„Frankfurter Gespräch“
Agenturen in der Defensive

Die Deutschlandchefs von S&P, Moody’s und Fitch räumen Interessenkonflikte ein, können aber keine eigenen Verfehlungen erkennen. Im „Frankfurter Gespräch“ des Handelsblatts wehren sie sich gegen die Vorwürfe, nicht frühzeitig vor den Folgen der Subprime-Krise gewarnt zu haben.

FRANKFURT. In den Geschäftsmodellen der Ratingagenturen sind Interessenkonflikte bereits angelegt. Das räumten die Deutschlandchefs der drei großen Ratingagenturen Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch in einem Gespräch mit dem Handelsblatt ein. Doch gerade weil man sich dessen bewusst sei, gebe es auch keine Verfehlungen. Dies habe die Vergangenheit gezeigt. Vertreter der Ratingagenturen stellten sich im „Frankfurter Gespräch“ des Handelsblatts erstmals gemeinsam den Fragen einer Zeitung.

S&P, Moody’s und Fitch sind durch die Subprime-Krise unter Beschuss geraten. Sie haben Ratings für mit Subprime-Kredite besicherte strukturierte Anleihen vergeben und diese spät, dafür aber zahlreich und in hohem Milliardenvolumen herabgestuft sowie nicht vor Risiken der außerbilanziellen Verbriefungen gewarnt. Kritik kam an Interessenkonflikten auf, weil die Ratingagenturen von den Emittenten für die Bonitätsnoten bezahlt werden.

„Ich sehe keine Alternative zu diesem Modell“, sagt Torsten Hinrichs von S&P. „Nur so können wir die Informationen dem ganzen Markt zur Verfügung stellen und dadurch eine Transparenz herstellen, die anders nicht möglich wäre.“ Eine Bezahlung durch die Investoren lehnen die Bonitätswächter als nicht machbar ab.

Die deutschen Geschäftsführer der Agenturen wehren sich gegen den Vorwurf, sie würden die Emittenten von Anleihen und komplizierten strukturierten Verbriefungen bei der Verpackung beraten. Die Internationale Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden (Iosco) will den seit gut drei Jahren bestehenden Verhaltenskodex für die Ratingagenturen anpassen. Eine Kernforderung ist die Beratung für die Erstellung strukturierter Finanzprodukte zu untersagen, wenn Produkte bewertet werden.

„Wir beraten nicht, und wir strukturieren auch keine Verbriefungsprodukte“, sagt Jens Schmidt-Bürgel von Fitch Ratings: „Es gibt aber Mythen, die scheinen unausrottbar.“ Auch Detlef Scholz von Moody’s verteidigt sich: „Bei Verbriefungen werden die Banken nicht von den Ratingagenturen, sondern von den Investmentbanken beraten.“ Weil die Analysemodelle der Agenturen mit Blick auf die Transparenz zum Teil im Internet frei verfügbar seien, könnten die Banken dieses Wissen nutzen, um Produkte so zu strukturieren, dass sie möglichst gute Ratings erhalten. Angesichts der Transparenzvorschriften der Iosco müssten die Agenturen auch mit den Emittenten sprechen, betont Hinrichs. Dieser Dialog werde aber oft als „Beratung“ interpretiert. Hinrichs sieht dies als „Dilemma.“

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