Finanzexperte Gottfried Heller
„Wer dauernd absichert, kommt nie zum Gipfel“

Mit Kostolany gründete Gottfried Heller eine Vermögensverwaltung, sein Hobby ist das Wandern. Im Interview erklärt er, warum die Deutschen sich an Aktien trauen müssen und das Depot einer Fußballmannschaft ähneln sollte.

Gottfried Heller ist einer der bekanntesten Vermögensverwalter Deutschlands. Doch er kennt sich nicht nur mit dem Auf und Ab an der Börse aus, sondern auch mit dem Auf- und Abstieg im Gebirge. Wir treffen uns an der Talstation der Wallbergbahn am Tegernsee. Wir sind die einzigen Gäste, die Gipfel sind wolkenverhangen. Egal, wir sind Optimisten und steigen in die Gondel.

Herr Heller, normalerweise wandern Sie vermutlich nur bei schönem Wetter, oder?
Man kann eigentlich bei jedem Wetter wandern, es kommt nur auf die richtige Kleidung an. Bloß, wenn es blitzt und donnert, sollte man besser nicht losgehen. So ist es auch an der Börse, komplett zurückziehen muss man sich selten. Wenn die Großwetterlage freundlich ist, kann man voll investiert sein. Wenn sie unfreundlich ist, muss man etwas in die Defensive gehen und vielleicht etwas absichern. Dauernd absichern ist aber nicht gut, dann kommt man nie zum Gipfel.

Das Wandern ist Ihr liebstes Hobby, was fasziniert Sie daran?
Dass ich draußen in der Natur bin; die Seen, die Berge, die Wälder, die Flüsse. Ich bin ein Naturbursche in der Hinsicht. Wandern hat etwas sehr Stimulierendes, dabei bewegt man nicht nur die Beine; auch die Gedanken kommen in Bewegung, und es entsteht ein Glücksgefühl.

Heute wählen wir den einfachen Weg auf den Berg. In Ihrem Buch versprechen Sie auch den einfachen Weg zum Wohlstand. Wie funktioniert das?
Es kommt auf die Auswahl der Aktienklassen an – eine Mischung aus Substanz- und Wachstumswerten. Die einen liefern gute Dividenden, die anderen versprechen bessere Kursentwicklungen. Ein Depot sollte man wie eine Fußballmannschaft aufstellen: Mit einer siebenköpfigen Defensive und nur vier Spielern in der Offensive. Die Wachstumswerte sind dabei die Stürmer, die Substanzwerte übernehmen die Abwehr. Auf diese Weise bekomme ich ein schwankungsarmes und dennoch renditestarkes Depot.


Während der Gondelfahrt nach oben wird die Sicht immer schlechter.

Halten Sie bestimmte Regionen oder Branchen gerade für besonders attraktiv?
Ein Depot sollte global ausgerichtet sein, einschließlich der Schwellenländer. Einzelne Branchen spielen in meinem Konzept eine geringere Rolle, entscheidend sind die Aktienklassen. Wer daneben ein bisschen spielen möchte, könnte langsam anfangen, Ölaktien zu kaufen.

Wie wählen Sie die Aktien aus?
Man muss nicht alles selbst machen. So wie Autohersteller nicht alle Einzelteile selbst anfertigen, kann man auch bei der Geldanlage bequem auf Zulieferer setzen: ETFs und Investmentfonds. ETFs – also börsengehandelte Index-Fonds – sind eine sensationelle Erfindung, sie sind bedeutend günstiger als gemangte Fonds und liefern bessere Renditen. Zwar kann ein Spitzenfonds mal ein paar Jahre schlechter als der Index abschneiden und dann mal den Index eine Zeit lang übertrumpfen. Den Index langfristig zu schlagen schaffen aber nur wenige Fonds.

Sie geben eine Anleitung für Do-it-yourself-Anleger, dürfen Sie das als Vermögensverwalter überhaupt?
Eigentlich nicht (lacht). Aber letztlich eignet sich das Selbermachen doch nicht für jeden. Neben der Zusammensetzung des Depots kommt es auch auf die Psyche des Anlegers an. Wer keine Nerven hat und zittrig wird, sobald die Kurse etwas nachgeben, kann alleine an der Börse nicht erfolgreich sein und braucht einen Verwalter. Das Gleiche gilt für jemanden, der keine fundamentalen Börsenkenntnisse hat, denn gelegentlich muss man doch Änderungen oder Adjustierungen im Depot vornehmen.

Mit kleinen Anlagesummen kommt man bei Vermögensverwaltern nicht an. Was halten Sie von Honorarberatern?
Das ist eine gute Sache. In der Regel achten diese Berater auch sehr auf die Kosten und empfehlen hauptsächlich ETFs. Das Problem ist nur: Die Deutschen bezahlen nicht gerne für Beratung, sondern nehmen lieber in Kauf, dass der Berater von Provisionszahlungen lebt und damit nicht mehr unabhängig ist. Ich glaube nicht, dass sich Honorarberatung in der Breite durchsetzen wird.

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