Finanzprodukte
Vermögen modern verpackt

Privatanleger erhalten immer stärker Zugang zu Vermögenswerten, die bis dato vor allem dem Zugriff institutioneller Investoren vorbehalten waren. Dabei verpacken die Banken in zunehmendem Maße auch vergleichsweise neue oder aber wiederentdeckte Anlageklassen in verbriefte Wertpapiere wie Zertifikate, Optionsscheine, Swaps und andere Anteilsscheine.

BÜRGENSTOCK. Basiswerte dieser strukturierten Finanzprodukte waren zuletzt nicht mehr nur traditionelle Vermögenswerte wie Aktien, Anleihen, Devisen und Indizes, sondern eben auch Anlageklassen wie Rohstoffe, Immobilien, Infrastruktur-Objekte, Patentrechte, Private Equity, Hedge-Fonds, agrar- und forstwirtschaftliche Nutzflächen, Strom und CO2-Emissionsrechte.

Kreative Banken bereiten nach Beobachtungen von Heinz Kubli, Gründer des Vermögensverwalters Fundabilis, zudem neue strukturierte Anlageprodukte vor, mit denen auf den Ausgang von Sportveranstaltungen und politischen Ereignissen oder aber auf Konjunkturdaten gesetzt werden kann. „Das Problem für Banken liegt dabei darin, dass sie die mit solchen Produkten entstehenden Risiken nur schwer absichern können“, sagte Kubli auf Europas größtem Derivatemeeting im schweizerischen Bürgenstock.

Der Markt für strukturierte Produkte wird weiter boomen, prognostizieren Marc Zahn von der Swiss Exchange und Sharon Brown-Hruska vom amerikanischen Konjunkturforschungsinstitut Nera. Die ehemalige Chefin der US-Terminbörsenaufsichtsbehörde CFTC sieht für die USA am Markt für strukturierte Finanzprodukte einen erheblichen Nachholbedarf. In den USA spiele sich dieses Geschäft bisher vollständig auf den OTC-Märkten (Freiverkehr) ab. Inzwischen hätten jedoch auch die Terminbörsen in Chicago und New York das hier existierende Potenzial erkannt, sagt Brown-Hruska. Den Derivatebörsen gehe es vor allem darum, mit ihrem Fachwissen im Clearing – der Abwicklung und Abrechnung der Produkte – ins Geschäft zu kommen.

Für Banken sind strukturierte Produkte nicht zuletzt deshalb interessant, weil sich die Institute zum einen neue Geschäftsmöglichkeiten erschließen und zum anderen auch Risiken aus der eigenen Bilanz nehmen und diese dann in die Portfolios der Anleger übertragen können. Privaten Investoren wird durch die Verbriefungsinitiativen der Banken die Chance auf eine breite Diversifizierung ihres Vermögens geboten. Dies hat durchaus Vorteile, da Anleger hiedurch unter anderem eine deutliche Reduzierung ihres Gesamtrisikos im Depot erreichen. Denn zahlreiche der neuen Anlageklassen weisen eine nur geringe oder aber sogar eine negative Korrelation zu den Investment-Klassikern Aktien, Anleihen und Bargeld auf. Wenn der Wert des Aktienanteils im Depot also fällt, wird dieser Verlust in einem breit diversifizierten Depot nicht selten durch Wertsteigerungen anderer Vermögenswerte aufgefangen.

Doch strukturierte Produkte haben durchaus ihre Tücken. Diese liegen zum Beispiel in der fehlenden Transparenz und der nicht selten nur geringen Liquidität. Darüber hinaus ist das von Banken vorgenommene „Pricing“ nach Meinung von Fachleuten nicht immer fair. Zwar habe sich in Europa zwischen den Banken ein harter Wettbewerb entwickelt, betont Kubli, doch seien an so mancher Preisstellung durchaus Zweifel angebracht. „Strukturierte Produkte erweisen sich für Banken als Geldmaschine“, sagt SWX-Experte Marc Zahn.

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