Freiwillige Qualitätsstandards für Nachhaltigkeitsratings
Europäische Research-Agenturen nehmen sich in die Pflicht

Fünfzehn europäische Research-Agenturen für nachhaltiges Wirtschaften und Investieren, die Unternehmen nach ökologischen und sozialen Leistungen beurteilen, haben sich zu freiwilligen Qualitätsstandards verpflichtet. „Genau die Transparenz und nachvollziehbaren, exakt dokumentierten Prozesse, die wir sonst von Unternehmen verlangen, wollen wir ab diesem Jahr auch für unsere eigene Arbeit erbringen“, erläutert Kirein Franck von der Hannover Rating-Agentur Imug, der gemeinsam mit einer britischen und einer belgischen Agentur das Projektmanagement oblag.

HB BRÜSSEL. Transparente Standards beim Research sollen Fondsmanagern, institutionellen und privaten Anlegern sowie Unternehmen eine leichtere Orientierung verschaffen und Vertrauen bilden. „Es ist eine große Leistung, dass sich so viele Agenturen auf eine gemeinsame Basis verständigt haben“, lobt Walter Kahlenborn, Vorstandsvorsitzender des Forums nachhaltige Geldanlagen, begeistert. Die Verpflichtungen seien genau die Richtigen und in einer ausgewogenen Mischung gewählt.

Die junge Branche, die weltweit Tausende börsennotierter Konzerne anhand mehrerer Hundert Kriterien durchleuchtet, handelt schneller als die traditionelle, auf Finanzanalysen konzentrierte Research-Branche, für die es laut Experten noch immer keinen europaweiten Standard gibt. Beteiligt sind die deutschen Agenturen für Nachhaltigkeit Imug, Oekom und Scoris sowie Institute aus Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich, Belgien, Italien und Spanien. Sie hoffen, dass ihre Standards zum globalen Maßstab werden und den Markt für nachhaltige Kapitalanlagen beleben.

In offensichtlicher Anspielung auf die „Zehn Gebote“ haben sie sich zu zehn Qualitätsprinzipien verpflichtet. Dabei geht es um ihre Unabhängigkeit, die Transparenz ihrer Arbeit, die Informationsquellen, die aktive Einbeziehung wichtiger Interessengruppen sowie Umfang, Kriterien und Methoden der Untersuchungen und deren Aktualisierungen. Darüber hinaus gibt es detaillierte Verpflichtungen zu Integrität, ethischem Verhalten, Rechtsstatus, Insider-Wissen, Management, Qualitätssystemen, Personal, Kriterien und Methoden, Datenverarbeitung, der Art des Kontakts zu Unternehmen und Stakeholdern sowie zur Berichterstattung.

Ganz freiwillig handelten die Agenturen nicht. Weil ihre Arbeit für Außenstehende undurchschaubar war, wurde sie anfangs als „Black box“ charakterisiert, wie Franck einräumt. Unternehmen verlangten Informationen zur Fragebogen-Flut der Agenturen sowie zu Verlässlichkeit, Transparenz, Überprüfbarkeit und Feedback. Ein weiterer Anstoß kam von der EU-Kommission, die ab 2000 zu Gesprächen einlud und das Projekt etwa zur Hälfte finanzierte.

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