Gefährliche Niedrigzinsen: Weg mit dem Geld?!?

Gefährliche Niedrigzinsen
Weg mit dem Geld?!?

Die Notenbanken haben eine verkehrte Welt erschaffen: Geld gibt es fast zum Nulltarif. Sparen lohnt nicht mehr. Die Deutschen tun sich schwer mit der neuen Realität. Sie sehen zu, wie ihre Ersparnisse an Wert verlieren.
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DüsseldorfMax Magnesium* ist ein weltgewandter Mann. Der Deutsche arbeitet als Designer in der Werbebranche, wird von internationalen Konzernen beauftragt, pendelt zwischen New York und Paris. Ein Meister seines Fachs. Nur eine Frage beunruhigt ihn: Wohin mit dem Geld? „Es fühlt sich momentan besser an einer Bank Geld zu schulden, als dort Geld zu haben“, sagt er. „Also weg damit!“

Das klingt paradox. Aber es ist leider Realität. Der Schuldner ist besser dran als der Sparer.

Um einen Crash an den Finanzmärkten zu verhindern, haben die Notenbanken fast unbegrenzt billiges Geld zur Verfügung gestellt. Die Federal Reserve in den USA, die Bank of England und die Bank of Japan haben die Zinsen praktisch abgeschafft. Die EZB ist auf dem besten Weg dahin. In der vergangenen Woche hat sie ihren Schlüsselzins auf 0,5 Prozent gesenkt. So günstig kamen die europäischen Banken noch nie an Geld. EZB-Chef Mario Draghi bekräftigte erst gestern, dass er den Leitzins notfalls weiter senken wird.

Jetzt schon besteht die Gefahr, dass das Geld nicht da ankommt, wo es hin soll. Billiges Geld begünstigt Investitionen, die unter normalen Umständen nicht sinnvoll wären. Es schafft Anreize, höhere Risiken einzugehen. Betroffen ist aber auch jeder, der, so wie Max Magnesium, etwas Geld zurückgelegt hat. „Die Dummen sind einmal mehr die Sparer, die auf jetzt noch niedrigeren Zinsen sitzenbleiben“, sagt Torsten Gellert, Deutschlandchef des Devisenbrokers FXCM.

Die Zinsen für Sparguthaben sind bereits auf Tiefstand - und sie werden nach der EZB-Entscheidung weiter sinken. Umgekehrt sind Ratenkredite und Baugeld günstig. Der Deutsche tut sich schwer mit dieser neuen Realität. „Er ist ein williger Gläubiger, der sein Geld lieber anderen verleiht als damit selbst Eigentum zu erwerben“, sagt der Vermögensverwalter Bert Flossbach aus Köln.

Die Sparkassen und Versicherer bangen schon um's Geschäft. Jede weitere Absenkung der Zinsen lasse „die Sparguthaben schmelzen“, das wiederum bedeute „einen sinkenden Anreiz für das Sparen und Vorsorgen“, heißt es in einer Verlautbarung des Sparkassenverbandes. Dennoch ist nicht zu erwarten, dass die Leute scharenweise ihre Sparguthaben auflösen. Der deutsche Sparer ist erfahrungsgemäß zu träge. „Ich glaube nicht, dass die deutschen Sparer nun ihre traditionelle Vorsicht über Bord werfen“, sagte Jörg Warncke, Anleihefondsmanager von Union Investment.

Kommentare zu " Gefährliche Niedrigzinsen: Weg mit dem Geld?!?"

Alle Kommentare
  • Ja, das sagt mir was. :-)

    Ich habe mich von Gerd Kommerfür Indexing "begeistern" lassen. Seinerzeit (Anfang der 2000er) habe ich auch oft bei Motley Fool vorbeigeschaut. Leider wurde die dt. Webseite, die es mal gab, wieder dicht gemacht.

  • da gibts eine paar schöne (englischsprachige) seiten zu im netz. zum beispiel die www.bogleheads.org/wiki/Main_Page (geht auch ohne Vanguard).

  • Ja, getreu dem Motto "keep it short, simple and stupid" kommt man auch zum Ziel.

    Mir macht das einfach Spaß, auch wenn mir klar ist, dass mein Depot im Grunde schon alchemistischen Charakter hat.
    :-)

  • Ja, ich denke auch, dass da etwas heftiges auf uns zukommt.

    Ich mache es mir da etwas einfacher, was die Diversifikation angeht. Es gibt ja einige Erhebungen darüber, dass ein einfacher Aktien/Anleihen-Mix je nach Risikoneigung (z.B. 60/40) vollkommen ausreicht. Die Zeiten, wo Rohstoffe nicht mit Aktien korrelieren, sind ebenfalls vorerst vorbei. Dafür brauchte ich zwei maximal drei ETFs. Und wenn es runtergeht, kaufe ich nach. That's it.

    Auch die kommende Krise wird man überstehen, so wie die danach und die danach etc.

