalb nicht erhöhen, weil die Staaten diese Mengen an Schulden zu höheren Zinsen nicht finanzieren können oder wollen und nicht weil wir angeblich eine angeblich so dramatische Deflation hätten.

  • Man kann von Mario Draghi halten was man will, aber ich finde es assozial das Geld der kleinen Sparer zu nehmen, um das Vermögen der Reichen zu sichern.

    Und ich finde es noch unsozialer, dass unsere Politiker den Mann einfach weiter wursteln lassen.

    Was wollte er und was hat er tatsächlich erreicht?

    Er hat den kleinen Leuten mit seiner Null-Zins-Politik jeden Grund für eine Vorsorge genommen. Er hat die gesamte Versicherungswirtschaft in Deutschland ruiniert. Er hat sie gar so ruiniert, dass die Versicherungen ihre Lobbyistin Elke König derart einsetzen mussten, dass sie mit ihrem Lebensversicherungsreformgesetz die Lebensversicherten um über 80 Mrd. Euro beraubte - beraubte um diese Aktion eigens über das vorgenannte Gesetz zu legalisieren.

    Für unsere Abgeordneten empfinde ich nur noch Scham, alternativlosen Scham.

    Diese abgestimmten Aktionen von EZB und deutschen Politikern kann man nur noch auf's härteste, mit Verachtung bestrafen.

    Ich hätte nie geglaubt, dass derartiges in Deutschland möglich sein könnte.

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