Forschungsgebiet beginnt sich für Investoren auszuzahlen – Vor allem Zulieferer profitieren vom Boom
Nanotech-Aktien setzen zum Höhenflug an

Die Nachricht schlug an der Börse Tokio ein wie eine Bombe: Der japanische Nanotech-Zulieferer Jeol Ltd. gab am vergangenen Donnerstag bekannt, mit Hilfe nanoporöser Elektroden einen Akku hergestellt zu haben, der die gleiche Leistung wie ein handelsüblicher Nickel-Hybrid- Akku aufweist, gleichzeitig aber deutlich leichter ist und sich binnen einer Minute aufladen lässt. Die Aktien schlossen seitdem an der Börse Tokio täglich „Limit Up“, das heißt, mit jeweils 15 % Tagesplus.

DÜSSELDORF. Gut für die Jeol-Aktionäre, gut aber auch für den Activest Lux Nanotech, dessen zweitgrößte Position Jeol ist. Zuletzt wurde es etwas ruhig um die Investmentidee Nanotechnologie und den ersten Branchenfonds in diesem Segment. Zu Unrecht: Der Fonds kletterte seit Jahresbeginn um 38 %. Auch Achim Backhaus vom unabhängigen Fondsbeobachter Feri Trust bescheinigt dem Fonds eine gute Performance. „Unter den 103 von uns beobachteten Technologiefonds belegt der Activest Lux Nanotech bezogen auf das Jahr 2003 Rang 14. Das ist deutlich über dem Sektordurchschnitt.“

Unter Nanotechnologie verstehen Wissenschaftler alle Prozesse, die die Strukturen von atomarer Größe bis zu 100 Nanometern nutzen. Zur Veranschaulichung: Ein Nanometer verhält sich zu einem Meter wie ein Apfel zur gesamten Erdkugel. Als „Querschnitttechnologie“ kann sie dabei in beinahe allen industriellen oder beispielsweise auch medizinischen Anwendungsgebieten eingesetzt werden.

Dieser Umstand erschwert Investoren allerdings die Suche nach Investmentvehikeln, um von den Innovationen der Branche zu profitieren. Patrick Fuchs, Analyst der DZ–Bank, bescheinigt der Nanotechnologie großes Potenzial, gibt aber zu bedenken dass die größte Forschungsarbeit im universitären Umfeld geleistet wird. „Die meisten Unternehmen erzielen mit Nanotechnologie nur geringe Umsätze.“

„Lukrativ für Investoren ist eher der Kauf von Zulieferern, auf die alle Unternehmen angewiesen sind, die in der Nanotechnologie forschen“, sagt Thiemo Lang, Manager des Activest Lux Nanotech. Daher hat er rund 40 % des Fondskapitals in Hersteller von Analyse- und Prozessmaschinen investiert, die für die Forschung benötigt werden.

Weltmarktführer auf diesem Gebiet ist Veeco Instruments. Die Aktien des Unternehmens haben sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt. Veeco bedient mit seinen Produkten alle Endmärkte der nanotechnologischen Forschung. Auch Jeol stellt Elektronenmikroskope her. Die Entwicklungsergebnisse in Sachen Batterie kamen daher auch für Activest-Manager Lang „eher überraschend“. Der Gelsenkirchener Schlauchhersteller Masterflex versucht, Nanotechnologie für die Verbesserung der Eigenschaften von Polyurethan zu nutzen, das der Konzern für mikroskopisch feine Schläuche in der Medizin einsetzt.

Aber auch große Unternehmen setzen auf die neue Technik. So gab der Halbleiterhersteller ST Microelectronics vor einer Woche bekannt, mit Hilfe einer nanofeinen Oberflächenstruktur die Herstellungskosten von Solarzellen deutlich verringern zu können. Und IBM veräußerte jüngst sein Festplattengeschäft an Hitachi, um sich auf profitable Bereiche zu konzentrieren. „Big Blue“ behielt aber das so genannte „Millipede-Projekt“: Dabei gelang es Forschern mit Hilfe der Nanotechnologie, einem Prototypen mit einer Datendichte von einer Billion Bits pro Quadratzoll herzustellen. Das ist genug, um 25 Millionen Buchseiten oder den Inhalt von 25 DVDs auf der Fläche einer Briefmarke zu speichern. Das Speichermedium soll 2005 marktreif sein.

Auch das Produkt von Activest hat bereits Nachahmer gefunden: Anfang September lancierte die Investmentgesellschaft Hauck & Aufhäuser mit dem H&A Lux DAC Nanotech–Fonds bereits den zweiten deutschen Nanotech-Fonds.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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