Geldanlage 2012
Schwellenländer locken mit Top-Renditen

In Zeiten der Schuldenkrise schauen Anleger besonders genau auf die boomenden Schwellenländer. Doch auch dort erzielen nur wenige Unternehmen tatsächlich exzellente Renditen. Welche Wertpapiere sich wirklich lohnen.
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DüsseldorfWer vor zehn Jahren auf Europa setzte und sich einen Aktienkorb mit den Börsen-Schwergewichten kaufte, sitzt heute auf einem Verlust von 30 Prozent. Schuld daran ist ein verhängnisvoller Mix aus miserabler Konjunktur in weiten Teilen der Euro-Zone, Schuldenkrise und drohender Pleite einiger Südländer. Mit amerikanischen und deutschen Aktien fuhren Anleger zwar etwas besser – aber keineswegs gut. Das alte Sparbuch mit Minizinsen von jährlich einem Prozent schlägt die risikoreiche Aktie in Deutschland, Europa und den USA.

Dabei sind heimische Aktien zurzeit sogar preiswert und auch kaufenswert. Denn gemessen an den Unternehmensgewinnen müssten die Kurse in Europa eigentlich 50 Prozent höher notieren. Doch ob die Kurse tatsächlich steigen, weiß niemand. Börsen funktionieren nun einmal nicht rein rational. Und den meisten Anlegern erscheint die Zukunft düsterer als die Gegenwart. Die Schuldenkrise und die daraus resultierenden ungewissen Ertragsaussichten für die Unternehmen sind auch die Ursache, warum Aktien derzeit so preiswert sind – und wohl noch lange bleiben dürften. Gut möglich, dass Anlegern also nach dem bereits verlorenen Jahrzehnt eine weitere Durststrecke bevorsteht.

Auch die Schwellenländer haben an Glanz eingebüßt. Vor fünf oder zehn Jahren setzten Anleger große Hoffnungen auf die Länder Brasilien, Russland, Indien und China – die Goldman-Sachs-Volkswirt Jim O’Neill vor Jahren öffentlichkeitswirksam als „Bric-Staaten“ zusammenfasste. Die aufstrebenden und bevölkerungsreichen Staaten wuchsen lange Zeit stärker als die gesättigten Märkte. Vom realen Wachstum profitierten auch die Anleger. Wer sich die russische Gazprom, den südkoreanischen

Elektronikgiganten Samsung oder China Mobile ins Depot legte, fuhr außergewöhnliche Gewinne ein. Doch diese Zeiten sind vorbei. Einfach auf die Gesamtmärkte und die dynamisch wachsenden Länder von morgen zu setzen, führt nicht mehr automatisch zum Erfolg. Angesichts hoher Inflationsraten und Abschwungssorgen ist der Glanz der Schwellenländer-Börsen verblasst. Seit Jahresanfang verloren die Aktienkurse in Russland, Brasilien, Indien und China zwischen 15 und 20 Prozent. Chinas Aktienmarkt büßte seit 2008 sogar beachtliche 60 Prozent ein – ein mehr als doppelt so großer Verlust wie bei den Dax-Werten.

Zwar ordern die Industrieländer immer mehr preiswerte chinesische Produkte. Auf diese Weise stiegen die Umsätze der chinesischen Firmen im abgelaufenen Geschäftsjahr um 50 Prozent. Doch mehr Masse bedeutet weniger Klasse. „Steigende Löhne und die personalintensive Produktion lassen die Gewinne chinesischer Unternehmen nur unterdurchschnittlich wachsen“, sagt der Schwellenländer-Experte Mikio Kumada von LGT Capital Management in Singapur. Das Geschäftsmodell beruhe auf Mengenwachstum und Massenproduktion. „Das kann sich in einem Abschwung, wie wir ihn aktuell erleben, schnell rächen“, sagt Kumada. Die Gewinne legten weniger stark als die Umsätze zu, die Nettoumsatzrendite verringerte sich im Durchschnitt auf 6,9 Prozent. Ohne die margenstarken Ölkonzerne verbleiben sogar nur drei Prozent. Zum Vergleich: Deutschlands Dax-Konzerne schafften ohne Öl und Gas 5,4 Prozent.

Kommentare zu " Geldanlage 2012: Schwellenländer locken mit Top-Renditen"

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  • hihi, wer verkauft schon eine Geldfabrik

    es gibt es eben tips, die funktionieren
    und welche, die man weiter gibt

  • Genau das habe ich getan. Ich habe Freudentränen in den Augen. Wer ist Herr Sommer ? Ist Saudi-Arabien nächstes Jahr noch Saudi-Arabien ? Besonders über den letzten Satz gut nachdenken. Danke !

  • Herr Sommer: Haben Sie schon mal ausgerechnet, was ein Anleger verdient hätte, der vor 10 Jahren in physisches Gold und Silber investiert hätte ?

    Da müßten Sie doch Tränen in den Augen haben !

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