Finanzinvestoren: Die diskreten Goldgräber

Finanzinvestoren
Die diskreten Goldgräber

Keine Fahnen, keine Plakate, keine Wimpel. Auf dem zugigen Platz zwischen Frankfurter Messeturm und Kongress-Zentrum gibt es nicht den geringsten Hinweis auf die „Super-Return 2006“, die weltweit wichtigste Konferenz der Finanzinvestoren, die der Politiker- und Volksmund gerne als Heuschrecken bezeichnet.

FRANKFURT. Halt! Ein paar an die Glastür des Tagungsgebäudes gepappte Kopien dienen als Wegweiser, lotsen den Besucher in den dritten Stock zum „German Summit Day“, dem Auftakt der viertägigen Mammutveranstaltung für rund 1 500 Beteiligungsmanager aus aller Welt. Die deutsche Presse bleibt außen vor – nur wer mehrere tausend Pfund bezahlt, kann das ganze Programm verfolgen.

Understatement, Diskretion, Zurückhaltung – in der Öffentlichkeit bewegen sich die derzeit wichtigsten Akteure der Finanzszene nahezu geräuschlos. Nur der deutsche Verbandschef Thomas Pütter lässt im Konferenzraum „Illusion“ kurz die Muskeln spielen und geht in die Offensive: Mittlerweile sicherten die Beteiligungsfonds über ihre Portfoliounternehmen immerhin sechs Millionen Jobs in Europa, Tendenz steigend. Rund sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts gingen schon auf das Konto der Private-Equity-Häuser. Für Verbandsfunktionäre gehört Klappern halt zum Handwerk.

Die Finanzinvestoren selbst schwelgen in Champagnerlaune, wenn sich nicht schon Goldgräberstimmung breit macht. „Gemessen an den Unternehmenskäufen, der Rendite und den zurückgeflossenen Mitteln an unsere Investoren war 2005 eines der besten Jahre in unserer Geschichte“, sagt Thomas Krenz von der Beteiligungsgesellschaft Permira. Die Botschaft auf der „Super-Return“ („Super-Rendite“) ist eindeutig: die Private-Equity-Branche ist zur Macht in der Finanzwelt aufgestiegen.

Branchenschätzungen zufolge steuert die Zunft der Beteiligungsmanager weltweit rund 1,3 Billionen Dollar um den Erdball. Mit dem Niedergang der Venture-Capital-Fonds, deren Start-ups sich mit der Internet-Blase verflüchtigten, begann die Dominanz der Finanzakrobaten, die Teile von Traditionskonzernen kaufen oder etablierte Mittelständler schlucken. Weil der Markt in den USA langsam ausgereizt ist, rückt Europa ins Visier der Private-Equity-Häuser. 2005 erreichten die Transaktionen in „Old Europe“ rund 133 Mrd. Dollar, zwischen San Francisco und New York wurden „nur“ 101 Mrd. Dollar untergebracht. Längst rollen die Investmentbanken den roten Teppich aus, wenn sich die Finanzinvestoren zum Besuch ankündigen. Rund ein Viertel der europäischen Mergers & Acquisitions (Fusionen und Übernahmen) gehen mittlerweile auf ihr Konto; im Jahr 2000 waren es gerade einmal vier Prozent gewesen.

Besonders angetan sind die von Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) als „Heuschrecken“ etikettierten Firmenaufkäufer von Deutschland. Hier sehen sie besonders krasse Unterbewertungen von Unternehmen; und die Entflechtung der Deutschland AG ist noch in vollem Gange. Die Konzerne im Dax und MDax kommen von einer Restrukturierung in die nächste, und der Prozess geht weiter, schätzt beispielsweise Hanns Ostmeier, Europa-Chef des Branchenschwergewichts Blackstone. So gingen auch im vergangenen Jahr wieder einige Filetstücke der heimischen Wirtschaft an die neuen Herren aus der Champions League der globalisierten Beteiligungsbranche.

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