Fed, Janet Yellen und die Zinsen
Wappnen für die Zinsentscheidung

Großanleger bereiten sich auf höhere US-Leitzinsen vor: Sie haben ihre Liquiditätsquoten erhöht und setzen stärker auf relativ robuste Aktien. Anleihen haben sie hingegen weiter abgebaut.

FrankfurtKurz vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed trimmen internationale Großanleger ihre Portfolios auf die Zinswende in Übersee: Ihre Liquiditätsquote haben die Fondsmanager hochgefahren auf überdurchschnittliche 5,2 Prozent nach 4,9 Prozent im November. Anleihen, deren Kurse typischerweise bei steigenden Zinsen leiden, haben sie weiter zurückgefahren. Die Aktienquote der Geldmanager bleibt dagegen hoch.

Ein erster Zinsschritt von 0,25 Prozent der Fed heute Abend gilt an den Finanzmärkten als ausgemacht. In den kommenden zwölf Monaten rechnen die meisten Fondsprofis mit mindestens drei Leitzinserhöhungen durch Fed-Chefin Janet Yellen und ihre Kollegen. Das ergibt die wichtigste monatliche Umfrage unter internationalen Fondsmanagern der US-Investmentbank Bank of America Merrill Lynch. Teilgenommen haben 215 Fondsmanager mit einem gemanagten Vermögen von insgesamt 620 Milliarden Dollar.

„Die Erwartung eines starken Dollars zieht sich durch alle Anlagen“, meint Michael Hartnett, Chef-Stratege bei Bank of America Merrill Lynch zum Ergebnis der Umfrage. Höhere Zinsen in den USA dürften wieder mehr Anlegergeld in das Land ziehen, was die Nachfrage nach US-Dollar erhöhen sollte. US-Aktien halten die Investoren daher für immer weniger attraktiv. Mit netto 19 Prozent gewichten so viele Fondsmanager US-Dividendentitel niedriger als ihre Vergleichsindizes wie zuletzt vor acht Jahren. Netto bedeutet hier, dass 19 Prozent mehr Profis US-Aktien niedriger gewichten als solche, die stärker auf diese Aktien setzen.

Dahinter steht der Gedanke, dass ein teurerer Dollar etwa im Vergleich zum Euro Exporte aus den USA verteuert, was eher schlecht für Umsatz und Gewinn von US-Firmen ist. Dagegen gehören Aktien aus Europa und Japan, in denen die Währungen angesichts der anhaltend lockeren Geldpolitik schwach bleiben oder noch schwächer werden dürften, zu den Favoriten der Großanleger.

Insgesamt setzen Investoren weiterhin stark auf Aktien. Netto gewichten aktuell 42 Prozent der befragten Fondsmanager Dividendentitel höher als ihre Vergleichsindizes. Anleihen haben sie dagegen weiter reduziert.

Auch angesichts gedämpfter Aussichten für steigende Firmengewinne und weniger Zuversicht für eine wachsende Weltwirtschaft setzen die Großinvestoren bei Aktien stärker auf eher weniger konjunkturabhängige Sektoren. Dazu zählen etwa Versorger und Versicherungen. Abgebaut haben sie dagegen Wertpapiere aus Technologie, Pharma und Rohstoffen.

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