Folgen der Finanzkrise
Wie Anleger um ihr Geld kämpfen

Vermeintlich sichere Anlagen und Wertpapiere entpuppen sich als risikoreiches Investment. Und immer mehr Deutsche erleben einen unfreiwilligen Crashkurs in Sachen Finanzmärkte. Jetzt fangen sie an, sich zu wehren. Doch Vorsicht ist geboten: Längst nicht jeder Verlust zieht einen rechtlichen Anspruch nach sich.

DÜSSELDORF. Die erschreckenden Zahlen für Anleger häufen sich: Seit Beginn des Jahres hat der deutsche Aktien-Leitindex Dax mehr als 40 Prozent verloren. Ganz vorne bei den Verlusttiteln: die Hypo Real Estate. Knapp 60 Prozent haben Anleger alleine in den vergangenen drei Monaten mit Aktien des Immobilienfinanzierers verloren, dem der deutsche Staat zur Seite springen musste. Anlegerschützer sehen die Schuld hierfür bei den Konzernspitzen und prüfen Ansprüche der Geschädigten gegen die Bank.

Auf ein juristisches Gefecht bereiten sich auch zahlreiche Anwälte vor, die Opfer der Pleitebank Lehman Brothers betreuen. Mehr als 12 000 Deutsche, so schätzt die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), nahmen durch die Insolvenz der amerikanischen Traditionsbank Schaden, weil sie Zertifikate des Hauses gekauft hatten. Alleine 5 000 sind es bei der Frankfurter Sparkasse 1822, nochmal 4 000 - wie erst Montag bekannt wurde - bei der Hamburger Sparkasse.

Selbst wer kein Geld in Aktien oder Zertifikaten angelegt hatte, muss zum Teil um sein Erspartes fürchten. Heikelstes Beispiel ist die Kaupthing-Bank. Mehr als 30 000 deutsche Sparer bangen um ihr Festgeld beim mittlerweile verstaatlichten isländischen Institut.

Wut und Angst mischen sich bei den Anlegern. Und es kommt die Frage auf, ob Banken, Emittenten oder Berater haftbar gemacht werden können. Anwälte und Verbraucherzentralen erhalten gewaltigen Zulauf. "Wir haben so viele Anfragen wie noch nie", sagt Lothar Gries von der SdK: "Selbst telefonisch ist das kaum mehr zu bewältigen."

Alle Anrufer haben dieselbe Frage: Wie kann ich mein Geld zurückbekommen? Die Verbraucherzentrale Berlin warnt allerdings vor Aktionismus. Voreilige Klagen könnten häufig zu noch größeren Verlusten führen. "Viele Verbraucher haben null Chance, weil ihre Ansprüche bereits verjährt sind", sagt deren Finanzexperte Peter Lischke. Der Grund: die derzeit geltende dreijährige Verjährungsfrist beim Kauf von Wertpapieren. Innerhalb derer müssen Ansprüche aus Fehlberatung geltend gemacht werden. Anleger sollten sich also gründlich informieren und ihre Unterlagen prüfen, bevor sie an rechtliche Schritte denken.

Weiter erschwert werden erfolgreiche Klagen, weil nach derzeitigem Recht die Kunden ihrer Bank eine Fehlberatung nachweisen müssen - und das ist sehr schwierig. "Man muss außerdem die erheblichen Prozesskosten bedenken, um als Geschädigter in einem komplizierten, offenen Prozess nicht noch mehr Geld zu verlieren", warnt Lischke.

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