Finanzen persönlich – Gertrud Höhler

„Wo Geld ist, da ist der Teufel“

Ihr erstes Geld hat Gertrud Höhler mit Orgelspiel verdient. Bei der Geldanlage setzt die Literaturexpertin und Beraterin auf einen breiten Mix. Zum Börsenerfolg führt aus ihrer Sicht die gezügelte Gier.
Die Publizistin investiert in Gold und Aktien. Quelle: picture alliance / ZB
Gertrud Höhler

Die Publizistin investiert in Gold und Aktien.

(Foto: picture alliance / ZB)

DüsseldorfSie hat den Altkanzler Helmut Kohl beraten, den ehemaligen Chef der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, und viele andere Politiker und Vorstände. Wenn es um Geld geht, dann setzt die bekannte Unternehmensberaterin Gertrud Höhler aber auch gern auf den Rat anderer. Wichtig ist der Publizistin aber, dass diese Berater ihre eigenen Schwächen kennen. Gier gehört für Höhler zum Börsengeschehen dazu. Das ist auch gar nicht schlimm, solange diese „gezügelt“ sei.

Name: Gertrud Höhler

Geburtstag: 10. Januar jedes Jahr

Beruf: Professorin für Allgemeine Literaturwissenschaft, seit den 1980er-Jahren Beraterin von Wirtschaft und Politik, Publizistin, Autorin

Was bedeutet Ihnen Geld?
Geld ist ein Segel in der Tasche.

Wann ist ein Mensch reich?
Die beste Variante: wenn er die anderen Reichen nicht mehr beneidet. Wenn er verstanden hat: Wo Geld ist, da ist der Teufel. Aber wo keins ist, da ist er zweimal.

Was ist Ihr wertvollster Besitz (auch immateriell)?
Die Denkfabrik in meinem Kopf. Das Joint Venture; ein Beistandspakt von IQ und EQ, das strategische Bündnis von Ratio und Emotion.

Was war die teuerste Anschaffung in Ihrem Leben, abgesehen von Immobilien?
Als ich die Taube auf dem Dach durch den Alligator in meinem Garten ablöste.

Womit haben Sie Ihr erstes eigenes Geld verdient?
Mit Orgelspielen bei Taufen und Hochzeiten.

Wie haben Sie gelernt, mit Geld umzugehen?
Indem mir früh klar wurde, dass Preis und Wert eines käuflichen Produkts sich zueinander verhalten wie die Schlange zum Adler: Wenn der Wert im Auge des Kunden den Preis überflügelt, stimmt der Handel.

Was war Ihre erste Geldanlage (nach dem Sparbuch)?
Ein kleiner Goldbarren.

Wann haben Sie Ihre erste Aktie gekauft und welche?
Es war die Aktie eines jungen Biotech-Unternehmens, das „artificial tissue“, also Hautgewebe für großflächige Verletzungen, entwickelte.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Aktien gemacht?
Die Erfahrungen mit Aktien sind so gut wie das Zusammenspiel von Berater und Investor: Vor allem der Risikoappetit muss passen. Zum Börsenerfolg führt nicht die unbändige, sondern die gezügelte Gier.

Wie legen Sie Ihr Geld heute an?
Im klassischen Mix: marktnahe Industrien, immer Pharma, immer Nahrungsriesen, immer gute Mittelständler, immer Innovationsverdächtige im Biotech-Bereich, immer vielversprechende Newcomer. Goldminen-Aktien plus ein wenig Gold, unterbewertete Aktien mit Potenzial, risikoimmune Branchen mit belastbarem realwirtschaftlichem Kontext. Und nicht zuletzt: ein guter Währungsmix!

Das wurde im ersten Halbjahr aus 100.000 Euro
Platz 20: Aktien Venezuela
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Die Börse in Caracas ist winzig, nur wenige Aktien sind dort notiert und die Umsätze liegen oft bei nur ein paar tausend Dollar pro Tag. Internationale institutionelle Investoren meiden venezolanische Aktien. Die Inflation im Land galoppiert, der Versorgungsmangel eklatant, die Währung Bolivar ist auf Talfahrt. Anleger, die im Januar 100.000 Euro in den IBC-Index investierten, haben so jetzt nur noch 54.320 Euro. Im Vorjahr hatten sich die Kurse noch mehr als vervierfacht.

