Flaggschifffonds
Auf den Zahn gefühlt

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Dauerhaft ist nicht gleich nachhaltig

Explizit nachhaltige Anlageleitlinien oder wesentliche ESG-Kriterien fanden sich in keinem der Fondsprospekte. Manche Fonds bilden konventionelle Indizes nach, so dass sich nachvollziehen lässt, warum es dort keine Nachhaltigkeitskriterien gibt.

Durchweg ist das magische Dreieck aus herkömmlichen finanziellen Erwägungen oberstes Gebot. „Die Entscheidung, Schuldtitel zu erwerben, zu halten oder zu veräußern, (...) stützt sich auch auf eine interne Analyse, die vor allem auf den Kriterien Rentabilität, Bonität, Liquidität und Fälligkeit basiert“, heißt es zur Anlageidee des französischen Carmignac Patrimoine auf der Plattform Money Spezial.

Auffälligerweise haben insgesamt elf der 14 Fondsgesellschaften, die die 18 Fonds anbieten, die UN Prinzipien für Verantwortliches Investieren (PRI) unterzeichnet und sich somit zur Integration von Kriterien zu Ökologie, Menschen- und Arbeitsrechten sowie Governance verpflichtet.

Doch selbst in Sammelprospekten findet sich davon keine Silbe. Auch nicht bei Aberdeen, M&G, oder Standard Life, obwohl laut deren sogenannten „RI“-Transparenzberichten von 2017, die auf der PRI-Plattform zu veröffentlichen sind, formelle ESG-Leitlinien und andere Vorgaben für den Großteil bzw. bei Aberdeen für alle verwalteten Vermögen gelten sollen. Letzteres gilt auch für Fonds von LGT oder Russel.

Das Wort nachhaltig trifft man in Prospekten selten und nur in verkürztem Sinn an. So steht in dem des DWS Top Dividende die Gesellschaft könne mit einzelnen Anlegern die teilweise Rückzahlung von vereinnahmter Verwaltungsvergütung vereinbaren: „Dies kommt insbesondere dann in Betracht, wenn institutionelle Anleger direkt Großbeträge nachhaltig investieren.“ Hiermit ist ganz klar „dauerhaft“ und keineswegs „nachhaltig“ im Sinne von öko-sozial verantwortlich gemeint.

Bei der Anlagestrategie ist davon auch nicht die Rede. Stattdessen sind bei der Aktienauswahl ökonomische Kriterien von „entscheidender Bedeutung“, darunter die „Nachhaltigkeit von Dividendenrendite und Wachstum“. Schon wieder wird dies Wort verwendet, statt, wie es korrekter wäre, Dauerhaftigkeit. Auch die Liechtensteiner LGT und Nordea bedienen sich dieses Sprachgebrauchs, sie schreiben über „nachhaltigen Wertzuwachs“ oder „nachhaltige Erwirtschaftung von Barmitteln“.
Dauerhaft und nachhaltig sind jedoch nicht gleich zu setzen. Dauerhaft schlecht ist sogar das Gegenteil von nachhaltig. Die Stichworte Umwelt, Soziales und Governance ergeben in den meisten PDFs ebenfalls keine Treffer.

Nur zwei Gesellschaften verweisen auf ESG-Politiken. Der Amundi Cash Corporate unterstreicht, derartige Kriterien für Qualitätsziele zu respektieren. Informationen fänden sich auf der Website und in den Jahresberichten. Tatsächlich erläutert der Bericht für 2016, dass nicht lediglich Landminen und Streubomben ausgeschlossen sind, sondern auch Unternehmen, die schwerwiegend und wiederholt gegen die zehn Prinzipien des UN Global Compact verstoßen haben. Diese betreffen Umweltschutz, Menschenrechte, Arbeitsnormen und Korruptionsbekämpfung.

Der Carmignac Patrimoine hebt den Hinweis hervor, auf der Website und im Jahresbericht stünden „Informationen zur Berücksichtigung von Kriterien hinsichtlich Umwelt, Soziales und Governance (ESG).“ Dort informiert der Anbieter, er habe die UN-PRI unterzeichnet und: „Wir berücksichtigen unter anderem die Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit auf die Umwelt und die Fähigkeit von Unternehmen, Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die auf ökologische Herausforderungen eingehen.“ Wie das genau aussieht, wird nicht erläutert.

Es werde nicht in geächtete Waffen investiert sowie auf Arbeitssicherheit und Einkommensverteilung ebenso geachtet wie auf Korruptionstendenzen. Zu den Prinzipien der Franzosen gehören demnach ‚Verantwortungsbewusste Fondsmanager’ und eine ‚langfristige Sicht’. Noch fehlt offenbar die Integration von ESG-Kriterien. Dazu hat sich das PRI-Mitglied aber 2012 verpflichtet.

Nordea 1 hat im Prospekt für alle Fonds zwar im Kapitel Anlagebeschränkungen einen Abschnitt zur Auswahl nach ethischen Kriterien, wonach ein Teilfonds möglicherweise nicht in bestimmte Branchen und Unternehmen investieren darf. Aber sichtlich gilt das nicht beim Flaggschifffonds ‚Stable Return’.

Im Prospekt zu den Franklin Templeton Investments Fonds findet sich immerhin ein „Direktor Investmentrisiken – ESG“ sowie an mehreren Stellen Hinweise auf Arbeitskosten, sozialen Risiken sowie Umweltkosten, -vorschriften, -genehmigungen und –gefahren. Bei den Flaggschifffonds Global Total Return und Global Bond Fund aber sucht man unter den 21 respektive 17 aufgelisteten Risiken vergeblich die auch für Rententitel relevanten ESG-Risiken. Entsprechendes gilt für den Templeton Growth.

Großanbieter Pimco liefert auf zwölf ausführlichen Seiten über ‚allgemeine Risikofaktoren’ keinen Absatz zu ESG-Risiken, obgleich er die PRI 2011 unterschrieb. Die DWS-Mutter Deutsche Asset Management unterzeichnete sie bereits 2008 und müsste also inzwischen quer Beet ESG-Aspekte beachten. Der RI-Transparenzbericht jedoch belegt: Es gibt keine formellen Leitlinien für E-, S-, und G-Faktoren, sondern nur anlageklassen-spezifische und eine Stimmabgabepolitik für Hauptversammlungen.

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