Finanzexpertin Sandra Navidi im Interview
„Ich habe Soros erlebt, als er 100 Millionen verlor“

Sandra Navidi kennt die Supermächtigen der Finanzwelt. Sie weiß, wie die Herren des Geldes ticken. Die Finanzexpertin erklärt, warum dieser Männerclub zwar einflussreich ist, aber längst nicht so gefährlich wie gedacht.
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Düsseldorf sei doch immer wieder schön, sagt Sandra Navidi beim Besuch in der Handelsblatt-Redaktion. Die Finanzexpertin ist auf Heimatbesuch in Mönchengladbach. Seit 16 Jahren lebt sie in New York, arbeitet an der Wall Street und kennt die Großen und Mächtigen der Finanzwelt. Navidi bezeichnet sie als „Super-Hubs“ – als die Knotenpunkte im Netz der weltweiten Finanzelite. In ihrem Buch gleichen Titels beschreibt die Juristin, wer sie sind, was sie auszeichnet und welche Macht sie haben.

Frau Navidi, in Ihrem Buch „Super-Hubs“ geben Sie einen Einblick in die verschlossenen Zirkel der Männerelite aus der Finanzszene. Wie haben die Herren darauf reagiert?
Ich habe das Buch Blackstone-Chef Steve Schwarzman und Investor George Soros geschickt. Gerade bei Schwarzman hatte ich ein bisschen Angst, denn das Buch enthält ein paar Stellen, die für ihn nicht besonders schmeichelhaft sind. Aber er hat es innerhalb von zwei Tagen gelesen und hat mir geschrieben, dass er das Buch super findet. Und dann hat er es direkt und ohne mich zu fragen an den Dean der Harvard Business School, Nitin Nohria, weitergeschickt. Auch Larry Summers werde ich das Buch noch geben, eigentlich fast allen Super-Hubs, die darin vorkommen. Hachette – der Verlag, der die weltweiten englischen Rechte erworben hat – hat das Buch auf UK- und US-Recht prüfen lassen. Ein paar Stellen musste ich glätten, aber ansonsten gab es keine größeren Klippen. 

Überrascht Sie das?
Ich habe das Gefühl, dass die Protagonisten meine Beschreibung okay finden. Schwarzman hat sie als „grandiose Porträts“ bezeichnet. Er fand die Darstellung der zum Teil etwas speziellen Persönlichkeiten amüsant – er kennt sie ja alle noch viel besser als ich. Die meisten Leute fühlen sich geschmeichelt, wenn man über sie schreibt und die „Super-Hubs“ wissen, dass ein Portrait auch negative Seiten enthalten muss, wenn es glaubhaft sein soll. Außerdem sind sie Kritik gewohnt und die Missstände sind Fakt, die können auch sie nicht verleugnen. Sensible Dinge etwa über Familien, besonders Kinder, oder Sensationsklatsch habe ich nicht erwähnt.

Was ist überhaupt ein „Super-Hub“?
Ein „Super-Hub“ ist der bestvernetzte Mittelpunkt eines Netzwerks. Netzwerke haben immer die gleiche Konstruktion, egal ob es um unsere Umwelt, unser Gehirn oder eben die Finanzwelt geht. Ein Netzwerk besteht aus einzelnen Knotenpunkten, und diejenigen von ihnen, die die meisten Verbindungen haben, rücken immer mehr in die Mitte. Grundsätzlich verbinden sich Knotenpunkte in allen Systemen am liebsten mit anderen Knotenpunkten, die schon viele Verbindungen haben. Viele Verbindungen bedeuten eine höhere Überlebenschance. Deshalb bekommen die, die schon viele haben, überproportional noch mehr dazu, eine Dynamik, die auch das „Die-Reichen-werden-noch-reicher“ Phänomen genannt wird. Aber nochmal, das ist in jedem System so, zum Beispiel auch in der Biologie, der Name passt halt nur gerade in der Finanzwelt wie die Faust aufs Auge. Den Begriff „Super-Hubs“ habe ich mir nicht ausgedacht, der stammt aus der Netzwerkwissenschaft. Übertragen auf die Finanzwelt sind das die Finanzpolitiker, Banker, Finanziers – die Schäubles, Weidmanns, Achleitners, Ackermänner. Sie sind mit allem und jedem weltweit verbunden und haben besten Zugang zu Informationen und Geschäftsmöglichkeiten. Durch ihre beruflichen und privaten Verstrickungen potenzieren sie ihre Macht noch und können das System so in ihrem Sinne beeinflussen.

Planen die Super-Hubs, so mächtig zu werden?
Da steckt kein finsterer Masterplan dahinter, sondern das sind Gesetzmäßigkeiten, die man so überall in jeder Kleinstadt, an jeder Schule jedem Verein oder anderem System beobachten kann. Daraus folgt dann aber auch, dass man dem entsprechende Regulationsmechanismen entgegensetzen muss, wie zum Beispiel mehr personelle Diversifizierung, die Einführung von Ethikkodizes, Transparenz und „öffentliche Ächtung“ von Fehlverhalten, gerechtere Entlohnungsstrukturen, die Trockenlegung von Steueroasen … die Liste ist lang.

Kommentare zu " Finanzexpertin Sandra Navidi im Interview: „Ich habe Soros erlebt, als er 100 Millionen verlor“"

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  • Aber Münchhausen ist doch immer sachlich......;)

  • "Würden wir in einer besseren Welt leben, wenn es mehr Frauen in Führungspositionen gäbe?"

    Antwort Sandra Navidi:
    "Ja, (...). Es leuchtet ein, dass man nachhaltigere Ergebnisse erzielt, wenn man das beste von 100 Prozent des vorhandenen Humankapitals nutzt.

    Allerdings.

  • Ich nehme an, dass Trump für die Amerikaner mit der Hoffnung verbunden wird, dass dieser diese Hubs die es auch in den USA gibt, Beispiel Klimaschwindel, aufbricht.

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