Gary Shilling im Interview
„Aktien werden um ein Drittel fallen“

Die Börsenrally der letzten Tage lässt Untergangsökonom Gary Shilling kalt. Im Interview verrät er, warum sich Geldanleger auf Rezession, Deflation und den tiefen Fall des Euro einstellen sollten.
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Handelsblatt: Sie erwarten Deleveraging und Deflation. Das bedeutet: Abbau der Verschuldung und sinkende Preise. Ist das nicht eine Minderheitsmeinung unter den Ökonomen?

Gary Shilling: Ja, nur wenige Ökonomen haben in ihrem eigenen Leben überhaupt eine Deflation erlebt, das mag dazu beitragen.

Aber wir haben Inflation. Das sehen wir an den veröffentlichten Raten…

Diese Raten werden schnell fallen. Bisher sind die Inflationszahlen vor allem durch die höheren Rohstoffpreise nach oben getrieben worden. Aber das ist es jetzt auch gewesen.

Warum erwarten Sie eine Deflation und ein Deleveraging?

Einen Grund habe ich eben genannt. Es gibt viele andere. Ich rechne mit einer harten Konjunkturlandung in China, einer schweren Rezession in den USA und wahrscheinlich schlittert Europa in eine Rezession. Die Industrieländer werden versuchen, ihre Verschuldung zu senken. Bereits das deutet auf Kontraktion, sinkendes Wirtschaftswachstum und fallende Preise.

Mit welchen Inflationsraten können wir Ihrer Meinung nach rechnen?

In einem Jahr erwarte ich Inflationsraten in den USA und Europa von Minus einem bis Minus zwei Prozent. Das ist getrieben vom Abbau der Verschuldung der Konsumenten, der Banken und der Staaten. Banken etwa können rückzahlen oder abschrieben. Wie schwer die Geldaufnahme zur Stärkung der Kapitalkraft fällt, zeigt das aktuelle Beispiel Unicredit in Italien.

Wie lange wird diese Periode des Deleveraging dauern?

Sie begann mit dem Start der Finanzkrise 2007. Wir haben wahrscheinlich noch fünf bis sieben Jahre vor uns. Das ist noch die gute Nachricht, denn würde es schneller gehen, wäre das nur um den Preis einer Depression zu haben.

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Weiterhin gute Aussichten für Anleihen

Kommentare zu " Gary Shilling im Interview: „Aktien werden um ein Drittel fallen“"

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  • @Wolf
    "Was das Wanderungverhalten der Bevölkerung angeht, sind Sie, zumindest auf D bezogen, auf dem falschen Fuss. Es wird eine Abwanderung AUS den Ballungsräumen ins Land geben"
    so ein Blödsinn....

  • So einen herrlichen Unfug habe ich ja schon lange nicht mehr gelesen. Inflation und Deflation gleichzeitig. Das sind nämlich einfach Gegensätze. Entweder steigen die Preise der Güter (Inflation) ODER sie sinken. Es kann auch nicht gleichzeitig draußen +20 Grad und -20 Grad Celsius sein. Natürlich kann man sich über die Erfassung der Preisindices streiten, denn die offizielle Inflationsrate ist (meist) niedriger als die tatsächliche, weil der Warenkorb zu viel alte Produkte enthält, die dann billiger werden, weil sie nicht mehr nachgefragt werden (z.B. VHS-Cassetten). Und selbstverständlich gibt es auch in verschiedenen Branchen unterschiedliche Preisentwicklungen, aber DIE Inflationsrate ist dann immer die (gewichtete) Summe aller Einzelwerte.

  • Was das Wanderungverhalten der Bevölkerung angeht, sind Sie, zumindest auf D bezogen, auf dem falschen Fuss. Es wird eine Abwanderung AUS den Ballungsräumen ins Land geben. Das hat aber keine primär monetären Gründe, sondern ethnisch-kulturelle.

    Was den Gelddruckmodus angeht, der wird so lange anhalten, bis "die Pferde endlich saufen". Das kann man an den 3-Jahrestendern schon deutlich erkennen.

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