  • Ja, ich nutze dafür weitgehend ETFs, einzelne Anleihen und nur teilweise aktiv gemanagte (Immobilien-)Fonds - vor allem wegen des "Informationsvorsprungs" in unregulierten (Emerging) Markets.

    Ich streue dabei über bis zu 25 Assets. Ich bin mir natürlich bewusst, dass ich dass wesentlich einfacher haben könnte. 12 Assets sollten eigentlich vollkommen ausreichen.

    Beim Start hatte ich auch eine Korrelationsmatrix genutzt, aber später bin ich weniger stringent vorgegangen.
    Auch deshalb weil sich in den letzten Jahren (aufgrund der Globalisierung und als Krisen-Nebeneffekt ?) die Korrelationen so sehr angeglichen haben, dass am Ende ziemlich nutzlos vorkam.

    Um der ungelösten Deregulierungs-Zahlungsbilanz-Euro-Finanz-Krise (oder wie immer man sie nennen will, vielleicht schlicht GIER-Krise ?) Rechnung zu tragen, habe ich entgegen der "reinen Lehre" auch Short ETFs aufgenommen - mit sehr mäßigen Erfolg allerdings.

    Ich möchte aber für den kommenden Super-Crash wenigstens ansatzweise gewappnet sein. Aber ob das was helfen wird ??? Ich glaube es kaum ...

    Denn das, was uns beim Platzen der nächsten Mega-Blase bevorsteht, wird selbst die Weltwirtschaftskrise von 1929-1934 bei weitem in den Schatten stellen. Das haben wir dann auch den Notenbanken (= Inflationsbehörden) zu verdanken.
    Das einzig Positive daran wird sein, dass es dann endlich ein Groß-Reine-Machen geben wird - vergleichbar wohl mit dem Vorgehen der Römer nach der Niederschlagung von Spartakus' Sklavenaufstand.

  • Das hört sich vernünftig an. Anlegen muss nicht kompliziert sein und ich finde, dass wie Sie sagen, dass regelmäßige Zukaufen auch dazugehört.

    Wie setzen Sie das um? Über ETFs? Einen einzigen oder mehrere über verschiedene Anlageklassen?

    Habe gestern eine schöne Korrelationsmatrix gesehen, aus der hervorgeht, dass die letzten 5 Jahre eigentlich fast alles positiv miteinander korreliert (ausser Anleihen in wenigen Teilphasen).

  • Das kann schon sein, aber die Frage ist u.a. auch, wieviel Zeit wollen Sie dafür aufwenden ?
    Und im Sinne des "schwarzen Schwans" kann ich mit einer breiten "beliebigen" Streuung über diverse Länder und Branchen besser leben, als mit ein paar "Top Picks".

    Im übrigen wurde auch belegt, dass die Wahrscheinlichkeit, den Markt zu schlagen, mit der Zeit abnimmt.

    Aber egal, das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden ... Ich möchte hier niemanden bekehren. Die Rendite aktiv oder passiv gemanagter Anlagen anderer Leute ist mir einigermaßen wurscht.
    Da ist jeder selbst verantwortlich.

  • Wie will der Deutsche mit seinem Anlageverhalten sich eine Altersvorsorge aufbauen? Während Schäuble bislang "nur" Abgeltungssteuer auf Beträge erhebt, die der Sparer nie kassiert hat (nämlich auf die Quellensteuer, die im Ausland zu bezahlen ist, z.B. Schweiz mit 35%), und eine "MWSt auf Finanzdienstleistungen" ca 1/3 von der langfristigen Rendite auffressen wird, legen die Grünen mit Sozialversicherungsbeiträge auf Zinsen und Dividenden, Vermögensabgabe bzw. Vermögenssteuer (natürlich nicht auf Pensionsansprüche!) noch einen drauf. Es wird wie beim Benzin: 3/4 bzw. mehr von den Erträgen gehen an den Staat. Nach Steuern und Inflation schreibt der Anleger mit 100% Sicherheit rote Zahlen = die hier besprochene Enteignung. Merke: Nur ein vom Staat zu 100% abhängiger Bürger ist ein guter Bürger. Was also ist "Verbraucherschutz"???

  • Ein Vermögensverwalter, der sehr solide (= mit möglichst wenig Schwankungen) nachhaltig performende Vermögensverwaltende Fonds managt. Ein Vermögensverwaltender Fonds hat sehr viel mehr Freiheitsgrade und investiert in mehr Assetklassen als ein Mischfonds - der Grundsatz "nicht alle Eier in 1 Körbchen" wird von diesen Fonds also besonders gepflegt.

  • Was bewiesen wurde ist, dass man durch Stockpicking nicht besser als der Markt ist (auf Dauer). Glückliche & zufällige Ausnahmen bestätigen die Regel.

    Das heisst aber nicht, dass ein bunt zusammengewürfelter Indexfonds auf 100 Dividendenwerte (mit "Highlights" wie Belgacom und Banco Santander) besser sein muss als z.B. eine Auswahl von JNJ, PG, PMI, KO und MCD.

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