Geldanlage
Investieren in Studenten

Risikoinvestment mal anders: Der Verein studienaktie.org vermittelt private Investoren an Studenten und andere Bildungswillige. Die verkaufen Teile ihres späteren Einkommens. Von dem hängen auch die Zinsen ab.
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FrankfurtDer eine will Opernsänger werden, die andere studiert Forstwissenschaften. Auch BWLer gibt es viele. Der gemeinnützige Verein studienaktie.org hat eine reiche Auswahl junger Menschen „im Portfolio“. Was sie eint: Sie brauchen Geld für Bildung. Und private Investoren sind bereit, es ihnen zu geben. Der Verein aus St. Gallen trägt seinen Namen nicht ganz zu Recht: Es sind keine Aktien, die von Studenten verkauft werden, sondern Teile des späteren Einkommens. Kurz: Es ist das Geschäft mit erfolgsabhängigen Darlehen.

Seit seiner Gründung im Jahr 2006 hat studienaktie.org rund 80 Studierende finanziert, 45 davon allein im vergangenen Jahr. In diesem Jahr rechnet der Gründer Lars Stein mit rund 80 neuen Studenten, die jeweils drei bis fünf Kredite als Direkt-Investments in Anspruch nehmen. Aspirant heißen die Geförderten, weil es sich nicht nur um Studenten handeln muss. Einzige Voraussetzung: Das Geld muss der Bildung dienen. So wurde schon einmal eine Forschungsreise in den Kongo finanziert.

Die Direkt-Investments sind das Herzstück des Vereins. „Aspirant und Investor lernen sich persönlich kennen“, erklärt Stein. Der Investor zahlt ein einmaliges Darlehen von mindestens 1000 Euro und erhält am Ende der Laufzeit – meist nach vier bis fünf Jahren – einen Anteil des Jahreseinkommens des Bildungsaspiranten. Von diesem Einkommen hängt ab, wie hoch sich der Kredit tatsächlich verzinst und wie viel Geld der Investor zurückbekommt.

In einer Beispielrechnung sieht das so aus: Der Student schätzt bei Vertragsabschluss sein künftiges Jahreseinkommen auf 85000 Euro. Die Einkommen werden bei studienaktie.org standardmäßig mit fünf Prozent über die gewählte Vertragslaufzeit abgezinst; im Beispiel über vier Jahre auf einen jetzigen Wert von 70 000 Euro. Die fünf Prozent sind der Zins auf den Kredit. Wenn sich der Förderer entschließt, 7000 Euro zu investieren, bekommt er nach vier Jahren 8500 Euro zurück – sein Kapital plus der fünf Prozent Zinsen, inklusive Zinseszinsen.

Verdient der Aspirant mehr, erhält der Investor höhere Zinsen. Fällt das Gehalt unerwartet niedrig aus, verringern sie sich. „Viele Investoren sichern sich aber mindestens zwei Prozent vertraglich als Inflationsausgleich zu“, sagt Stein. Auch nach oben gibt es eine Grenze: Bei 15 Prozent ist Schluss. „Die ersten drei Rückzahlungen lagen zwischen 5,5 und zehn Prozent“, sagt Stein. Die den Verträgen zugrundeliegenden Gehaltsschätzungen überprüft der Verein.

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