Führungsvorschläge von Jamie Dimon
Der schwammige Kodex für Aktiengesellschaften

Berühmte amerikanische Manager und Investoren haben Ideen zur besseren Führung von Aktiengesellschaften vorgelegt. An den aktuellen Problemen bei der Leitung von Konzernen dürfte sich dadurch aber wenig ändern.

New YorkDer Berg kreißte – und gebar eine Maus. So heißt eine Redensart, die auf den römischen Dichter Horaz, der damit Dichter kritisierte, die nicht hielten, was sie versprachen. Der Berg, das ist in dieser Geschichte eine Ansammlung von 13 berühmten amerikanischen Managern und Investoren, darunter Namen wie Jamie Dimon (Chef von J.P Morgan), als Initiator des Konzepts sozusagen der Vater der Maus, Warren Buffett und Larry Fink (Chef von Blackrock). Nicht dabei ist Abigail Johnson – die Chefin der Fondsgesellschaft Fidelity hat sich aus dem Geburtsprozess ausgeklinkt, wahrscheinlich, weil sie das dürftige Ergebnis absehen konnte.

Die Maus, das sind Vorschläge zu einer besseren Führung von Aktiengesellschaften, gegliedert in sechs Punkten und als Anzeige in großen US-Zeitungen veröffentlicht. Ein halbes Jahr lang haben Jamie Dimon und seine Mitstreiter darüber diskutiert, wie Abläufe in den Verwaltungsräten und der Kontakt zwischen Management und Aktionären verbessert werden können. Herausgekommen sind sehr schwammig formulierte Ideen.

So umgehen Dimon & Co einen heiß umstrittenen Punkt, nämlich die Frage, ob es richtig ist, dass der Chef einer Aktiengesellschaft zugleich Präsident des Verwaltungsrats sein sollte, also zugleich sein eigener Aufseher. Hier heißt es nur, die Verwaltungsräte sollten regelmäßig auch ohne den Chef tagen, Kontakt zur zweiten Management-Ebene halten und jeweils zumindest einen starken, unabhängigen Aktionärsvertreter in ihren Reihen haben.

Dieser Unabhängige soll dann Vorschläge machen, ob der Chef in Personalunion auch Präsident sein darf, und der Verwaltungsrat soll entscheiden. Eine klare Trennung von Führung und Aufsicht – in den USA also CEO und Chairman des Boards – wäre besser gewesen. Aber Dimon hat die Personalunion in seinem eigenen Fall mehrfach erbittert und mit Erfolg in Hauptversammlungen verteidigt. Und Fink ist für Blackrock ebenfalls eine Art allmächtiger Übervater mit beiden Funktionen. So spiegeln die komplizierten Vorschläge doch eher die Interessen des Managements wider als die Sichtweise der Aktionäre.

Die meiste Diskussion dürfte der Vorschlag hervorrufen, bei Quartalsergebnissen auf eine Vorschau aufs jeweils nächste Quartal zu verzichten. Das wäre sicher für Vorstände sehr bequem, die sich nicht festlegen wollen. Es würde auch Großinvestoren und Analysten einen Vorsprung verschaffen, die doch eher mal informell oder in ausgedehnten „Calls“ mit dem Management reden können, während Privatleute auf das angewiesen sind, was gedruckt veröffentlicht wird. Der Transparenz dient der Vorschlag nicht.

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Warren Buffett äußerte sich in einem Fernseh-Interview

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