Fluxx.com und Solarworld verzeichnen im ersten Halbjahr die höchsten Kursgewinne – Enttäuschung im Telekomsektor
Sondereffekte beflügeln deutsche Aktien

Sondereffekte haben deutsche Aktien im ersten Halbjahr besonders begünstigt. Anders als an den meisten Weltbörsen verzeichneten in den hiesigen Aktienindizes die Werte die größten Zuwächse, deren Kurse durch Übernahmegerüchte, Vorstandswechsel, politisch geförderte Subventionen oder ganz profan durch den Schiedsrichter-Skandal um Robert Hoyzer besonders getrieben wurden.

FRANKFURT/M. Top-Gewinner im ersten Halbjahr waren mit einem Plus von 133 Prozent bzw. 120 Prozent die Aktien des Online-Glücksspielanbieters Fluxx.com sowie des Solaranlagenbauers Solarworld. Beides überrascht: Schließlich war die inzwischen im SDax gelistete Fluxx.com-Aktie bis vor einem Jahr nur Insidern ein Begriff. Und Solarworld-Titel standen bereits 2004 mit einem Zuwachs von über 500 Prozent ganz oben auf der Gewinnerliste.

Damals wie heute profitiert Solarworld wie die gesamte Branche von der Förderung aus dem Energieeinspeisegesetz (EEG). Mit der vorgezogenen Bundestagswahl im Herbst und der Aussicht auf einen Regierungswechsel haben zuletzt jedoch viele Analysten ihre Prognosen für Solarworld deutlich heruntergeschraubt. Burkhard Sawazki von der WestLB hat die Aktie vor wenigen Tagen in einer Ersteinschätzung als „underperformer“ eingestuft, traut ihr also eine schlechtere Entwicklung als dem Gesamtmarkt zu. Er begründet dies mit dem nicht aufrechtzuerhaltenden Subventionsniveau, Sorgen über die mittelfristigen Margen sowie einem wachsendem Wettbewerb.

Deutlich besser sind die Aussichten für Fluxx.com. Wie alle Titel der Glücksspielbranche sorgt hier für Phantasie, dass das Bundesverfassungsgericht vermutlich im Herbst das bislang staatliche Glücksspielmonopol lockern wird.

Sondereffekte trieben auch zwei der Gewinner im Deutschen Aktienindex (Dax), Deutsche Börse und Hypo-Vereinsbank (HVB). Bei der Deutschen Börse waren die gescheiterte Übernahme der London Stock Exchange sowie die anschließende Demission von Vorstandschef Werner Seifert Auslöser für ein Kursplus von fast 50 Prozent. Die HVB-Aktie profitierte von der bevorstehenden Übernahme durch die italienische Großbank Unicredito. Bei beiden Titeln ist nach Ansicht der meisten Analysten inzwischen aber „die Luft raus“, so dass Zukäufe wenig sinnvoll erscheinen.

Ganz anders stellt sich die Situation beim Versorger RWE dar. Dessen Aktie, Nummer zwei im Dax und sogar Nummer eins im für die Euro-Zone maßgeblichen Index Euro Stoxx 50, steht bei Analysten trotz der Zuwächse von über 30 Prozent im ersten Halbjahr weiter hoch im Kurs. Lüder Schumacher von Dresdner Kleinwort Wasserstein hat zuletzt sein Kursziel für die Aktie von 54 Euro auf 64 Euro angehoben. Aktuell notiert sie bei knapp 54 Euro. Schumacher begründete dies mit den gestiegenen Energiepreisen sowie der Aussicht, dass bei einem Regierungswechsel in Deutschland die Restlaufzeiten für Atomkraftwerke verlängert werden könnten.

Ähnlich positiv sind die Aussichten für Ölaktien, nachdem die Experten auch für das zweite Halbjahr mit einem anhaltend hohen Rohölpreis rechnen. Werte wie Royal Dutch und Total aus dem Euro Stoxx 50 oder Exxon Mobil aus dem US-Topindex Dow Jones Industrial haben nach Ansicht der Analysten gute Chancen, auch in der Jahresschlusswertung an den Börsen ganz weit oben zu stehen.

Größte Enttäuschung war für viele Anleger hingegen die Entwicklung der Telekomwerte im ersten Halbjahr. Nahezu alle großen europäischen Gesellschaften verzeichneten – anders als von vielen Experten vorhergesagt – Verluste. Im Euro Stoxx 50 stehen „die großen drei“, Deutsche Telekom, Telecom Italia und France Télécom, auf der Verliererseite. Das soll sich bis zum Jahresende noch zum Positiven ändern, glauben Experten. Matthias Jörss vom Bankhaus Sal. Oppenheim führt als Gründe dafür das hohe Gewinnwachstum der Telekomunternehmen sowie deren niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) an.

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