Finanzanalysten

Dümmer als die EZB erlaubt

Falsche Annahmen, viel zu hohe Erwartungen: EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny wirft Anlegern „völliges Versagen“ im Vorfeld der geldpolitischen Entscheidung der EZB am vergangenen Donnerstag vor.
Ein EZB-Ratsmitglied zweifelt an der Intelligenz der Marktexperten. Quelle: picture alliance
Komiker-Duo Laurel und Hardy

Ein EZB-Ratsmitglied zweifelt an der Intelligenz der Marktexperten.

(Foto: picture alliance)

Wien/DüsseldorfSo kann man sich täuschen: Minuten vor der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) am vergangenen Donnerstag hatte der Leiter technische Aktienanalyse bei der ING Bank, Roelof-Jan van Den Akker, seine Kurzfrist-Einschätzung für die Entwicklung des europäischen Standardwerteindex Euro Stoxx 50 von „abwärts“ auf „aufwärts“ geändert.

Wenig später rutschte das Börsenbarometer um fünf Prozent ab. Dem deutschen Aktienindex Dax ging es nicht besser. Er büßte fast 500 Punkte ein und fiel in rasantem Tempo unter die Marke von 11.000 Punkten. Der Euro und mit ihm die Anleiherenditen stiegen unmittelbar nach der EZB-Entscheidung steil an – ein Trend, der sich auch am Mittwoch fortsetzte. Die Gemeinschaftswährung notierte zwischenzeitlich bei 1,0989 Dollar. Vor der Zinssitzung der EZB am vergangenen Donnerstag lag die Währung bei 1,05 Dollar.

„Ich kann mir kaum vorstellen, dass ich in den vergangenen paar Jahren jemals so falsch gelegen habe“, gab ING-Analyst van Den Akker später zu. Er war nicht der einzige Aktienstratege, der sich dermaßen geirrt hatte. Die überwiegende Zahl seiner Kollegen hatten ebenso wie er erwartet, dass EZB-Präsident Mario Draghi seine Geldpolitik deutlich stärker lockern würde, als er es dann letztlich tat.

Entsprechend groß war die Enttäuschung. Und wie immer, wenn sich ihre Erwartungen nicht erfüllen, reagierten auch diesmal die Anleger mit Verkäufen im großen Stil. Doch wie hatten die Experten so falsch liegen können mit ihrer Einschätzung? Hatten die EZB-Kommunikationsstrategen etwa zu große Hoffnungen geweckt?

Für Ewald Nowotny, Chef der österreichischen Notenbank und Mitglied im Rat der EZB, gibt es darauf nur eine Antwort.

Dumme Anleger, schlaue EZB
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