Für viele Anleger entpuppen sich die Policen als Minusgeschäft
Glanz der Lebensversicherung verblasst

Beim Thema Altersvorsorge setzen die deutschen Anleger seit Jahrzehnten auf die Kapitallebensversicherung – drei von vier Haushalten sparen eine oder sogar mehrere Policen an.

DÜSSELDORF. Und Heerscharen von Vertretern bringen massenhaft neue Verträge unters Volk, obwohl die Branche am laufenden Band negative Schlagzeilen produziert: dass die Versicherer wegen Börsenbaisse und Anlagefehlern Milliardensummen abschreiben mussten, dass mit der Mannheimer Lebensversicherung faktisch der erste deutsche Versicherer seit dem Zweiten Weltkrieg pleite ging, dass die Überschussbeteiligungen auf breiter Front sinken. Beschlossene Sache ist zudem für das nächste Jahr die Senkung des gesetzlichen Garantiezinses für Neuverträge von 3,25 auf 2,75 Prozent.

So warnen viele Verbraucherschützer derzeit vor Kapital bildenden Lebensversicherungen: „Wir raten von Neuabschlüssen ab. Der Gewinn steht in den Sternen“, sagt Wolfgang Scholl vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. „Fällt der Steuervorteil, ist das Produkt endgültig tot“, meint Frank Braun vom Bund der Versicherten.

Sollte der Anleger also generell die Finger von einer solchen Lebensversicherung lassen? „Nein“, meint Manfred Poweleit vom Branchenreport Map, „als Basisversorgung ist sie für die meisten Verbraucher unschlagbar.“ Dagegen sagt Versicherungsexperte Scholl, nur in Einzelfällen könne sich die Lebensversicherung für Selbstständige oder im Rahmen von Gehaltsumwandlung für Angestellte lohnen.

Eine Kapital bildende Lebensversicherung bündelt zwei Produkte: eine Risikolebensversicherung, die nur im Todesfall fällig wird, und einen Sparvertrag. Zudem kommen Anleger in der Regel erst Jahrzehnte später wieder an ihr Geld. Daher sollten Anleger vor dem Abschluss einer solchen Police ihren Versicherungsschutz und ihre finanzielle Belastungsfähigkeit genau prüfen.

Experten raten, erst die Berufsunfähigkeit abzusichern. Dies sollte früh geschehen und solange man gesund ist. „Schließlich bekommt schon manch ein 30-Jähriger Probleme, einen Versicherer zu finden“, sagt Poweleit. Dabei sollte eine Rente von 1 500 Euro sicher sein. Familien empfiehlt sich als zweites Sicherheitsnetz der Kauf einer Risikolebensversicherung. Hier halten Experten einen Todesfallschutz von 300 000 Euro für nötig.

Nur wer nach dem Abschluss dieser Policen noch über ausreichende Liquidität verfügt, der kann an den Abschluss einer Kapital bildenden Lebensversicherung denken. Sicher, wer früh beginnt, der profitiert von dem Zinseszinseffekt. Allerdings nutzt dies wenig, wenn Versicherte aus Geldnot ihre Police frühzeitig kündigen müssen. Die vorzeitige Auflösung von Lebensversicherungen ist ein Minusgeschäft – vor allem, weil von den Beiträgen in den ersten Jahren die üppigen Provisionen der Vermittler abgezogen werden. Jeder zweite Lebensversicherte läuft in diese Falle. „Hände weg, wer nicht sicher ist, die Zwölfjahresfrist bis zur Steuerfreiheit der Anlage durchhalten zu können“, warnt denn auch Braun. Nach Ansicht von Poweleit sollte sich niemand aus steuerlichen Gründen für eine Lebensversicherung entscheiden. „Eine Kapital bildende Lebensversicherung läuft im Schnitt über 27 Jahre, sie muss viele Regierungen überstehen.“ In der Tat kocht die Diskussion über eine Streichung des Steuerprivilegs für Lebensversicherer derzeit erneut hoch. Verbraucherexperte Scholl erwartet, dass die Steuerbefreiung bald fällt.

Schwierig ist die Auswahl des richtigen Anbieters. Oft unterschätzen Anleger die Kosten einer Lebensversicherung. Denn die Rendite wird nur auf den Sparanteil der Lebensversicherung gezahlt, das heißt auf das, was nach Abzug von Provisionen, Verwaltungskosten und der Risikoprämie übrig bleibt. Aspekte wie die aufschlussreichere Vertragsrendite oder der Rückkaufswert fließen etwa in die Ratings von Morgen & Morgen oder Map-Report ein – hier finden sich Hinweise auf renditestarke Anbieter. Zudem bieten die Unternehmensratings von Ratingagenturen wie Standard & Poor’s, Moody’s, Fitch oder AM Best Hinweise auf die wirtschaftliche Stärke eines Anbieters.

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