Fünf Fagen an Michael Schröder
„Goldwerte waren immer hoch bewertet“

Michael Schröder ist Fondsmanager bei Old Mutual Asset Management. Im Interview spricht er über den Boom an der Börse Johannesburg und über die Skepsis gegenüber Gold.

Handelsblatt: Der Boom an der Börse Johannesburg hält an. Ist die Luft inzwischen dünn geworden?

Michael Schröder: Man täte gut daran, die Erwartungen ein wenig zurückzuschrauben, denn derartige Kurssteigerungen sind auf Dauer natürlich nicht zu halten. Wir sehen für den Markt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von zwölf voraus, was nicht eben billig ist. Aber Südafrikas Wirtschaftswachstum bewegt sich in Richtung von fünf bis sechs Prozent und die Inflationsrate ist strukturell gesunken, was längerfristig eine weitere Senkung der Zinsen zulässt.

Treibende Kraft sind die Rohstoffe. Gibt es einen Superzyklus oder müssen Anleger bald mit Turbulenzen rechnen?

Die Rohstoffpreise sind auf Grund des Vorgehens der Investmentfonds sehr schwankungsanfällig. Aber sie werden durch die anhaltend starke Nachfrage aus China mittelfristig sicherlich hoch bleiben. Zudem werden sie von einem zyklischen Anstieg der Nachfrage in der westlichen Welt unterstützt. Bedenklich ist, dass der Bergbau in den 90er-Jahren nicht genug Investitionen getätigt hat. Wegen der langen Anlaufzeiten sind mittelfristig Kapazitätsengpässe zu erwarten.

Wie erklärt sich ihre Skepsis gegenüber Gold?

Das ist nicht ganz richtig, denn meine Fonds sind zurzeit gerade im Goldbereich stark investiert. Aber längerfristig bin ich der Ansicht, dass sich etwa der Ölpreis besser entwickeln wird. Im Gegensatz zum Öl wird Gold praktisch nicht verbraucht. Fast die ganze Menge, die bisher gefunden wurde, ist noch vorhanden – in Form von Schmuck oder Barren. Das könnte jederzeit in den Markt kommen.

Sind nicht auch die Standardwerte im Goldsektor bereits sehr hoch bewertet?

Ja. Aber historisch sind die Goldwerte vom Markt schon immer sehr hoch bewertet worden. Zurzeit nehmen sie einen Goldpreis von etwa 800 Dollar vorweg. Dagegen spiegelt Sasol, der Führer auf dem Gebiet synthetischer Treibstoffe, in seinem Kurs einen Ölpreis von nur etwa 45 Dollar wider.

Welche anderen Branchen sind für Anleger interessant?

Gefragt sind auch Aktien, die nach der politischen Wende vor zwölf Jahren vom Aufkommen einer schwarzen Mittelschicht profitieren. Die Mittelschicht vergrößert den Markt für Konsumgüter rapide und konsumiert mit hohem Vertrauen in die Zukunft. Andere interessante Werte profitieren von der Erschließung des Kontinents und liegen vor allem in den Bereichen Telekommunikation und Medien.

Die Fragen stellte Wolfgang Drechsler

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