Finanzbildung
Auf die Eltern kommt es an

Eine Studie des DIW belegt, was viele schon ahnten: Um die finanzielle Bildung zu fördern, ist nicht nur die Schule gefragt. Wichtig ist auch, dass die Eltern ihren Kindern zeigen, wie Sparen funktioniert.
  • 3

FrankfurtWer nichts weiß, muss alles glauben. Das gilt bei der Geldanlage ganz besonders. Wer sich nicht auskennt, dem droht ein Vermögensverlust. Die typischen Extreme: Der Finanzlaie lässt sein Geld entweder auf dem Sparbuch versauern, wo es von der Inflation aufgefressen wird. Oder er gerät an den falschen Berater und steigt in hochriskante Finanzprodukte ein – die sein Geld häufig ebenfalls vernichten. Um das zu vermeiden hilft nur eins: finanzielle Bildung.

Die wird immer wichtiger, denn spätestens seitdem die staatliche Rente zur Finanzierung des Lebensabends nicht mehr ausreicht, gehört erfolgreiche Geldanlage zur fundamentalen Aufgabe für jeden Einzelnen. Zugleich ist diese Aufgabe angesichts der Niedrigzinsen bedeutend schwieriger geworden – das Geld einfach auf’s Sparbuch legen bringt schließlich keine Rendite mehr. Doch Finanzwissen hilft nicht nur bei der Geldanlage, es hilft auch die Folgen von Verschuldung zu verstehen, Verträge zu durchblicken und eine finanzielle Schieflage zu vermeiden.

Der Zusammenhang ist wissenschaftlich bestätigt: Je besser die Finanzbildung, desto besser auch die Finanzentscheidungen. Häufig wird deshalb das Schulfach Wirtschaft gefordert. Doch das alleine reicht nicht. Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt: Die finanzielle Erziehung durch die Eltern sowie Kindheitserfahrungen mit Geld haben einen größeren Einfluss auf die finanzielle Bildung als die Schule.

„Finanzielle Sozialisierung spielt eine wichtige Rolle für das Finanzverhalten“, sagt Antonia Grohmann, DIW-Ökonomin und Mitautorin der Studie. Dabei gehe es nicht allein um Wissen, sondern auch darum, Normen und Verhaltensweisen zu lernen. „Diese wiederum beeinflussen dann das finanzielle Verhalten“, so die Wissenschaftlerin. „Wenn ein Kind ein Bankkonto führt, trainiert dies ein Verhalten, das sich bis ins Erwachsenenalter fortsetzen kann. Kinder zum Sparen und Budgetieren anzuhalten, kann also viel bewirken.“

Wirtschaftsunterricht in der Schule und die allgemeine Qualität der Bildung wirken sich nur indirekt auf die Finanzbildung aus – indem sie die Rechenfertigkeiten fördern. In der Studie wurde der Grad der finanziellen Bildung daran gemessen, ob eine Person ein Verständnis für Zinsen, für Inflation und für die Bedeutung von Diversifikation hat. Eine Frage lautete etwa: „Es ist sicherer, nur eine Aktie zu kaufen als einen Fonds – wahr oder falsch?“

Zugleich zeigte sich in der Studie aber auch ein direkter Zusammenhang zwischen Schule und Finanzverhalten. „Es gibt also zwei Kanäle, durch die Finanzverhalten beeinflusst wird: die elterliche Erziehung, die die Finanzbildung erhöht, und die Schule“, sagt Grohmann. Die Effekte von Finanzbildung und Schule sind dabei etwa gleich stark.

Ob jemand ein gutes Finanzverhalten an den Tag legt, wurde daran gemessen, wie stark er sein Geldvermögen über mehrere Anlageformen streut. Die Studienautorin gibt jedoch zu: „Dies ist nur ein sehr grobes Maß, da auch das konkrete Portfolio der Anleger und die persönlichen Präferenzen eine wichtige Rolle spielen.“

Kommentare zu " Finanzbildung: Auf die Eltern kommt es an"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Einfach für die Kleinen knappe Calls kaufen....Gewinne von 200% und mehr kein Problem...das System dem Nachwuchs erklären...fertig

  • Nur ein Volk, was Probleme hat, benötigt:

    - Politiker
    - Pastoren
    - Gewerkschaftler
    - Psychologen
    - 90% der Ärzte, krankenhäuser

    Genaui darum werden wir an den Staatsschulen auch NUR brave, gehorchende Bürger heran ziehen. Man lernt (fast) nur Mist, aber nicht das, was man fürs (eigene) Leben braucht.

  • Haben aber schon die Eltern keine Ahnung von Ökonomie - was in Deutschland besonders auffällt -, dann nutzt auch die schönste Belehrung nichts. Es kommt nur Blödsinn für´s Kind heraus.

    Da wäre es doch nützlich, ein Fach Geld, Finanzen und Wirtschaft im regulären Schulbetrieb zu implantieren. Mit den regulären Lehrern ließe sich da zwar nur wenig anfangen. Aber dafür wird gern der eine oder andere im höheren Alter sinnstiftend am Pult tätig - ganz sicher, denn das ist wahrhaft gut, gerecht und jedem Menschen förderlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%