Führende Börsenbarometer notieren auf dem tiefsten Stand des Jahres – Strategen halten das für eine „Übertreibung“
Aktienprofis geben die Hoffnung nicht auf

An der New Yorker Börse fiel der Leitindex Dow Jones am Freitag auf ein Jahrestief. Der Deutsche Aktienindex (Dax) unterschritt gestern den bisher tiefsten Stand des Jahres, den er Ende März bei 3 692 Punkten markierte. Trotzdem herrscht bei den Aktienstrategen der Großbanken keinesfalls Panik.

FRANKFURT/M. „Wir erleben derzeit eine Übertreibung nach unten. Es gibt keine negativen Zahlen, lediglich eine negative Stimmung“, sagt Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz Gruppe und der Dresdner Bank. Deshalb rechnet er bald wieder mit einer Normalisierung an den Aktienmärkten. Bis es dazu kommt, könnte es allerdings kurzfristig noch einmal zu einem Rückschlag kommen. „Wenn es am Markt zu einem Ausverkauf kommt, könnte es in den nächsten Tagen durchaus noch fünf bis zehn Prozent nach unten gehen“, sagt Berndt Fernow von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Dennoch: Eine neue Phase der Baisse mit Dax-Ständen unterhalb von 3 000 Punkten hält er für völlig unwahrscheinlich.

Ebenfalls positiv: Die größten deutschen Banken und Fondsgesellschaften stehen weiterhin zu ihren Dax-Prognosen, die sie zu Beginn des zweiten Halbjahres gestellt haben. Demnach erwarten sie für den deutschen Leitindex weiterhin Jahresschlussstände zwischen 4 300 und 4 700 Punkten. Für sie sind die Rekordniveaus beim Ölpreis, die bislang so nicht vorstellbar waren, und die zuletzt schlechten Konjunkturdaten für den Kurseinbruch der letzten Tage verantwortlich. Wie viele seiner Kollegen erwartet auch Michael Heise schon bald eine Normalisierung an den Ölmärkten.

Kaum ein Stratege glaubt hingegen an eine „politische Börse“, von der zuletzt schon wieder manche Börsianer sprachen. So wurden Stimmen laut, die bereits Folgen für die US-Wirtschaft befürchteten, falls der Herausforderer John Kerry die Präsidentschaftswahlen im Herbst gewinnen würde. Zudem belaste die Yukos-Krise in Russland mit ihrem ungewissen Ausgang, befürchten Pessimisten. Und in Deutschland sei das Gerede um die Sozialreformen nicht dienlich, um das Vertrauen in den Aktienmarkt zu stärken. „All diese Dinge haben nicht allzu viel Einfluss auf die Börse“, sagt Berndt Fernow. Auch das Thema Terror sei lediglich latent vorhanden und sorge nicht für zusätzliche Verunsicherung. Deshalb spiele auch das näher rückende Datum 11. September bei Investoren keine Rolle.

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