Finanzmarkt-Experten sprechen von einer grundlegenden Neubewertung der einzelnen Anlageformen
Hedge-Fonds sehen Aktien mit Skepsis

Hedge-Fonds-Manager warnen vor Kursverlusten an den Aktien- und Anleihemärkten. Sie empfehlen, auf die Anlageklasse Rohstoffe umzusteigen. Das ergibt eine Umfrage des Handelsblatts in der Hedge-Fonds-Branche.

FRANKFURT/M. Die Fachleute, die eine Vorliebe für spekulative Anlagestrategien haben, begründen ihre Ansicht mit der hohen Unsicherheit, die derzeit an den Aktien- und Anleihemärkten herrsche. Dies wiederum liege an den Ungleichgewichten in der Weltwirtschaft, etwa in den Handelsbeziehungen zwischen den USA und China, zudem nehme die Inflationsgefahr zu. Wertpapiere wie Aktien und Anleihen seien daher weniger interessant als physische Vermögenswerte wie Immobilien und Rohstoffe.

Für Sy Schlüter ist das große globale Bild in der Kapitalanlage eindeutig: „Wir stehen vor einer Neubewertung des Planeten“, sagt der deutsche Hedge-Fonds-Pionier von CAI in Frankfurt. Andrea Redling von Cantor Fitzgerald in London argumentiert, zahlreiche Anlage-Experten seien angesichts der nur mit der hohen Liquidität zu begründenden Entwicklung der Kapitalmärkte stark verwirrt. „Bei der technischen Analyse der Finanzmärkte tun sich die Marktteilnehmer sehr schwer – zugegeben, ich auch“, sagt Redling. Mit Skepsis betrachtet Larry Hatheway von UBS in London vor allem den derzeitigen Gleichlauf in der Wertentwicklung der globalen Finanzmärkte. „Nahezu alle Märkte wiesen zuletzt gleichzeitig Kurssteigerungen auf“, sagt er. Günstige Bedingungen an den Finanzmärkten und die anhaltend niedrige Volatilität (Ausmaß der Kursfluktuationen) seien gemeinsam mit fallenden Kapitalmarktzinsen der Auslöser für steigende Aktienkurse gewesen. Eine Fortsetzung dieser „heilen Welt“ sei mit den zu Grunde liegenden ökonomischen Basisdaten allerdings nicht vereinbar, warnt Hatheway.

Diese Meinung teilt Schlüter weitgehend. Seit einigen Tagen ist der Hedge-Fonds-Manager verstärkt mit Short-Positionen an den Aktienmärkten vertreten, setzt also auf sinkende Aktienkurse. Heute müssten die meisten Aktienmärkte längst nicht mehr als unterbewertet gelten. Dies begrenze das Kurspotenzial. Die meisten Hedge-Fonds-Manager seines Hauses seien eher zurückhaltend und zum Teil sogar negativ zu den Aktienmärkten eingestellt, sagt Eric M. C. Syz, Vorstandschef der auf Alternativ-Investments wie Hedge-Fonds spezialisierten Banque Syz & Co S.A. in Genf.

Hin und wieder könne in einzelnen Titeln und einzelnen Branchen indes noch Kursphantasie aufkommen, will Analystin Redling die Aktienmärkte indes nicht ganz abschreiben. Mehr und mehr richte sich das Augenmerk der Investoren auf einzelne Aktien. Bei Fusionen und Übernahmen schlage zwar hin und wieder die Stunde der Rosinenpicker, doch seien defensivere Anlagestrategien an den Aktienmärkten derzeit im Vormarsch, ergänzt Syz. Aktien aus den Branchen Nahrungsmittel, Medien, Banken und Versorger seien heute bereits überbewertet, sagt Schlüter. Mit dem Ende der großen Restrukturierungswelle, durch die Unternehmen ihre Kosten senkten und ihre Effizienz steigerten, falle ein Katalysator für weitere Kurssteigerungen an den Aktienmärkten weg, argumentiert Schlüter. „Ich halte es für durchaus wahrscheinlich, dass die Aktienkurse in Deutschland bis zum Jahr 2006 in Richtung Süden tendieren“, sagt der Hedge-Fonds-Manager.

In nächster Zeit werden möglicherweise vor allem solche Hedge-Fonds-Manager glänzen, die ihr Glück mit Short-Strategien versuchten, also auf sinkende Aktienkurse setzen.

Welche Märkte bieten derzeit die besten Chancen? „Die Anleihemärkte wohl kaum“, sagt Schlüter, der für die nächste Zeit mit steigenden Geld- und Kapitalmarktzinsen rechnet. „Die Investoren stehen vor einem Berg makroökonomischer Fragezeichen“, meint Redling. Die Richtung der Kapitalströme sei daher derzeit nur schwer zu prognostizieren. Gleichwohl sollten Rohstoffe nach Meinung aller befragten Experten im Rahmen der Neubewertung von Anlageklassen in den nächsten Jahren weiter im Mittelpunkt stehen. „Commodities sind schon lange kein Randmarkt mehr“, sagt Schlüter. Private und institutionelle Investoren hätten Rohstoffe inzwischen als interessante Anlageklasse entdeckt.

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