Geldanlage
Aktienrückkäufe nehmen zu

Mit jeweils mehr als zwei Mrd. Euro pumpen derzeit Eon, BASF sowie die Münchener Rück am meisten Geld in den Rückkauf ihrer eigenen Aktien. Das zeigt ein Blick in die Bilanzen und Unternehmensberichte der Konzerne im Dax. Wer Anteilsscheine vom Markt nimmt, beflügelt den Kurs, riskiert aber auch schlechtere Ratings.

DÜSSELDORF. Herausragendes Beispiel ist BASF: Die Ludwigshafener haben seit der gesetzlichen Erlaubnis der Rückkäufe im Jahr 1998 bereits mehr als ein Fünftel ihrer Aktien eingesammelt. Insgesamt stampften die Dax-Konzerne in zehn Jahren für knapp 50 Mrd. Euro Aktien ein. Das ist so, als ob BMW und die Deutsche Telekom nicht mehr im Dax wären und sich der tägliche Handel bei gleichem Volumen auf 28 anstatt 30 Unternehmen beschränkt. Bis auf den Dialysespezialisten FMC und den Pharmakonzern Merck haben sich alle Dax-Konzerne auf der Hauptversammlung die Möglichkeit für einen Rückkauf von bis zu zehn Prozent der Aktien genehmigen lassen.

Damit nähern sich deutsche Unternehmen internationalem Standard an. In den USA entziehen die Konzerne nun schon das achte Quartal in Folge Aktien für mehr als 100 Mrd. Dollar dem Markt, zehnmal so viel wie noch Anfang der neunziger Jahre. Im laufenden Jahr kündigten US-Unternehmen nach Angaben des Analysehauses Birinyi Rückkäufe in Rekordhöhe für 466 Mrd. Dollar an, ein Drittel mehr als im Vorjahr. Zu den aktivsten zählt Exxon. Der Ölkonzern investierte dank sprudelnder Gewinne im vergangenen Jahr 31,6 Mrd. Dollar in den Erwerb seiner Aktien.

Professionelle Investoren drängen die Unternehmen, mehr Geld für höhere Aktienkurse in die Hand zu nehmen. Vor allem mit der Deutschen Börse, die bis 2004 keine Aktien einsammelte, gewann der Trend an Schwung. Die britische Beteiligungsgesellschaft TCI unterband kurzerhand den Griff nach der Londoner Börse, weil sie keinen Mehrwert sah. Stattdessen erzwang der Hedge-Fonds eine höhere Dividende und den Rückkauf eigener Aktien. Ergebnis: Seit Scheitern der Fusionsabsichten zählt die Aktie zu den erfolgreichsten Dax-Werten.

„Rückkäufe beflügeln den Kurs, können aber auch manipulieren“, kritisiert der Jenaer Universitätsprofessor Walter Bayer. So hätte die Deutsche Bank ohne ihre massiven Rückkäufe nicht so schnell ihre hohe Eigenkapitalrendite erreicht. Im ersten Halbjahr war beim größten deutschen Bankhaus die Eigenkapitalrendite vor Steuern auf 40 Prozent gestiegen. Vorstandschef Josef Ackermann hatte vor Jahren 25 Prozent als Ziel vorgegeben, was damals sehr hoch erschien.

Dem britischen Mobilfunkriesen Vodafone gelang es, den Gewinn pro Aktie – an den Finanzmärkten die wichtigste Kennzahl – stabil zu halten, indem die Zahl der Aktien ständig sank. Für Coca Cola errechnete sich aus Rückkäufen im Wert von 13 Mrd. Dollar anstelle einer Stagnation ein Gewinnplus von 15 Prozent.

Nach einer Studie der Universität Jena entwickelten sich die Aktienkurse an den beiden Handelstagen vor und nach einer Rückkauf-Mitteilung 5,4 Prozent besser als der Vergleichsindex. Untersuchungen des Investmenthauses Morgan Stanley belegen überdies, dass der Kurs der Rückkäufer ein Jahr nach der Ankündigung den Vergleichsindex sogar um 13 Prozent übertrifft. Die Kurse schießen demnach stärker in die Höhe, als es dem tatsächlichen Gewinneffekt entspricht. Prominentes Beispiel ist General Electric.

Seite 1:

Aktienrückkäufe nehmen zu

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%