Flossbach und von Storch im Interview: „Die Entschuldung geht nur über Inflation“

Flossbach und von Storch im Interview
„Die Entschuldung geht nur über Inflation“

Das Vermögen vieler Anleger ist in Gefahr, warnen die Vermögensverwalter Bert Flossbach und Kurt von Storch. Warum das Geld bald weniger wert ist, was aus dem Euro wird und wie Anleger ihren Besitz sichern können.
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Die Lage an den Finanzmärkten hat sich beruhigt. Die jüngsten Anleiheauktionen der Schuldenstaaten liefen gut, auch an den Börsen geht aufwärts. Sind wir auf einem guten Weg?

Von Storch: Der Boom der vergangenen Wochen war durch die Notenbanken befeuert - mit Maßnahmen, die früher für jeden Volkswirt unvorstellbar gewesen wären.

Flossbach: Die Notenbanken haben signalisiert: Wir sind bereit „All-in“ zu spielen.

Was heißt das genau?

Flossbach: Die US-Notenbank hat angefangen, die Märkte mit Geld zu überschwemmen und die Zinsen künstlich niedrig zu halten. Die EZB macht inzwischen nichts anderes. Kurz vor Weihnachten hat sie erklärt, dass sie den europäischen Banken nahezu unbegrenzt Liquidität gewährt. Dieses Geld fließt in verschiedene Vermögensklassen.

Von Storch: Sarkozy hat die Banken sogar ausdrücklich dazu aufgefordert, das Geld in Staatsanleihen zu stecken. Das ist nichts anderes als Staatsfinanzierung durch die Hintertür.

Für Griechenland kommt das zu spät.

Flossbach: Hoffentlich ist der Schuldenschnitt bald beschlossene Sache. Dann ist der Sack wenigstens zu.

Und Portugal?

Von Storch: Der Markt hat Portugal bereits abgeschrieben - auch hier wird es einen Schuldenschnitt geben. Portugal und Griechenland werden die Eurozone verlassen müssen, es sei denn wir sind bereit, die Länder ad infinitum zu alimentieren; durch den ESM, Eurobonds oder einen Solidarbeitrag - der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Auf die Dauer ist das allerdings nicht tragbar.

Hat der Euro eine Zukunft?

Flossbach: Das eigentliche Problem sind die großen Unterschiede innerhalb der Eurozone, zu viele Staaten sind nicht wettbewerbsfähig. Deshalb ist der Euro zum Scheitern verurteilt - was nicht heißt, dass es den Euro nicht in ein paar Jahren noch geben wird. Wenn die Politik das will, und die Europäische Zentralbank das Geld bereit stellt, dann ist das eine Zeit lang möglich.

Die Politiker kämpfen für die Vision eines gemeinsamen Europas. Ist das kein ehrenwertes Ziel?

Flossbach: In Wahrheit erreicht die Politik das Gegenteil von dem, was sie erreichen will. Angela Merkel hat gesagt: scheitert der Euro, dann scheitert Europa. Sie tut so, als hänge der Frieden auf unserem Kontinent von der gemeinsamen Währung ab. Letztlich könnte sie damit sogar Recht haben - nur in einem ganz anderen Sinne als beabsichtigt. Der Euro droht zum größten Spaltpilz für Europa zu werden.

Kommentare zu " Flossbach und von Storch im Interview: „Die Entschuldung geht nur über Inflation“"

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  • Die Qualität des ganzen Artikels kann man an einer Passage messen: "Soll ich dann nicht besser den Dachboden ausbauen oder den 911 kaufen ..." ... "Dann haben wir sofort Inflation - auch ohne großes Wirtschaftswachstum."

    Ein intellektueller Supergau:
    1) Bei autonom steigender Nachfrage und nicht ausgelasteten Kapazitäten würden die Produktionsmöglichkeiten reichen, um die Nachfrage zu befriedigen. Inflation entsteht nicht.

    2) Der Sparer kann weltweit sparen und ist nicht darauf angewiesen in Deutschland zu sparen, wenn es sich hier nicht mehr lohnt. Dann lohnt es eben wo anders. Die Spargelder verschwinden nicht, sie rotieren allenfalls. Das das ist auch noch ein Widerspruch zu 1)

    3) Es gibt in Wahrheit Angstsparen. Die Leute halten sich vom Konsum zurück. Das ist aktuell der Fall: Autokäufe sinken landesweit um bis zu 50%, Ford und Michelin melden Kurzarbeit an. Und das im Inflationsszenario!

    Flossbach und von Storch wären in der Zwischenprüfung VWL durchgefalen. Es reicht aber die oben beschriebene Analytik vollkommen aus, um im Handelsblatt Werbung machen zu können. Würde ich den ganzen Artikel auseinander nehmen, würde ein Schild draußen hängen: "Vorübergehend geschlossen, sind in der Unibibliothek zum Nachlernen."

    "Leute baut zwischentzeitlich den Dachboden aus und kauft 911er, dann braucht Ihr unsere Vermögensverwaltung nicht!"

    Für ein Interview stehe ich dem HB gerne zur Verfügung.
    Der Autor ist Member CESifo / IIPF


  • Das Problem ist nur, dass, wenn Rot-Grün an die Macht kommt, bald noch schneller kein Geld zum Umverteilen da ist, da die Geldigen schleunigst abwandern (was junge Leistungsträger ohnehin zunehmend tun, während Sozialhilfeempfänger fröhlich weiter reinströmen, weil man hier so irre viel Kindergeld und Sondervergünstigungen bekommt, wenn man nicht arbeitet)und der Mittelstand durch die tangenziale Geldverschleuderung dank Transferunion restlos ausgepresst ist - mit Rot-Grün eben beschleunigt.

  • Die Lösung ist ganz einfach: Raus aus der Transferunion!

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