Finanzkrise
Banken gönnen sich ein bisschen Optimismus

Die Finanzkrise kann die Mehrheit der in- und ausländischen Banken und Investmenthäuser auch im zweiten Jahr in Folge nicht schocken: Die Institute gehen mit verhaltenem Optimismus ins neue Börsenjahr, die meisten Analysten hoffen auf leicht steigende Aktienkurse. Am weitesten lehnt sich die Dekabank aus dem Fenster.

FRANKFURT. Nach Ansicht der Institute wird der Deutsche Aktienindex (Dax) in den nächsten zwölf Monaten leicht zulegen. Die erwartete Zinsentwicklung stellt eine klare Belastung für die Kapitalmarktakteure dar, da die Analysten und Volkswirte mit deutlich anziehenden Renditen rechnen. Vom Dollar als wichtigem Maßstab für die exportlastige heimische Wirtschaft außerhalb des Euro-Raumes geht hingegen eine Erleichterung aus. Wie die Prognosen herausstellen, soll die Notierung an den Devisenmärkten leicht sinken. Das ist das Ergebnis der großen Umfrage des Handelsblatts unter insgesamt 30 Kreditinstituten aus dem In- und Ausland (siehe nebenstehende Tabelle).

Im Durchschnitt der Vorhersagen wird der Dax Ende des nächsten Jahres bei 5 230 Punkten gesehen. Das entspräche immerhin einem Gewinn von knapp 13 Prozent gegenüber dem aktuellen Kursstand. Der Durchschnitt verdeckt jedoch die stark auseinanderdriftenden Prognosen. Während acht Banken dem Aktienindex nicht viel zutrauen und ihn unter der Marke von 5 000 Zählern sehen, liegen fünf Optimisten bei über 6 000 Punkten. Dabei ist die Zusammensetzung der Optimisten und Pessimisten ein Gemisch aus in- und ausländischen Instituten. Aktuell liegt der Dax bei rund 4 640 Zählern.

Die erwartete Entwicklung der Zinsen ist eine Belastung. Angesichts der Rezessionsszenarien war die Verzinsung zehnjähriger Bundesanleihen - sie gelten als das Stimmungsbarometer für den Euro-Rentenmarkt - zuletzt unter die Marke von drei Prozent gerutscht und stand damit auf einem historisch niedrigen Niveau, das zuletzt 2004 erreicht worden war. Derzeit notiert die Zehnjährige bei 2,95 Prozent. Die Prognose von 3,56 Prozent entspricht demgegenüber einem Anstieg um mehr als einen halben Prozentpunkt.

Den Kurs des Euros sehen die Analysten und Volkswirte bei 1,30 Dollar. Er wäre damit zehn Cent billiger als aktuell. Das könnten die Dax-Unternehmen mit ihren vielfältigen Verbindungen ins Ausland gut gebrauchen, denn damit würden deutsche Produkte wettbewerbsfähiger gegenüber dem jetzigen Stand. Die Entlastung würde einem vielfach befürchteten Verfall der Erträge entgegenwirken. Für einen Dollar sollen zudem 105 Yen bezahlt werden. Damit käme es zu einer deutlichen Verschiebung gegenüber den momentanen Währungsrelationen, wo ein Dollar 91 Yen wert ist. Mitte Dezember hatte sich die Stimmung für den Yen um 180 Grad gedreht. Dabei hatte die geringe Liquidität zur Dollar-Schwäche beigetragen. Zum Jahresende dünnt die Liquidität aus, was auf Kosten des Dollars geht. Sogar Angst vor Währungsinterventionen der Japaner kam auf, da japanische Finanzdiplomaten die heftigen Schwankungen "als nicht wünschenswert" bezeichneten.

Nach fünf Jahren mit einem kräftigen Kursplus schließt die Börse im laufenden Jahr mit einem dicken Minus ab. Nach einem Jahresbeginn bei gut 8 000 Punkten im Dax ging es unter Schwankungen bergab, zeitweise halbierte sich der Indexstand, um mit einem Minus von rund 45 Prozent zu schließen. Das hatte in den beiden Jahren zuvor noch ganz anders ausgesehen, als der Dax um jeweils gut ein Fünftel zulegen konnte. Doch im Jahr 2009 schüttelte die Finanzkrise die Märkte durcheinander.

Die Krise mit zweitrangigen Hypothekenanleihen in den USA weitete sich zu einer US-Immobilienkrise aus, als die Hauspreise auf breiter Front fielen. Die Verluste aus der Subprime-Krise führten bei Finanzinstituten weltweit zu Abschreibungen und Wertberichtigungen auf Kreditverbriefungen. Inzwischen gibt es Schätzungen, die die Belastungen weltweit auf 1,4 bis 1,6 Bio. Dollar ansetzen. Auch die schnellen und deutlichen Zinssenkungen der Notenbanken weltweit konnten nicht verhindern, dass die Krise die Kapitalmärkte erfasste. Der Zwangsverkauf der Investmentbank Bear Stearns an JP Morgan im März 2008 löste einen weiteren Vertrauensverlust aus. Zum nächsten Angstschub kam es durch die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers Mitte September. Danach schnürten alle wichtigen Staaten - allen voran die USA - Rettungspakete für ihre Banken.

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