 

Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 19: Aktien China
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Die Wirtschaft in China macht Anlegern seit über einem Jahr Sorgen. Die Börse stürzte entsprechend weiter ab. Der Leitindex CSI 300, der die 300 größten Aktien Festlandschinas erfasst, brach um 15,6  Prozent ein. Da gleichzeitig der Yuan zum Euro leicht abwertete blieben Anlegern von 100.000 Euro nur 80.900 Euro übrig.

 

Schlusstand 30.6.2016,  Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 18: Aktien Euro-Zone
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Der Jahresauftakt an Europas Börsen war schon ein Horror, dann kam noch das Debakel um den Brexit hinzu. Die Folge: Die Aktien in der Euro-Zone notieren tief im Minus. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in den Leitindex Euro Stoxx 50 investierte, verfügt angesichts des Minus von 12,3 Prozent jetzt nur noch über 87.670 Euro. Am schlimmsten erwischte es dabei Anleger in Italien – der FTSE MIB 100 Index verlor fast ein Viertel seines Wertes.

 

Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 17: Britisches Pfund
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Investoren haben die britische Währung nach dem Brexit-Votum regelrecht heruntergeprügelt. Schon vorher litt es deutlich, am Tag nach der Bekanntgabe des Referendums stürzte es dann zum US-Dollar um bis zu knapp 14 Prozent und zum Euro um mehr als acht  Prozent ab. Zur US-Währung liegt das Pfund auf dem niedrigsten Stand seit über 30 Jahren. Zum Euro liegt das Pfund „nur“ auf dem niedrigsten Stand seit rund zwei Jahren. In diesem Jahr wurden aus 100.000 in Pfund angelegten Euro 88.620 Euro.

 

Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 16: Aktien Deutschland
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Auch Aktienanleger in Deutschland hat bislang kein schönes Jahr. Gleich zu Beginn des Jahres stürzte der Leitindex Dax ab. Danach erholte er sich zwar – machte die Verluste vom Jahresanfang aber nie ganz wett. Der Brexit-Schock setzte dem Dax dann erneut zu. Aus 100.000 im Dax investierten Euro sind innerhalb von sechs Monaten nur noch 90.110 Euro geworden.

 

Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 15: Aktien Schweiz
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Auch die Aktien der Schweiz gingen auf Talfahrt. Der Franken legte dabei zum Euro nur ganz leicht zu. Im vergangenen Jahr hatte er kräftig aufgewertet, nachdem die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs für den Franken aufgegeben hatte. Von daher machten Anleger mit Franken in diesem Jahr keine Währungsgewinne. Von 100.000 Euro blieben 91.320 Euro übrig.

 

Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 14: Aktien Großbritannien
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Das Brexit-Votum hat der britische Leitindex rasch verkraftet.  Der Leitindex „Footsie“ war zwar am 24. Juni heftig eingebrochen, holte die kurzfristigen Verluste dann aber wieder auf. Trotzdem sind Experten skeptisch, da wegen des Ausstiegs Großbritanniens aus der EU eine lange Phase der Ungewissheit droht. Dennoch notiert der Footsie auch auf Halbjahressicht 4,2 Prozent im Plus. Da der Euro jedoch zum Pfund kräftig zulegte, machten Euro-Anleger, die ihre Positionen nicht absicherten, einen Verlust von 8,01 Prozent und hatten bei einer Anlagesumme von 100.000 Euro so nur noch 91.990 Euro auf dem Konto.

 

Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Verfolgen Sie eine klar definierte Strategie?
Ein paar Weltklasse-Analysten sollte man regelmäßig lesen, um deren Fehlerquote mit den eigenen Vorlieben und Versuchungen zu vergleichen: Lernpartnerschaften!

Wem vertrauen Sie in der Geldanlage und warum?
Ich vertraue Beratern, die ihre eigenen Schwächen kennen. Ich frage den Berater regelmäßig, was die Branchenexperten unter den Analysten über Investments wissen, die ich erwäge.

Was war Ihre erfolgreichste Investition?
Ein zyklisch reagierender Mischkonzern. Steile Aufstiege, denen jähe Abstürze folgen, erfordern viel Aufmerksamkeit und, was noch schwieriger ist, die Entschlusskraft, die absehbaren letzten Meter vor dem Abgrund nicht mehr dabei zu sein – eben: die gezügelte Gier.

Welche „Wette“ (Geldanlage) ging nicht auf und warum?
Ich wette nie!

Ihre liebste Börsenweisheit?
Geldgeschäfte, wenn sie gut sind, haben Ziele, die mit Geld nicht zu bezahlen sind.

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