Finanzielle Repression

Wie der Staat die Anleger ausquetscht

Wenn es darum geht, an Geld zu kommen, war der Staat immer erfinderisch. Bald könnten einige Folterwerkzeuge wieder zum Einsatz kommen. Ein Wirtschaftsforscher schlägt Zwangsanleihen vor. Doch es gibt noch mehr Methoden.
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Der Staat hat verschiedene Optionen um die Vermögenden „auszupressen“. Quelle: Getty Images

Der Staat hat verschiedene Optionen um die Vermögenden „auszupressen“.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfDie Reichen sollen für den Abbau der Staatsschulden zur Kasse gebeten werden. Dieser Vorstoß sorgt in Deutschland für heftige Diskussionen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schlägt vor, die Vermögende per Gesetz zum Kauf von Staatsanleihen zu  zwingen. Auf Gegenliebe stößt das nicht. „Das ist Sozialismus!“, empören sich die Kommentatoren. Dabei sind Zwangsanleihen erst der Anfang.

Der Staat kennt eine Reihe weiterer Mittel und Wege, um sich seine Schuldenquote auf Kosten der Bürger zu drücken; nicht immer ist dabei Zwang im Spiel, manchmal reicht auch sanfter Druck.

Die Ökonomen sprechen von „Finanzieller Repression“. Dieser Begriff wurde in den 1970er-Jahren von Ronald McKinnon und Edward Shaw geprägt. Er beschreibt ein Bündel von Maßnahmen, mit denen der Staat in den Markt eingreift und seine Finanzierungskosten künstlich niedrig hält. Die Amerikaner sind auf diese Weise nach dem Zweiten Weltkrieg bis Ende der 1970er einen großen Teil ihrer Schulden losgeworden. In der Schuldenkrise könnte das eine oder andere dieser Folterinstrumente zum Einsatz kommen, zum Teil sind sie das schon. „Die finanzielle Repression ist für mich der wichtigste Anlagetrend der kommenden zwanzig Jahre“, sagt  Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.

Leidtragende sind Anleger und Sparer. Sie müssen sich nicht nur auf höhere Steuern und Abgaben einrichten, sondern werden direkt zur Finanzierung der Schulden herangezogen. „Wir müssen damit rechnen, dass die Bürger am Entschuldungsprozess beteiligt werden“, sagt Stefan Hofrichter, Chef-Volkswirt von Allianz Global Investors. „Entscheidende Voraussetzung ist, dass der Staat die Zinsen künstlich niedrig hält. Dann reicht ein etwas höheres Nominalwachstum, um die Schulden nach und nach abzubauen." Es werde allerdings eine Generation dauern, um den Staat auf diese Weise zu entschulden.

Entschuldung über Inflation
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  • Vielleicht sollte man mal daran erinnern,wer der Staat eigentlich ist und wer den Staat dahin gebracht,dass er bei seinen Bürgern Geld einsammeln muß?
    Na,weiß es noch jemand?

  • Deutschland hat das repressivste Abgabensystem der Welt mit Kontrollmitteilungen, Sonderprüfungen und einem hochkompliziertem Steuersystem, das die Beschäftigung eines Steuerberaters zwangsläufig erfordert und die Sache damit nur noch teurer macht.
    Anstatt hunderte von Milliarden in Richtung Europa zu verpulvern, sollten wir über Reformen und Erleichterungen nachdenken - es wäre höchste Zeit!!!!

  • die Abgeltungssteuer ist dafür verantwortlich. Solange auch Kleinsterträge von 0,16€ mit der vollen Abgeltungssteuer belegt werden, hinzu kommen noch Soli und Kirchensteuer, werden Anleger versuchen dies zu umgehen. Die "Reichen" werden deswegen immer reicher, da sie Wege finden, die Arme wegen zu geringen Anlagekapital nicht nutzen können. Vor Einführung der
    Abgeltungssteuer waren Erträge bis 20€ nicht meldepflichtig.

  • Die Abgeltungssteuer vertreibt viele Anleger vom Deutschen Kapitlmarktund macht die Armen noch ärmer. Nicht die "Reichen" sind die Schuldigen, sondern der Steuerstaat.

  • Irgendwie sind die da oben alle etwas geistig benebelt oder nicht mehr zurechnungsfähig.
    Wir hätten nicht diese enormen Schulden wenn sie (der Staat)ordentlich und bewußt mit den Steuergeldern umgehen würden. Da aber allen möglichen Großkonzernen und vielen Ländern Geschenke gemacht werden die sie nicht brauchen sind wir also die Leidtragenden.
    Ein Blick zu den Handelnden im Bundestag sagt doch alles.
    Ich würde mich gerade noch so an einem Türkensoli beteiligen, aber mehr kommt nicht in Frage.
    Übrigens habe ich noch nie in meinem Leben einen Pfennig/Cent an Sozialleistungen bekommen und ich arbeit hart für mein Auskommen.

  • WWenn ich als Politiker den Menschen das Geld aus der linken Tasche ziehe, um ihnen ein Teil davon in die rechte Tasche als "Subvention" oder "Sozialleistung" zu stopfen und mit der Differenz eine Bürokratiekaste bezahle, ist der Machtgewinn nicht mehr zu toppen.

  • Tolle Idee - und wie sichern Sie Ihr Alter ab? Wollen Sie dann dem Staat auf der Tasche liegen?

  • @Gemeinderat
    Leider ist das der bescheuertste Vorschlag, den ich je gehört habe. Ein Euro-Soli? Dann lassen der Kita-Soli, der Straßenbau-Soli, der Hartz IV-Soli und wer weiß wie viele Solis nicht lange auf sich warten. Und Solis sind dauerhaft. Der heute noch geltende Ost-Soli sollte auch erst nur 2 Jahre gelten.

  • Zitat Enrico: "Mehr als die Hälfte lebt über ihre Verhältnisse und hassen die, die vernünftig mit ihrem Geld umgehen."
    Es geht hier wohl kaum um diejenigen,die sich ihr Häuschen oder ihre Eigentumswohnung buchstäblich vom Munde abgespart haben.
    Was sind den genau "ihre Verhältnisse"?
    Wer oder was definiert, wem welche Verhältnisse zustehen? Das Einkommen desjenigen bestimmt das.
    Dummerweise steigt aber nur das Einkommen und das Vermögen der oberen 10% allen Krisen zum Trotz weiter kräftig an, während es am anderen Ende der Skala bestenfalls nur stagniert. Da brauchen sich die Reichen und Superreichen dieser Welt nicht zu wundern, daß radikale Ideen und der Volkszorn angesichts solcher offensichtlichen Mißverhältnisse zunehmen.

    Die Reichen täten gut daran, zu zeigen, daß Sie dem Gemeinwesen, dem sie Ihren Reichtum zu großen Teilen verdanken, auch wieder etwas zurückgeben, anstatt den Reichtum in Steueroasen zu verstecken, um genau das zu verhindern.

    Übrigens: Ich bin selbst Unternehmer, wenn auch nicht gerade reich.

  • Danke.

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