Trends
Frank R. LingohrLingohr & Partner Asset Management, Erkrath

Lingohrs Adresse in einem Erkrather Industriegebiet nahe Düsseldorf repräsentativ zu nennen, wäre mehr als eine Übertreibung. Lingohr ist das wurscht: "Hauptsache, die Miete ist günstig." Das Gewerbeobjekt stammt aus der Konkursmasse des Immobilienunternehmens Bast Bau. "Ein echtes Value-Investment", sagt Lingohr schmunzelnd und streicht sich über den graumelierten Bart.

Im eintönig möblierten Büro sticht lediglich die große, grellbunte Weltuhr Geochron ins Auge. Er entdeckte das technische Spielzeug 2004 bei einem Juwelier in Omaha, als er die Aktionärsversammlung von Berkshire Hathaway besuchte. Gekauft hat er die Uhr aber in Deutschland, weil ihm die Luftfrachtkosten für das 13 Kilo schwere Paket zu hoch waren.

Die Liebe zu High Tech ist für Lingohr mehr als nur Privatsache. Bei Aktien verlässt er sich fast vollständig auf seinen elektronischen Schnäppchenjäger "Chicco", viel lieber als auf Analystenmeinungen. Das von ihm entwickelte Computerprogramm durchforstet permanent ein Universum von 12 000 Einzelwerten. Nicht alles, was der Rechenknecht ausspuckt, findet Lingohrs Beifall: "Gerade bei Wachstumswerten wie Oracle habe ich ein schlechtes Bauchgefühl." Stimme aber der Preis, dann lasse er sich häufig noch umstimmen. "Wir sind uns für nichts fies", zitiert Lingohr eine Kölsche Weisheit.

Angeschlagene Fonds auf Vordermann gebracht

Trotz dieser rheinischen Toleranz bleibt sein Verhältnis zu Wachstumswerten unterkühlt. "Für mich sind das keine Growth-Aktien, sondern Glamour-Aktien", sagt Maserati-Fahrer Lingohr. Um Titel, bei denen sich bekannte Growth-Investoren wie die Davis Group oder Janus Capital engagieren, mache er daher einen großen Bogen. Ebenso wie um Unternehmensbesuche.

Der Verzicht auf Aktien aus den Branchen Telemedien und Technologie hat seinen größten Fonds, den Lingohr-Systematic BB-Invest, in den Jahren 2000 und 2001 vor dem Absturz bewahrt. So legte der internationale Aktienfonds in den vergangenen fünf Jahren immerhin noch um durchschnittlich fünf Prozent zu. Kaum ein anderes globales Portfolio ist so stabil durch Baisse und Hausse gekommen.

Lingohrs eigentliche Spezialität ist es, angeschlagene Fonds anderer Anbieter wieder auf Vordermann bringen. So sanierte er den im April 2004 übernommenen HSBC Trinkaus Japan innerhalb eines Jahres. In der Rangliste des Marktbeobachters Feri-Trust liegt das Portfolio im Jahresvergleich mittlerweile auf Platz drei mit einem Plus von 4,4 Prozent. Über die vergangenen drei Jahre, einschließlich der Zeit vor Lingohr, langt es nur zu Platz 81.

» Tobias Klein
First Private Investment, Frankfurt

» Zurück

Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 30 vom 21.07.2005 Seite 86 - 89

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%